Fast überall Ausgangssperren

Corona in Afrika: 18 Menschen wegen Ausgangssperren-Verstoß getötet - WHO mit erschreckender Prognose zur Infizierten-Zahl

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Das Coronavirus trifft auch die Länder in Afrika: In Kenia herrscht Maskenpflicht, aus Nigeria wird von Polizeigewalt berichtet. Der News-Ticker.

  • Die Coronavirus-Pandemie* hat weltweites Ausmaß angenommen.
  • Während Covid-19 zunächst nur in China aufgetreten war, hat sich die Lungenkrankheit mittlerweile auf den gesamten Globus verteilt.
  • In Afrika werden die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus verstärkt. 

Update vom 16. April, 18.58 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine vorläufige Einschätzung zur Infiziertenzahl in Afrika abgegeben, berichtet ntv. Demnach könnte die Zahl innerhalb von drei bis sechs Monaten auf zehn Millionen ansteigen. Der Chef des WHO-Notfall-Stabs in Afrika, Michel Yao, betonte jedoch, dass sich diese Prognose noch ändern könne.

Wenn die Menschen ihre Gewohnheiten anpassen, kann die Zahl gesenkt werden. Ähnlich hatte es sich während der Ebola-Epidemie verhalten. Die schlimmsten Prognosen hatten durch das Reagieren der Bevölkerung nicht bewahrheitet. Derzeit herrschen in Afrika strenge Ausgangssperren.

Afrika zählt nach offiziellen Angaben zum jetzigen Zeitpunkt außerdem 17.000 Infizierte und 900 Corona-Tote.

Coronavirus in Afrika: Verstoß gegen Ausgangssperre - Sicherheitskräfte in Nigeria töten 18 Menschen

Update vom 16. April, 16.13 Uhr: In Teilen Afrika scheint es bei den Corona-Ausgangsperren zu schrecklichen Vorfällen zu kommen. So haben Sicherheitskräfte in Nigeria 18 Menschen getötet, weil diese sich nicht an die geltende Ausgangssperren gehalten haben sollen. 

Wie die Nationalen Menschenrechtskommission weiter mitteilte, habe es „105 Beschwerden über Vorfälle von Menschenrechtsverletzungen durch Sicherheitskräfte“ in 24 der 36 nigerianischen Bundesstaaten und in der Hauptstadt Abuja gegeben. Die Vorfälle seien dokumentiert worden, hieß es in einem am Mittwochabend veröffentlichten Bericht.

Es seien auch mehrere Fälle von außergerichtlichen Tötungen dokumentiert worden, bei denen 18 Menschen getötet worden seien, erklärte die Menschenrechtskommission weiter. In dem Bericht werden die Sicherheitskräfte der exzessiven oder unverhältnismäßigen Anwendung von Gewalt, des Machtmissbrauchs, der Korruption und der Nichtbeachtung nationaler und internationaler Gesetze, bewährter Praktiken und Einsatzregeln“ beschuldigt.

Die Zahl der Getöteten übersteigt die offizielle von den Behörden gemeldete Zahl der Corona-Toten in dem westafrikanischen Land. Offiziellen Angaben zufolge infizierten sich bislang 407 Menschen, 12 starben.

Die bevölkerungsreichste Nation Afrikas hat sowohl die Hauptstadt Abuja als auch die Millionenmetropole Lagos im Kampf gegen das Coronavirus abgeriegelt. Auch über andere Regionen wurden Ausgangsbeschränkungen verhängt. Sicherheitskräfte, darunter Polizei und Armee, sind im Einsatz, um die Maßnahmen durchzusetzen.

Coronavirus in Afrika: Strikte Ausgangssperren verlängert - Menschen plündern für Essen, Alkohol und Tabak

Update vom 15. April: In dem von einer strikten Ausgangssperre betroffenen Südafrika sind mehrere Lebensmittelgeschäfte geplündert worden. Betroffen war vor allem der Großraum um Kapstadt. Zuvor hatte es auch Berichte über Tumulte bei der Verteilung von Hilfspaketen in einem Township gegeben.

Der Kap-Staat hat am 27. März eine der weltweit strengsten Ausgangssperren verhängt, zugleich die Landgrenzen geschlossen und den Personen-Flugbetrieb eingestellt. Die von Polizei und Armee oft mit harter Hand durchgesetzte Beschränkung sieht ein Verlassen der Wohnung nur bei medizinischen Notfällen oder dringenden Versorgungsgängen vor. Der tägliche Anstieg der Neuinfektionen ist seitdem spürbar gesunken.

Zusammenstöße zwischen Bewohnern in Westkap und der Polizei

Die Ausgangssperre trifft vor allem in den Townships viele Menschen hart, die auf engstem Raum leben und keinerlei Rücklagen haben. Das strikte Verbot des Alkohol- und Tabakverkaufs führte auch zu Plünderungen von Spirituosenläden. Südafrika, das eine großangelegte Testreihe gestartet hat, hat mit 2415 bestätigten Fällen die höchste Zahl an Infizierten auf dem Kontinent.

Coronavirus in Afrika: „Am Beginn eines monumentalen Kampfes“ - Menschen plündern Läden

Update, 10. April 2020: Die wegen Sars-CoV-2 in Südafrika verhängte dreiwöchige Ausgangssperre wird um weitere zwei Wochen verlängert. Das verkündete Staatspräsident Cyril Ramaphosa in einer Rede an die Nation. „Wir stehen erst am Beginn eines monumentalen Kampfes“, sagte Ramaphosa. In Südafrika gilt eine der strengsten Ausgangssperren weltweit. 

Die von Polizei und Armee kontrollierte Beschränkung sieht ein Verlassen der Wohnung nur bei medizinischen Notfällen oder dringenden Versorgungsgängen vor. Hinzu kommt ein striktes Verbot des Alkohol- und Tabakverkaufs, welches im Großraum Kapstadt zu Plünderungen von Spirituosenläden führte. 

Coronavirus in Afrika: Isolationsstätten für Flüchtlinge in Niger - Konzern aus China schickt Masken

Update, 9. April 2020: Im Sahelstaat Niger, der seit Jahren von der EU als Abwehrzone gegen Migranten genutzt wird, baut die Regierung mit Hilfe des UNHCR Stadien als Isolationsstätten für Flüchtlinge um.

Nach oft geäußerter Kritik an China, wird das Land aktuell in afrikanischen Medien sehr positiv erwähnt: Sowohl die Regierung als auch der Geschäftsmann Jack Ma, der hinter dem Alibaba-Konzern steckt, haben Lieferungen angekündigt. Die Alibaba-Stiftung will allen 54 Ländern des Kontinents jeweils 20.000 Testkits, 100.000 Masken und 1.000 Schutzanzüge schicken, die chinesische Regierung will einzelne Isolationsstationen in Krankenhäusern bauen. Kritik kommt aus Nigeria - die einheimischen Ärzte könnten die Situation gut alleine bewältigen.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) begrüßte unterdessen das 15-Milliardenpaket, das die EU versprochen habe, kritisierte aber, dass darin auch bestehende Hilfspakete enthalten seien, die nur umgewidmet wurden. Er fordert größere Anstrengungen der EU angesichts der Krise.

Coronavirus in Afrika: Sorge vor sich ausbreitender Polizeigewalt

Update, 8. April 2020: Während in vielen Ländern bereits strenge Ausgangssperren gelten, wächst die Sorge vor Auswüchsen von Polizeigewalt. Wie eine Sprecherin von Amnesty International sagte, gebe es in einigen Ländern Tendenzen, Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus als Vorwand für Repressionen zu nutzen. So seien in Uganda Homosexuelle verhaftet worden, in Südafrika sollen Obdachlose mit Gummigeschossen beworfen worden. Amnesty befürchtet, dass die Menschen durch derartige Aktionen das Vertrauen in die Behörden verlieren und weiteren Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung kritisch entgegenstehen würden. 

Den Maßnahmen widersetzt hatte sich die südafrikanische Digitalministerin Stella Ndabeni-Abrahams - als bekannt wurde, dass sie sich mit einem Freund zum Mittagessen getroffen wurde, kürzte Präsident Cyrill Ramaphosa ihr Gehalt.

Die WHO gab am Mittwoch (8. April) bekannt, dass inzwischen 500 Menschen auf dem Kontinent in Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gestorben seien und es 10.000 bestätigte Fälle gebe. 

Unterdessen rufen Intellektuelle dazu auf, die Krise als Chance dafür zu nutzen, ein neues Afrika zu entwickeln. Wie der togolesische Wirtschaftswissenschaftler Kako Nubukpo in der französischen Le Monde Afrique schreibt, müsse sich der Kontinent auf Produktionen im Inneren besinnen und darauf, das Wohlergehen der Menschen in den Vordergrund der Politik zu stellen.

Coronavirus in Afrika: Unternehmer in Kenia stellen Masken her

Update 7. April 2020: Die Corona-Krise macht sich auch in Afrika immer mehr bemerkbar. Inzwischen kam es mehrmals zu Vorfällen, bei denen die Einsatzkräfte die geltenden Ausgangssperren offenbar äußerst aggressiv durchsetzten. Daraufhin haben auch deutsche Politiker wie Entwicklungsminister Gerd Müller und EU-Politiker wie Außenbeauftragter Josep Borrell vor den Folgen der Pandemie speziell in Afrika gewarnt. 

Doch es gibt mitunter auch positive Nachrichten. So setzten in Kenia Fashion- und Möbeldesigner ihre Fähigkeiten ein, für ärmere Kenianer in Slums Masken herzustellen. „Unsere Mission ist es zu versuchen, diese Masken in die Hände und auf die Gesichter von schutzbedürftigen Menschen zu kriegen“, erklärt die Möbelmacherin Sara Reeves. „Je mehr Menschen Masken tragen, desto besser ist es für uns alle in Kenia.“

Corona-Krise in Afrika: Maskenpflicht für Kenianer - doch viele können sie sich nicht leisten

In Kenia müssen seit kurzem alle Menschen in der Öffentlichkeit Masken tragen - doch die wenigsten können sich eine leisten. Vor allem in den Slums in Nairobi leben die Anwohner auf engstem Raum und oft mit mangelnder Hygiene sowie wenig finanziellen Rücklagen. Bisher gibt es in Kenia mindestens 158 bestätigte Covid-19-Fälle und die Sorge ist groß, dass das dortige Gesundheitssystem und die Wirtschaft schwer unter einer weiteren Ausbreitung leiden werden. 

Update 4. April 2020: Eine Ausbreitung des Coronavirus* in Afrika hätte nach Ansicht des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell verheerende Folgen. „Die Pandemie könnte dort sehr schnell außer Kontrolle geraten“, sagte der Spanier am Freitag nach Beratungen mit den EU-Außenministern. Das Gesundheitssystem in Afrika sei nicht mit dem in Europa vergleichbar. So komme in Afrika beispielsweise nur ein Arzt auf zehntausend Einwohner, während es in Europa 37 Ärzte seien.

„Wir müssen Afrika in unserem eigenen Interesse helfen.“ Das Problem sei nicht gelöst, wenn es nur in Europa gelöst sei. Dann könne es zu einem Rückschlag kommen. Kommenden Mittwoch wollen die Entwicklungsminister der EU-Staaten über mögliche Hilfen beraten.

Corona-Krise in Afrika: Müller fürchtet neue Flüchtlingsbewegungen wegen Pandemie

Der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller befürchtet, dass die Corona-Pandemie in Afrika zum Ausbruch neuer Gewalt und zu neuen Flüchtlingsbewegungen führt. „Die Lage ist dramatisch, denn mit einer Verzögerung von zwei Monaten kommt das Virus jetzt in den Entwicklungs- und Schwellenländern an“, sagte der CSU-Politiker der Augsburger Allgemeinen. „Ich habe große Sorgen, dass es in fragilen Staaten zum Ausbruch von Unruhen kommt, auch zu Bürgerkriegen“, betonte er.

Die wirtschaftlichen Verwerfungen der Krise träfen Afrika mit voller Wucht: „Millionen Menschen haben in Entwicklungsländern schon ihre Arbeit verloren, verfügen über keinerlei Absicherung und Einkommen“, sagte Müller. „Es kommt bereits zu Unruhen. Terroristische Gruppen verüben verstärkt Anschläge, mit dem Ziel Regierungen zu stürzen“, betonte er. „Chaos bis hin zum Bürgerkrieg und Flüchtlingswellen wären die Folge. Dies alles betrifft auch uns.“ Deswegen müsse die internationale Gemeinschaft alles unternehmen, um den Zusammenbruch einzelner Staaten zu verhindern.

In Deutschland haben sich unterdessen bereits über 100.000 Personen mit dem Coronavirus infiziert.

Corona-Krise in Afrika: Caritas warnt vor Covid-19-Folgen

Update vom 3. April 2020: Die katholische Hilfsorganisation Caritas International hat vor einer Ausbreitung des Coronavirus in Afrika gewarnt. So sagte Caritas-Generalsekretär Aloysius John am Freitag bei einer Internet-Pressekonferenz, dass Covid-19 in den armen Ländern des afrikanischen Kontinents noch verheerendere Folgen haben könnte als etwa in den bislang stark betroffenen westlichen Staaten

Aus Ebola-Ausbrüchen in Afrika habe man gelernt, dass es besonders wichtig sei, die Menschen auch in abgelegenen Regionen über Vorsorgemaßnahmen zu informieren, erläuterte eine Sprecherin. Die Caritas sei außerdem besorgt, dass Flüchtlinge in vielen Regionen der Erde womöglich heftig unter den Virus-Folgen leiden müssten, sagte John. Deshalb rufe seine Organisation, wie auch schon der Papst, zu einem weltweiten Waffenstillstand auf. Zudem sollten wegen der Gesundheitskrise Sanktionen gegen Länder wie Syrien, Libanon oder den Iran aufgehoben werden, sagte er. 

Update vom 2. April 2020: In Afrika führen brutale Übergriffe von Polizei und Armee bei der Umsetzung der Restriktionen im Kampf gegen das Coronavirus zunehmend zu Beschwerden von Menschenrechtsorganisationen. „Die Sicherheitskräfte haben exzessive Gewalt angewandt, inklusive Schlägen, Schüssen und willkürlichem Arrest von Menschen überall im Lande“, kritisierte am Donnerstag die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch in Uganda

Corona-Krise in Afrika: Sicherheitsinstitut kritisiert Vorgehen der Polizei

Ein Regierungssprecher wies die Vorwürfe jedoch von sich und betonte, dass es sich um isolierte Einzelfälle handele. Auch in Südafrika mehren sich unterdessen Berichte über Übergriffe der Sicherheitskräfte. Das dortige Institut für Sicherheitsfragen (ISS) kritisierte am Donnerstag mit dem Hinweis auf offiziell noch unbestätigte Medienberichte: „Gerade mal fünf Tage nach Verhängung der Ausgangssperre hat die Polizei laut Berichten drei Menschen getötet.“ 

Weiter warnte das Institut, dass die Risiken durch fortgesetzte, illegitime Staatsgewalt für Südafrikas Zukunft höher sein könnten als die mit der Pandemie verbundenen Risiken. John Steenhuisen von der Oppositionspartei Democratic Alliance nannte die Übergriffe „inakzeptabel und besorgniserregend“

Update vom 01. April 2020: Während in Mali trotz der Corona-Pandemie* die Parlamentswahlen durchgeführt wurden, entschied sich ein anderes Land, die Wahlen zu verschieben. In Äthiopien sollten das Parlament am 29. August neu gewählt werden. Nun wurden die Wahlen auf einen späteren Zeitpunkt verlegt. 

Corona-Infektionen in Afrika steigen: Äthiopien verschiebt Parlamentswahlen

Die Wahlkommission führte als Gründe die Ausbreitung der Lungenkrankheit Covid-19* und die dadurch unterbrochenen Vorbereitungen an. Ein neues Datum sei noch nicht festgelegt worden, teilte die Kommission am Dienstag mit. Als Befürworter der Entscheidung zählt auch eine Oppositionsgruppe ONLF, die erklärte, Menschenleben zu retten sei wichtiger als die Besetzung politischer Ämter.

Das Parlament, das über den Ministerpräsidenten abstimmt, wird in Äthiopien von den Bürgern gewählt. Die Abstimmung gilt als wichtige Bewährungsprobe für Regierungschef Abiy Ahmed. Der junge Politiker hat seit Amtsantritt im April 2018 etliche Reformen angestoßen und Frieden mit dem Nachbarland Eritrea geschlossen. Dafür wurde er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Sicherheitslage im Land hat sich jedoch unter Abiy verschlechtert.

Corona-Infektionen in Afrika steigen: 13-Jähriger bei Ausgangssperre-Kontrolle von der Polizei erschossen

Update vom 31. März: Auch Afrika verzeichnete in den vergangenen Wochen erste Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2. Bei der Durchsetzung einer nächtlichen Ausgangssperrung zur Eindämmung des Coronavirus in Kenia kam es nun zu einem schrecklichen Vorfall. Ein 13-jähriger Junge ist dabei von der Polizei erschossen worden.  

Wie die kenianische Tageszeitung „Daily Nation“ am Dienstag berichtete, hatten Polizisten am Montagabend in einem Slum der Hauptstadt Nairobi mit scharfer Munition geschossen, um Passanten zu zerstreuen. Dabei wurde der Junge von einer Kugel in den Unterleib getroffen. Die Zeitung beruft sich auf Augenzeugen.

Die Ausgangssperre gilt seit vergangenem Freitag im Zusammenhang mit dem Kampf gegen das Coronavirus. Die Eltern des Jungen berichteten der Zeitung, der Schüler habe auf dem Balkon gespielt, als ihn die Kugel traf. Er starb später im Krankenhaus. Der Chef der kenianischen Polizei, Hillary Mutyambai, ordnete eine Untersuchung an.

Schon zuvor hatte das gewaltsame Vorgehen der kenianischen Polizei zur Durchsetzung der Ausgangssperre Kritik provoziert. Am Freitag hatten Polizisten in der Hafenstadt Mombasa Passanten mit Stöcken und Peitschen geschlagen, außerdem Tränengas eingesetzt.

Corona-Infektionen in Afrika steigen: Viele Länder ergreifen drastische Maßnahmen

Update vom 29. März: Schon nach Bekanntwerden relativ kleiner Fallzahlen haben zahlreiche afrikanische Länder drastische Maßnahmen ergriffen - in Namibia wurden direkt nach Auftreten des ersten Falls etwa landesweit die Schulen geschlossen, Kenia und Nigeria setzen auf Einreisestopps und das Verbot von Versammlungen, wie Deutschlandfunk berichtet. Zugutekommen könnte dem Kontinent, dass weitreichende Erfahrungen im Zusammenhang mit der Ebola-Epidemie vorhanden sind und die Bevölkerung einen bewussteren Umgang mit der Ansteckungsgefahr kennt. So verbreiten sich jetzt Informationen schnell auch über Social Media. Aktuell führt auf der Karte der John-Hopkins-Universität Südafrika die Statistik mit 1187 positiv Getesteten und einem Todesfall an.

Update vom 20. März: In Südafrika ist die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen deutlich gestiegen. Sie habe sich innerhalb eines Tages um 52 neue Fälle auf 202 erhöht, sagte Gesundheitsminister Zweli Mkhize am Freitag. Damit ist Südafrika das am schwersten betroffene Land im Afrika südlich der Sahara.

Der Erreger werde sich weiter ausbreiten und „eine ganze Weile bei uns bleiben“, warnte der Minister. „Dieser Realität müssen wir uns stellen.“ Dies bedeute jedoch nicht, dass eine Apokalypse bevorstehe. Die Zahl der Infizierten dürfe nur nicht zu schnell ansteigen, damit das Gesundheitssystem nicht überfordert werde, warnte er.

Coronavirus in Afrika: WHO-Chef mit drastischer Warnung: „Auf das Schlimmste vorbereiten“

Erstmeldung vom 19. März: Lagos - Das Coronavirus hat sich auf dem gesamten Planeten verteilt*. Als Epizentrum der Pandemie gilt dabei seit dieser Woche nicht mehr China, sondern Italien. Das Land meldete am Donnerstag erstmals mehr Tote als die Volksrepublik. Ein Ende der Krise scheint nicht absehbar.

Italien hat es verpasst, in Sachen Viruseindämmung rechtzeitig gegenzusteuern, nun bekommt es die Auswirkungen von Covid-19 unmittelbar zu spüren. Mit Bezug auf die Zustände im EU-Land war in der Vergangenheit vermehrt von sogenannten italienischen Verhältnissen die Rede. Konkret droht anderen Ländern wie etwa Deutschland eine ähnliche Ausnahmesituation, wenn nicht rechtzeitig reagiert werde.

Denn in vielen Ländern habe man gesehen, dass sich die Ausbreitung des Virus ab einem „gewissen Umkehrpunkt“ rasant beschleunige, erklärt Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation.

Um das Virus weiter einzudämmen und Menschenleben zu retten, appellierte der WHO-Chef deshalb an das noch nicht so stark von Covid-19 betroffene Afrika, wo man dringend „aufwachen sollte.“ Tedros Adhanom Ghebreyesus stammt selbst aus Afrika, ist im heutigen Eritrea geboren. Er betont eindringlich: „Der beste Ratschlag an Afrika ist, sich auf das Schlimmste vorzubereiten, und heute damit anzufangen.“

Coronavirus in Afrika: Experten befürchten Katastrophe auf dem gesamten Kontinent

Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent wurden bisher „nur“ 712 Corona-Infektionsfälle bestätigt (Stand: 18. März). Zum Vergleich, allein in Italien sind es mehr als 40.000 (Stand: 19. März). Unklar ist, ob sich das Virus in Afrika langsamer verbreitet als in anderen Teilen der Welt oder bisher schlicht nur selten nachgewiesen werden konnte.

Es deutet aktuell einiges auf Zweiteres hin. Experten befürchten eine extrem hohe Dunkelziffer und warnen außerdem davor, dass sich überfüllte afrikanische Großstädte zu einem gefährlichen Herd für das Coronavirus entwickeln könnten. Aufgrund der oftmals schlecht ausgestatteten Gesundheitssysteme befürchten sie in Afrika eine mögliche Katastrophe durch die Pandemie.

Coronavirus in Afrika: Nigeria schließt Schulen - Südafrika plant Schutzzaun

Immerhin scheint Afrika den Appell des WHO-Chefs durchaus ernst zu nehmen. In Nigerias Millionen-Metropole Lagos sind seit dieser Woche beispielsweise die Schulen dicht, zudem sind Veranstaltungen von mehr als 50 Personen untersagt. Südafrika kündigte als Eindämmungsmaßnahmen die Errichtung eines 40 Kilometer langen Grenzzauns zum Nachbarland Simbabwe an, Sierra Leone verhängte Reisebeschränkungen.

Die Regierungen des Kontinents scheinen sich vermehrt mit dem Coronavius zu beschäftigen - angesichts der drastischen Worte des WHO-Chefs sollten sie dies auch tun.

as mit Informationen von AFP

Rubriklistenbild: © AFP / AUDU MARTE

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