Spielplätze, Parks und Co

Aerosol-Forscher hält Maskenpflicht im Freien für „völlig überzogen“ - und fordert Öffnung der Außengrastronomie

  • vonVeronika Silberg
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Über Aerosole verbreitet sich Corona in Innenräumen besonders gut. Aber wie ist das an der frischen Luft? Ein Physiker plädiert für offene Biergärten.

Bei sonntäglichem Frühlingswetter strömen die Deutschen in die Natur. Parks, Wälder, Spielplätze: Überall tummeln sich Menschenmassen. Um in Sachen Coronavirus auf Nummer sicher zu gehen, tragen viele Spaziergänger hier auch im Freien eine FFP2-Maske. Die Angst: Über die Luftpartikel - die Aerosole - könnten die besonders ansteckenden Virus-Mutationen übertragen werden. Aber stimmt das überhaupt? Wie sinnvoll sind Masken an der frischen Luft tatsächlich?

Glaubt man dem hessischen Physiker Gerhard Scheuch, dann muss man bei Treffen und Sport im Freien ohne Masken trotz Pandemie kein schlechtes Gewissen haben. In einem Bild-Interview erklärte Scheuch am Sonntag: „Draußen ist es zu 99,9 Prozent sicher.“ Luftbewegung und Sonne würden die Corona-Erreger schnell verteilen und deaktivieren. „Joggen, Laufen, Wandern, Spazierengehen, das halte ich für absolut ungefährlich.“ erklärte der Hesse auch im Deutschlandfunk Kultur. Gerhard Scheuch forscht seit 40 Jahren an Luftpartikeln und war bereits Präsident der internationalen Gesellschaft für Aerosole.

Tragen Sie im Freien eine FFP2-Maske, um sich vor dem Corona-Virus zu schützen? - Das sagen Experten dazu.

Corona an der frischen Luft: Wo sind FFP2-Masken nötig? - Experte rät zur Öffnung der Außengastronomie

Eine Maskenpflicht draußen halte er für völlig überzogen, macht Scheuch deutlich und plädiert für eine Öffnung der Außengastronomie. „Wenn sich jemand dann doch beim Restaurantbesuch ansteckt, wird es nicht draußen passieren, sondern beim Besuch der schlecht gelüfteten Toiletten.“ Lediglich in engen Grüppchen rät der Experte zur Vorsicht. Bei einer Unterhaltung über mehrere Minuten könne es auf geringe Distanz trotzdem zu einer Ansteckung kommen.

„Wenn sich jemand dann doch beim Restaurantbesuch ansteckt, wird es nicht draußen passieren, sondern beim Besuch der schlecht gelüfteten Toiletten.“

Gerhard Scheuch, Physiker und Aerosol-Forscher

Ähnliche Empfehlungen gehen auch aus einem Positionspapier der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) in Köln hervor. „Im Freien finden so gut wie keine Infektionen durch Aerosolpartikel statt.“ Alle sind sich einig: Innenräume bergen ein deutlich höheres Corona-Risiko. Auch die GAeF warnt allerdings vor Gruppen, bei denen keine Mindestabstände eingehalten und/oder keine Masken getragen werden.

Corona-Infektion im Freien: Worauf Sie beim Maske-Tragen achten müssen

Eine Maske zu lange zu tragen könne dagegen zu einem „Durchfeuchten“ der Maske führen. Das Material verliert seine elektrische Ladung und die Maske sollte dringend gewechselt werden. Das Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik in Kaiserslautern warnt außerdem vor sogenannten Infektionsbrücken zwischen Träger und Umgebung: Durch Husten oder Niesen könnten dann auch bei FFP2-Masken Tröpfchen von der Außenfläche der Maske in die Umgebung geschleudert werden.

Viel wichtiger als im Freien eine Maske zu tragen ist also die richtige Handhabung und ein zeitiges Wechseln bei gegebenenfalls feuchten FFP2-Masken.

Rubriklistenbild: © Kira Hofmann

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