1. Startseite
  2. Welt

Überraschende Corona-Infektionsherde: Neue Methode ermöglicht Ermittlung von Ansteckungsorten

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Momir Takac

Kommentare

Bei einem größeren Corona-Ausbruch war es bislang sehr schwer, den Infektionsherd zu ermitteln. Doch das könnte sich ändern - dank einer neuen Analysemethode.

Düsseldorf - Es ist eine Herkulesaufgabe, welche die Mitarbeiter der Gesundheitsämter in der Corona-Pandemie zu leisten haben: Infektionsketten nachverfolgen. Wer hat sich wann und wo mit dem Coronavirus infiziert und wer sind die Kontaktpersonen, die es als nächstes treffen könnte.

Es sind Fragen, die Beschäftigte in Gesundheitsämtern in Phasen exponentiell ansteigender Neuinfektionszahlen kaum beantworten können. Einfacher wäre es, wenn man wüsste, wo genau sich jemand mit Corona infiziert hat. Doch das ist in den seltensten Fällen bekannt.

Coronavirus: Neue Analysemethode hilft Gesundheitsamt bei Kontaktnachverfolgung

Doch Methoden, den Ursprung von Ansteckungen und die Ausbreitung zu ermitteln, gibt es. Die Universität Düsseldorf hat im Juni 2020 in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt begonnen, mögliche Cluster zu identifizieren. Wissenschaftler wollten damals herausfinden, welche Ansteckungswege das Virus nach dem Ausbruch in Heinsberg genommen hat. Und diese Erkenntnisse wurden nun auf die Großstadt übertragen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet.

Die Forscher sprechen von der „Echtzeit-Sequenzierung“. Sie fußt auf der Grundlage, dass sich das Erbgut des Coronavirus‘ mit zunehmender Dauer verändert. Ist das Genom des Erregers zweier Infizierter gleich, ist klar, dass sie sich gegenseitig angesteckt haben, wird Alexander Dilthey, Professor für Bioinformatik an der Universität Düsseldorf, in der FAZ zitiert. Wird das Virus weiter übertragen, mutiert es. Durch Sequenzierung kann man die Virussequenz herausfinden und so Rückschlüsse über die Infektionskette ziehen.

Forscher machen durch „Echtzeit-Sequenzierung“ Corona-Ansteckungsorte ausfindig

Die Daten, die mit Zahlenfolgen versehen sind, senden die Wissenschaftler an das Düsseldorfer Gesundheitsamt, das dann tätig wird. „Hängen Fälle zusammen, versuchen wir mithilfe von Befragungen und erhobenen Daten die Zusammenhänge über den Ausbruchsort aufzudecken”, sagt Lutz Ehlkes, oberster Kontaktpersonennachverfolger. Die Zahlen machen die Zuordnung zu Personen möglich.

So konnten die Forscher, die inzwischen 60 Prozent der Positiv-Proben in Düsseldorf sequenzieren, etwa ein Infektionscluster auf einem Schulausflug zurückverfolgen. Auch in einem Düsseldorfer Fitnessstudio konnte so ein größeres Cluster ausfindig gemacht werden. Durch die Methode konnte auch herausgefunden werden, dass zwei Infizierte nur ein Besuch in einem Corona-Testzentrum verband, wo - wie sich später herausstellte - ein Mitarbeiter trotz Corona-Symptomen gearbeitet hatte.

Corona-Ansteckung in Fitnessstudio und Supermarkt nachgewiesen

Bislang wurden laut dem RKI die meisten Infektionsketten in privaten Haushalten identifiziert, doch die Studienergebnisse aus Düsseldorf zeigen, dass es woanders zu Infektionen kommen kann. So wiesen etwa zwei der untersuchten Cluster nur in einem einzigen Punkt eine Gemeinsamkeit auf: Die beiden Infizierten kauften gleichzeitig in demselben Supermarkt ein. Ehlkes zufolge steckten sich die Personen entweder gegenseitig an oder ein Mitarbeiter - womöglich an der Kasse - infizierte beide. Wegen eines Corona-Ausbruchs musste in Bayern ein Rewe-Supermarkt geschlossen werden.

Bei einem Ausbruch in einem Pflegeheim konnte anhand der sequenzierten Virenstämme von Bewohnern und Pflegekräften festgestellt werden, dass sich die betroffenen Bewohner, die einen sehr milden Krankheitsverlauf hatten, bei einer ungeimpften Pflegekraft ansteckten. Nicht so glimpflich endete ein Corona-Ausbruch in einem Altenheim bei Fürth. (mt)

Auch interessant

Kommentare