Ein Coronavirus im Blut.
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Ein Coronavirus im Blut.

Britische Variante bald auf der ganzen Welt?

Biologin gibt Zukunftsprognose: Corona-Mutationen werden uns auch in 10 Jahren noch beschäftigen

  • Julia Hanigk
    VonJulia Hanigk
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Die ursprüngliche Version des Coronavirus ist inzwischen mutiert und wird es weiter tun. „Noch in 10 Jahren“ werden wir damit zu tun haben, so die Prognose einer renommierten Biologin.

  • Das Coronavirus liegt inzwischen in drei uns bekannten Mutationsformen vor, die gefährlich sind.
  • Dass es zu Mutationen kommt, ist normal, bedarf aber weitergehender Beobachtung, erklärt die renommierte Biologin Sharon Peacock.
  • Sie ist der Meinung, dass man auch in zehn Jahren noch mit Virus-Varianten forschen wird.

London - Bereits mehrere Mutanten der weltweit am häufigsten vorkommenden Form des Coronavirus sind bekannt. Es gibt die brasilianische, südafrikanische und britische Variante des Virus. Alle drei Mutationen sind ansteckender als der bekannte Virustyp und verbreiten sich daher schneller in der Gesellschaft. Bei der südafrikanischen Variante kommt hinzu, dass sich auch Geimpfte und bereits Genesene leichter erneut infizieren können. Das sogenannte Spikeprotein des Virus, das für die Andockung an die menschliche Wirtszelle zuständig ist, ist bei dieser Variante so verändert, dass der Körper das Virus nicht erkennt und somit nicht mit den bereits gebildeten Antikörpern abwehren kann.

Neue Corona-Mutanten in England entdeckt

In England schlägt das Gesundheitsministerium nun Alarm: Eine neue Mutante wurde entdeckt, die auch direkt als „besorgniserregend“ eingestuft wurde. Forscher:innen sind in Sorge, dass sich gefährliche Eigenschaften der unterschiedlichen Mutationen nun vereinen könnten. Susan Hopkins von der Gesundheitsbehörde Public Health England schränkte gegenüber Reporter:innen jedoch auch ein, dass die Mutation bereits seit vergangenem April in unterschiedlichen Varianten immer wieder aufgetreten und dann wieder verschwunden sei. Dem schloss sich auch der medizinische Chefberater der Regierung, Patrick Vallance, an. Allerdings: Ein erster Impfstoff, der von Astrazeneca, scheint gegen die südafrikanische Variante nicht ausreichend zu wirken.

Corona-Ausblick: „noch in zehn Jahren“

Die Mikrobiologin Sharon Peacock von der Universität Cambridge äußerte im BBC-„Newscast“ nun einen weiteren, beunruhigenden Zukunftsausblick zu Virus-Mutationen. Sie gehe davon aus, dass Varianten des Coronavirus Sars-CoV-2 die Welt auch noch Anfang der 2030er-Jahre beschäftigen werden. „Sobald wir das Virus unter Kontrolle haben oder es selbst so mutiert, dass es nicht mehr virulent ist und Krankheit hervorruft, können wir aufhören, uns zu sorgen“, sagte Peacock. Sie leitet das britische Programm zur Sequenzierung von Coronavirus-Proben. „Aber wenn ich in die Zukunft schaue, denke ich, dass wir das (Sequenzieren, Anm. d. Red.) Jahre lang machen werden. Wir werden das meiner Meinung nach auch noch in zehn Jahren machen.“

Corona-Mutationen seien normal - Welt beobachtet Virusformen

Es sei normal und in den meisten Fällen unbedenklich, dass Viren Mutationen entwickeln, so Peacock. Denn nur sehr wenige davon riefen auch spezielle Eigenschaften hervor, die den Erreger etwa ansteckender machen oder die Immunantwort auf das Virus einschränken könnten, wie etwa bei der südafrikanischen oder britischen Variante. Diese gelte es zu beobachten und früh zu erkennen - so auch in Deutschland. Das Robert Koch-Institut legte hierzu auch bereits erste Daten vor: Die britische Variante komme in 5,8 Prozent der 31.000 untersuchten Proben vor und breite sich schnell aus. Der Lockdown wurde aufgrund dieser nahenden dritten Welle für Deutschland bis zum 7. März verlängert und eine neue Inzidenz von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner:innen (statt 50) als Zielwert festgelegt, ab welchem Lockerungen eintreten könnten.

Britische Virus-Variante bald auf der ganzen Welt

Die Biologin Sharon Peacock geht ebenfalls davon aus, dass die in Großbritannien entdeckte Corona-Variante B.1.1.7 schon bald nicht nur im Vereinten Königreich die dominante Variante sein wird. „Sie wird aller Wahrscheinlichkeit nach durch die ganze Welt schwappen.“ Schon jetzt ist die ansteckendere Variante in mehr als 50 Ländern nachgewiesen worden.

Lauterbach in Talkshow: „Turbo-Viren“

Dem stimmt auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu. In der Talkshow „Maischberger“ in der ARD am 10. Februar, warnte er kurz nach dem Corona-Gipfel, es müsse „verschärft werden“, da die Viren aus Südafrika und Großbritannien wie „Turbo-Viren“ wirken würden. Auch der Intensivmediziner Prof. Uwe Janssens stimmt im Talk zu: „Die Zahlen in Großbritannien und Irland haben gezeigt, was das für dramatische Effekte hatte. Explosionsartige Zunahmen!“ (jh) *mit Informationen der dpa.

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