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Corona-Zahlen in Großbritannien drohen zu „explodieren“ - Minister mit besorgniserregender Prognose

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Von: Kai Hartwig

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Einmal mehr rückt Großbritannien im Kampf gegen das Coronavirus in den Fokus. Kam der „Freedom Day“ zu früh? Britische Ärzte zeigen sich besorgt.

London – Die zuletzt veröffentlichen Corona-Zahlen aus Großbritannien sind besorgniserregend. Am Dienstag (19. Oktober) wurden im Vereinigten Königreich nach offiziellen Angaben 223 Todesfälle in Verbindung mit dem Coronavirus gemeldet.

Auch die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen pendelte sich in den vergangenen Tagen um den Wert von fast 50.000 ein. Zudem wurden pro Tag nahezu 1000 neue Krankenhauseinweisungen registriert. Am Donnerstag (21. Oktober) schlug der britische Ärzteverband Alarm.

Corona in Großbritannien: Ärzteverband schlägt Alarm - „Bewusst fahrlässig von der Regierung“

Die British Medical Association (BMA) fordert von der Regierung um Premierminister Boris Johnson die Wiedereinführung von Corona-Regeln. „Es ist bewusst fahrlässig von der Regierung in Westminster, keine Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen zu ergreifen wie das verpflichtende Maskentragen, Abstand halten und Lüften in Umgebungen mit hohem Risiko, vor allem beengten Innenräumen“, wurde der BMA-Vorsitzende Chaand Nagpaul in einer Mitteilung zitiert.

Noch am Mittwoch (20. Oktober) hatte der britische Gesundheitsminister Sajid Javid im Rahmen einer Pressekonferenz eine Rückkehr zu Corona-Maßnahmen in England vorerst abgelehnt. Javid warnte zwar, dass die Zahl der täglichen Neuinfektionen zeitnah den Wert von 100.000 überschreiten könne. Doch der Minister ist der Auffassung, dass der Nationale Gesundheitsdienst (NHS) „zum jetzigen Zeitpunkt“ noch Herr der Lage ist.

Corona in Großbritannien: Ärzteverband widerspricht Gesundheitsminister Javid

Das sieht BMA-Chef Nagpaul anders – und fordert die Rückkehr zu Plan B. Also die Wiedereinführung der Corona-Maßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsregeln, die in England mit dem „Freedom Day“ am 19. Juli gegen den Rat vieler Experten abgeschafft worden waren. „Als Ärzte, die in erster Reihe stehen, können wir absolut sagen, dass dieser Punkt jetzt erreicht ist“, befand Nagpaul.

Weil das Thema Gesundheit in Großbritannien eine Sache der einzelnen Landesteile ist, gibt es in England, Schottland, Wales und Nordirland unterschiedliche Regeln. Während England nahezu alle Beschränkungen aufgehoben hat, gelten in den restlichen Landesteilen noch einige Corona-Maßnahmen.

Trotz der alarmierenden Entwicklungen im Vereinigten Königreich plant die britische Regierung noch ohne verschärfte Corona-Regeln. Dafür aber mit einer Intensivierung der Impfbemühungen. Vor allem bei der stockenden Corona-Drittimpfung für Jugendliche und älteren Menschen will man ansetzen.

Pendler sitzen zum Teil mit und ohne Mund-Nasen-Schutz in einer Londoner U-Bahn auf der Jubilee Line
In Englands öffentlichen Verkehrsmitteln – wie hier der Londoner U-Bahn – tragen nicht alle eine Maske. © Matt Dunham/dpa

Corona in Großbritannien: Neue Virusvariante AY.4.2 breitet sich aus – wie gefährlich ist „Delta plus“?

Derweil bereitet auf den britischen Inseln auch eine neue Virusvariante große Sorgen. „Eine neu als AY.4.2 bezeichnete Delta-Sublinie ist in England auf dem Vormarsch“, war im Virusvarianten-Bericht vom 15. Oktober der UK Health Security Agency (UKHSA), die zum britischen Gesundheitsministerium gehört, zu lesen. Demnach betrug der wöchentliche Anteil der Virusvariante AY.4.2 (auch Delta-Plus genannt), die auch schon in Österreich auftrat, bei den Corona-Fällen in England ab 27. September rund sechs Prozent. Und die Tendenz zeigt klar nach oben.

Das Wellcome Sanger Institute in Cambridge verfolgt die Entwicklung und Veränderung des Coronavirus auf wissenschaftlicher Basis. Laut Erkenntnissen des Instituts verdoppelte sich der Delta-Plus-Anteil in England zuletzt. Lag dieser im September noch bei vier Prozent, sei er nun (bei einer Datenerfassung bis einschließlich 9. Oktober) bis auf neun Prozent angestiegen.

Nach Ansicht von Fachleuten wie Jeffrey Barrett, dem Direktor der Covid-19 Genomics Initiative am Wellcome Sanger Institute, und Francois Balloux, der als Direktor dem Genetics Institute des University College London vorsteht, ist Vorsicht geboten. Die beiden Wissenschaftler sind laut Financial Times der Ansicht, dass AY.4.2 vermutlich zwischen zehn und 15 Prozent ansteckender als bisher bekannte Delta-Varianten ist. Doch wie gefährlich ist die Mutation tatsächlich?*

Allerdings schränkten Balloux gegenüber der BBC auch ein. „Das ist nichts im Vergleich zu dem, was wir bei Alpha und Delta gesehen haben“, meinte der Wissenschaftler. Diese seien „etwa 50 bis 60 Prozent mehr übertragbar“ gewesen, als die damals bekannten Virusvarianten. (kh)*24vita.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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