Strenge Ausgangssperre

Coronavirus-Chaos in der Türkei: Innenminister will zurücktreten - Erdogan lehnt ab

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Angesichts des Coronavirus in der Türkei setzt die Erdogan-Regierung auf strenge Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Alle Entwicklungen im News-Ticker. 

Update vom 13. April, 22.07 Uhr: Alle zukünftigen Entwicklungen im Bezug auf die Corona-Krise in der Türkei finden Sie in unserem neuen News-Ticker. 

Update vom 13. April, 09.16 Uhr: Nachdem der türkische Innenminister Süleyman Soylu gestern Abend die Verantwortung für einen missglückten Start der Ausgangssperren übernommen und sein Rücktrittsgesuch eingereicht hatte, lehnte der türkische Premierminister Tayyip Erdogan noch am Abend dieses Gesuch ab.

Erdogans Büro teilte demnach noch am Sonntagabend mit, dass Soylu „seine Aufgabe weiter ausführen“ werde. In Teilen der Bevölkerung ist Soylu sehr populär, weil der kurz nach dem Putschversuch 2016 ins Amt Gekommene die Verhaftungen mit harter Hand ausgeführt hatte.

Präsident Erdogan lehnte das Rücktrittsgesuch des türkischen Innenministers Soylu ab

Am Sonntag hatte die Türkei zum zweiten Mal medizinische Hilfsgüter nach London geschickt, auch Italien, Spanien und Libyen waren bereits unterstützt worden.

Coronavirus in der Türkei: Innenminister tritt nach Lock-down zurück

Update vom 12. April, 21.19 Uhr: Nach dem verunglückten Start einer Ausgangssperre ist der türkische Innenminister Süleyman Soylu zurückgetreten. „Möge mir mein Land, das ich niemals verletzen wollte, und unser Präsident, dem ich mein ganzes Leben lang treu ergeben sein werde, verzeihen“, erklärte er am Sonntagabend. 

Soylu hatte am Freitagabend angekündigt, dass die Bewohner von 31 Städten, darunter die Hauptstadt Ankara, Istanbul und Izmir, ihre Wohnungen ab Samstag für 48 Stunden nicht verlassen dürften. Dies hatte heftigen Unmut und Panikkäufe der Bevölkerung ausgelöst. Die Ausgangssperre sollte um Mitternacht enden.

In der Türkei ist die Zahl der Corona-Infizierten auf 56.965 gestiegen, teilte der Gesundheitsminister Fahrettin Koca via Twitter mit. in den vergangenen 24 Stunden seien zudem 97 Menschen an der Lungenkrankeit Covid-19 gestorben. Damit gibt es offiziell 1.198 Todesopfer in der Türkei zu beklagen.   

Coronavirus Türkei: Ausgangssperre für 48-Stunden verhängt

Update vom 12. April, 14.33 Uhr: In der Türkei hält sich die Bevölkerung weitestgehend an das wegen der Corona-Krise übers Wochenende verhängte Ausgangsverbot in 31 Städten. Nur wenige Bürger hätten gegen die Maßnahme verstoßen, teilte das Innenministerium am Sonntag nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu mit. Man bedanke sich bei der Bevölkerung, hieß es demnach.

Das Innenministerium hatte am späten Freitagabend kurzfristig eine weitgehende Ausgangssperre für 48 Stunden in 31 Städten verhängt, darunter in den Metropolen Istanbul, Ankara und Izmir. Die Kommunikation der Behörden war scharf kritisiert worden, weil die Maßnahme erst zwei Stunden vor Beginn der Frist bekannt wurde und Details der Regelung zunächst unklar waren. Am Freitagabend war es deshalb zu Panikkäufen in den betroffenen Städten gekommen.

Erdogans Regierung erlässt Ausgangssperre - Chaos und Panikkäufe folgen

Update vom 11. April, 9.30 Uhr: Der kurzfristig angekündigte Lockdown in 31 Städten in der Türkei hat teils zu Panikkäufen und Chaos geführt. Da die Maßnahmen von Recep Tayyip Erdogans AKP-Regierung erst knapp zwei Stunden vor Inkrafttreten angekündigt worden waren, bildeten sich vor den Geschäften lange Schlangen und Menschenmengen. 

Am späten Freitagabend teilte das Innenministerium mit, dass die Einwohner in mehrere großen türkischen Metropolen ihre Wohnungen 48 Stunden lang nicht verlassen dürfen. Weitere Einzelheiten folgten erst nach und nach - was zu weiterem Chaos führte.

Istanbuls Bürgermeister erklärte am Freitagabend auf Twitter,  er haben von den Maßnahmen nichts gewusst. „Die Entscheidung sollte nicht plötzlich getroffen werden. (...) Wir sind nicht informiert. Wir wissen nicht einmal, welche Dienstleistungen wir morgen in Istanbul anbieten werden. Jede Entscheidung ohne gesunden Menschenverstand und Zusammenarbeit schafft nur Verwirrung und Panik“, schrieb Ekrem İmamoglu.

Corona-Krise in der Türkei: Ausgangssperre in 31 Städten - In Istanbul werden Intensivbetten knapp

Auch die Türkei ist vom Coronavirus stark betroffen. Die Bevölkerung versucht sich zu schützen.

Update vom 10. April 2020, 22.20 Uhr: Die Türkei hat bisher rund 47 000 Coronavirus-Infektionsfälle und 1006 Tote gemeldet. Für Menschen ab 65 Jahre, chronisch Kranke und Unter-20-Jährige gelten bereits Ausgangsverbote. Nun hat die türkische Regierung wegen der Corona-Krise für dieses Wochenende ein Ausgangsverbot in 31 Städten verhängt. 

Das Verbot beinhalte auch die größte Stadt des Landes, die Millionenmetropole Istanbul, wie Gouverneur Ali Yerlikaya am späten Freitagabend in einem Tweet bestätigte. Einem Tweet des Innenministeriums zufolge sind auch die Hauptstadt Ankara sowie die Großstädte Izmir und Antalya betroffen. Das Verbot gelte ab Mitternacht und bis Mitternacht in der Nacht zum Montag. Ob und inwieweit es Ausnahmen von dem angekündigten Ausgangsverbot gibt, war zunächst unklar.

Update vom 10. April 2020, 21.15 Uhr: In der türkischen Millionenmetropole Istanbul werden aus Expertensicht angesichts der Verbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 die Betten auf Intensivstationen knapp. „In Istanbul gibt es 4600 Intensivbetten und in nur zwei bis drei Tagen waren bereits 80 Prozent davon belegt“, sagte der Chef der Türkischen Ärztevereinigung TTB, Sinan Adiyaman, der Deutschen Presse-Agentur. 

„Das wurde uns mitgeteilt. Und das wird zunehmen.“ Es sei bekannt, dass es in Istanbul sehr viele Patienten gebe. In der vergangenen Woche waren 60 Prozent aller Fälle der Türkei dort gemeldet worden.

Ähnliches berichtete am Freitag die Zeitung „Cumhuriyet“ unter der Überschrift „Istanbul-Alarm: Die Intensivbetten sind voll“. Mancherorts würden OP-Säle in Intensivstationen umfunktioniert, um für einen starken Anstieg von Fällen gewappnet zu sein.

Corona-Krise in der Türkei: 96 Corona-Tote in 24 Stunden - Zahl der Todesfälle steigt auf 908

Update um 20.43 Uhr: Offiziellen Angaben zufolge ist die Zahl der an Covid-19 verstorbenen Menschen in der Türkei auf insgesamt 908 gestiegen. In den vergangenen 24 Stunden seien 96 Menschen gestorben, teilte Gesundheitsminister Fahrettin Koca am Donnerstagabend mit. Außerdem seien weitere 4056 Menschen positiv auf Corona getestet worden. 

Damit liege die Gesamtzahl der Infizierten nun bei 42.282. Erholt haben sich der Regierung zufolge bisher rund 2142 Menschen. Die Zahl der täglichen Tests wurde unterdessen erneut gesteigert, auf etwa 28.500. Eine weitere gute Nachricht: Am Donnerstag trat ein Dekret der Regierung in Kraft, das die Behandlung von Corona-Infizierten auch in privaten Kliniken kostenfrei macht. 

Update vom 9. April 2020, 13.48 Uhr: Weil er das Verhalten der türkischen Regierung in der Corona-Krise kritisiert und ironisch kommentiert hat, muss sich ein türkischer Moderator jetzt vor Gericht verantworten. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtet hat der Anwalt von Präsident Erdogan die Eröffnung eines Verfahrens wegen Präsidentenbeleidigung beantragt. 

Der Grund dafür ist wohl ein Tweet den der Moderator Fatih Portakal ironisch eine Rede von Erdogan kommentiert. Nachdem Erdogan die Bürger bereits um Spenden für das Überstehen der Corona-Krise gebeten hatte, gab Portakal zu bedenken, dass der Präsident es wohl bald auch auf die Ersparnisse der Bürger auf den Banken abgesehen habe. 

Coronavirus in der Türkei: Todeszahlen steigen - erhebliche Zweifel an offiziellen Statistiken

Update um 22.54 Uhr: Innerhalb der vergangenen 24 Stunden sind in der Türkei offiziellen Angaben zufolge weitere 87 Menschen an Covid-19 gestorben. Damit sei die Gesamtzahl der Corona-Toten auf 812 gestiegen, sagte der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca am Mittwochabend. Zudem seien weitere 4117 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Damit liege die Gesamtzahl der Infizierten bei 38.226

Coronavirus in der Türkei: Erdogan appelliert an die Bevölkerung - doch Covid-19 breitet sich rasant aus.

Die Zahl der Tests sei auf rund 25.000 gesteigert worden. Erholt haben sich der Regierung zufolge bisher rund 1850 Menschen. Doch die türkische Ärztevereinigung TTB zweifelt an den offiziellen Statistiken, insbesondere an der Zahl der offiziell erfassten Todesfälle. So hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme, es sei „auffallend“, dass die Zahl der Covid-19-Fälle ansteige, die Grafik der Todesfälle jedoch nicht entsprechend verlaufe. Der Zentralrat der Türkischen Ärztevereinigung habe festgestellt, dass das Ministerium bei der Meldung der Todesfälle nicht die von der WHO empfohlenen „Codes“ benutze, lautete es in der Stellungnahme weiter. Die müssten sofort angewandt und die seit Februar verzeichneten Todesfälle damit überprüft werden, forderte die TTB.

Coronavirus in der Türkei: Fallzahlen steigen weiter an

Update vom 8. April, 16.49 Uhr: Auch in der Türkei steigen die Corona-Fallzahlen weiter an. Am späten Mittwochnachmittag meldete die Johns-Hopkins-University insgesamt 34.109 Infektionen sowie 725 Todesfälle infolge von Covid-19. Nach einer Corona-Infektion wieder genesen sind insgesamt 1582 Personen

Seit Mittwoch stieg die Zahl der Corona-Infizierten damit um 3892 Personen an. Außerdem sind innerhalb von zwei Tagen 76 weitere Menschen an den Folgen von Covid-19 verstorben.  

Update vom 7. April, 17.14 Uhr: Die türkischen Abgeordneten haben wegen der Corona-Krise mit der Debatte über einen umstrittenen Gesetzesentwurf zur vorzeitigen Entlassung von bis zu 90 000 Gefangenen begonnen. Der Abgeordnete der größten Oppositionspartei CHP, Sezgin Tanrikulu, kritisierte den Entwurf am Dienstag vor dem Parlament in Ankara scharf. Dieser sei nicht gerecht. Der Entwurf schließe Inhaftierte wie den Intellektuellen Osman Kavala und den pro-kurdischen Oppositionspolitikers Selahattin Demirtas aus.

Erdogans Partei bereitet wegen des Coronavirus in der Türkei vorzeitige Haftentlassungen vor

Die Regierungspartei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte den Entwurf vergangene Woche mit Unterstützung der ultranationalistischen MHP ins Parlament eingebracht. Demnach wären beispielsweise wegen Terrorvorwürfen Inhaftierte, unter ihnen viele Regierungskritiker und Journalisten, von der Regelung ausgenommen.

Update vom 6. April, 20.17 Uhr: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will wegen der Corona-Krise ein Krankenhaus auf dem ehemaligen Flughafen Atatürk in Istanbul bauen. Es solle in 45 Tagen fertiggestellt werden und 1000 Zimmer haben, sagte Erdogan am Montag in Ankara. In Sancaktepe auf der asiatischen Seite der Stadt sei ein Krankenhaus in gleicher Größe geplant.

Der internationale Flughafen Atatürk war im vergangenen Jahr für den Passagierverkehr geschlossen worden. 

Die offiziell gemeldete Zahl der Infizierten in dem Land stieg unterdessen auf 30 217. Innerhalb von 24 Stunden seien 3148 Menschen positiv getestet worden, teilte Gesundheitsminister Fahrettin Koca via am Montag Twitter mit. Zudem seien 75 Menschen gestorben, damit stieg die Gesamtzahl der Todesopfer nach einer Infektion auf 649.

Corona-Krise in der Türkei: Todesfälle nehmen zu - weitreichende Folgen für Soldaten in Syrien

Update 6. April, 10.45 Uhr: Aufgrund der raschen Verbreitung des Coronavirus* in der Türkei, ordnete das Verteidigungsministerium am Sonntagabend weitreichende Schritte an. Die Bewegungen türkischer Soldaten im benachbarten Syrien sollen eingeschränkt werden. In der Mitteilung des Ministeriums wurde die Reduzierung nicht zwingend notwendiger Personal- und Truppenbewegungen auf ein Minimum angekündigt. Dafür seien Ärzte in Einsatzgebiete geschickt worden, wo sie Trainings anbieten und die Soldaten sensibilisieren.

In mehreren nördlichen Gebieten Syriens ist die Türkei militärisch präsent, sie hatte im Oktober eine international scharf kritisierte Militäroffensive gegen kurdische Milizen begonnen, die sie als Terroristen ansieht. Seitdem kontrolliert die Türkei dort ein Teilgebiet des Grenzareals, in anderen Teilen des Nordens sind gemeinsam mit russischen Truppen Militärpatrouillen vorgesehen. Um die Rebellenhochburg Idlib herum unterhält die Türkei zahlreiche Beobachtungsposten. Dort herrscht nach einer Eskalation der Gewalt derzeit Waffenstillstand.

Deutschland zählt unterdessen mehr als 100.000 Corona-Infizierte - Merkel äußerte sich auf einer Pressekonferenz zur Lage. Indes wird die Kritik an Schwedens Sonderweg in der Corona-Krise immer lauter. Führt es direkt in eine „Katastrophe“?

Coronavirus: In der Türkei nehmen die Todesfälle zu - Konsulat hat Rat für die Deutschen im Land

Update 5. April, 19.39 Uhr: Die Zahl der Coronavirus-Fälle in der Türkei ist auf mehr als 27.000 gestiegen. Innerhalb von 24 Stunden seien 3135 Menschen positiv getestet worden, teilte Gesundheitsminister Fahrettin Koca am Sonntag via Twitter mit. 

Die Zahl der offiziell gemeldeten Fälle stieg damit auf 27.069. An einem Tag verstarben demnach 73 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19, die Gesamtzahl der Todesopfer stieg damit auf 574.

Update 5. April, 11.11 Uhr: Die Türkei haben ihre Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus in den vergangenen Tagen verschärft, dennoch gibt es auch dort Tag für Tag mehr Infizierte. Aktuell verzeichnet das Land 23.934 Corona-Infektionen und 501 Menschen, die infolge einer Covid-19-Erkrankung gestorben sind (Quelle: Johns-Hopkins-University). Innerhalb von drei Tagen sind damit 145 neue Todesfälle und knapp 5800 weitere Infektionen hinzugekommen. 

Update 4. April, 13.20 Uhr: Für wegen der Corona-Krise in der Türkei hängengebliebene Deutsche gibt es kurzfristig einige kommerzielle Flüge nach Hause. Das sei in den vergangenen Tagen nach Gesprächen mit Fluggesellschaften ausgehandelt worden, teilte das Generalkonsulat in Istanbul am Samstag unter anderem über seine Facebookseite mit. Organisieren müssen Interessierte sich die Tickets selber. Die Flüge könnten über die Webseiten der Fluggesellschaften gebucht werden.

Geplant sei beispielsweise schon für Montag, 6. April, ein Flug mit der Gesellschaft Eurowings von Istanbul nach Köln-Bonn, hieß es in der Mitteilung. Außerdem plane die Fluglinie SunExpress, in der kommenden Woche Flüge von Ankara, Antalya und Izmir nach Düsseldorf anzubieten. Die seien „zu einem späteren Zeitpunkt“ buchbar.

In der Mitteilung des Generalkonsulats heißt es: „Wir raten allen Rückkehrwilligen, die zur Verfügung stehenden kommerziellen Angebote zu nutzen. Ein Rückholprogramm der Bundesregierung, wie auch aus den Medien bekannt, ist für die Türkei daher nicht vorgesehen.“

Indes werden Zweifel an RKI-Todeszahlen laut. Gibt es in Wahrheit viel weniger Corona-Tote - oder sogar viel mehr?

Coronavirus in der Türkei: Neue Ausgangssperre für junge Menschen - Opferzahlen steigen enorm

Update 3. April, 21.45 Uhr: Die Türkei verhängt eine weitere Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus*. Nun stehen junge Menschen im Fokus der Ausgangssperren. Ab Mitternacht dürften alle unter 20-Jährigen ihre Wohnungen nicht mehr verlassen. Dies kündigte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Freitag per TV-Ansprache an. Eine Ausgangssperre für Personen über 65 sowie für chronisch Kranke trat bereits in Kraft.

Zudem wurde für 31 Städte, zu denen auch Ankara und Istanbul zählen, für zwei Wochen ein Verbot ausgesprochen, mit Fahrzeugen hinein- oder hinauszufahren. In dringenden Fällen seien Ausnahmen jedoch möglich. Das Tragen eines Mundschutzes ist darüber hinaus ab Samstag in allen Geschäften und auf Märkten verpflichtend. Bislang haben sich in der Türkei nachweislich 20.000 Menschen mit dem Coronavirus* infiziert, insgesamt starben 425 an den Folgen des Virus.

Corona in der Türkei: Turkish Airlines verlängert Flugstopp

Update 3. April, 12.00 Uhr: Wegen der Coronavirus-Krise hat die halbstaatliche Turkish Airlines ihren weitgehenden Flugstopp bis Mai verlängert. Der Flugverkehr ruhe abgesehen von wenigen Inlandsflügen bis zum 1. Mai, teilte die türkische Fluggesellschaft mit. Zuvor galt die Maßnahme bis zum 17. April. Den Flugverkehr nach Deutschland hatte die Türkei am 21. März eingestellt.

Update 2. April, 19.24 Uhr: Die Zahl der  Todesopfer durch die Lungenkrankheit  Covid-19 in der  Türkei ist nach offiziellen Angaben auf  356 gestiegen. Innerhalb von 24 Stunden seien 79 Patienten gestorben, teilte Gesundheitsminister Fahrettin Koca am Donnerstag mit. Zudem hätten sich 2456 weitere Menschen mit dem Coronavirus infiziert - die Zahl der offiziell in der Türkei gemeldeten Fälle steigt damit auf 18 135.

Die meisten Infizierten wurden nach offiziellen Angaben in der Millionenmetropole Istanbul gemeldet. Der Bürgermeister der Stadt, der Oppositionspolitiker Ekrem Imamoglu, hatte am Mittwochabend seine Forderung nach strengeren Ausgangsbeschränkungen für die Stadt wiederholt. Bisher hat die türkische Regierung nur für Menschen ab 65 Jahren sowie chronisch Kranke eine volle Ausgangssperre verhängt. Die Türkische Ärztevereinigung (TTB) kritisiert immer wieder, dass zu wenig Schutzausrüstung für das Gesundheitspersonal zur Verfügung stehe. Am Vortag hatte die TTB erklärt, dass der erste Arzt in der Türkei an Covid-19 gestorben sei.

Bisher wurden in der Türkei mit ihren rund 83 Millionen Einwohnern rund 125 000 Tests durchgeführt. Die Türkei hatte am 11. März ihren ersten Coronavirus-Fall gemeldet.

Türken ignorieren Coronavirus - Erdogan appelliert vergeblich

Erstmeldung vom 2. April:

Istanbul - In der Türkei wurden Schulen geschlossen, Großveranstaltungen abgesagt und eine Ausgangssperre für Senioren über 65 Jahren verhängt. Die Grenze zum Risikogebiet Iran ist dicht. Den Flugverkehr nach Deutschland hatte die Türkei am 21. März eingestellt. Es scheint als habe die Regierung die Ausbreitung des Coronavirus unter Kontrolle. Doch in kaum einem anderen Land verbreitet sich Sars-CoV-2 so rasant, wie in der Türkei. „Eine Katastrophe mit Ansage“ titelt, die Deutsche Welle (dw.com) einen Artikel über die Corona-Pandemie in der Türkei. Mediziner rechnen demnach mit einem Ansturm von Corona-Patienten auf die Krankenhäuser. Die Türken würden das neuartige Coronavirus nicht ernst nehmen.

Coronavirus in der Türkei: Zahlen explodieren

Von explodierenden Zahlen berichtet auch welt.de (hinter Bezahlschranke). Es würden bereits Massengräber ausgehoben, um auf Corona-Tote vorbereitet zu sein. Die Regierung dementiert. Die Gräber würden für Arme vorsorglich ausgehoben, die sich ein Familienbegräbnis in der Provinz nicht leisten könnten. Videos, die diese Massengräber zeigten, würden schon seit Jahren im Netz kursieren.

Türkei lange von Corona-Pandemie verschont

Am 11. März hatte die Türkei offiziell ihren ersten Covid-19-Fall vermeldet. Seitdem informiert der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca die Bevölkerung via Twitter über den aktuellen Stand der Lage. Die Zahlen der Infizierten und Toten steigt. Nach Angaben der Johns-Hopkins-University wurden bisher 15.679 Corona-Fälle registriert, 277 Menschen sind an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben (Stand 2. April, 17.38 Uhr). Die Zahlen decken sich exakt mit den offiziellen Angaben der Regierung zum Vortag (1. April).

Die Todesfälle in der Türkei sind auf 356 gestiegen, twittert Koca am Donnerstagabend (Stand: 2. April, 18.49 Uhr). Die Zahl der Corona-Infizierten liegt demnach bei 18.757.   

Corona-Krise in der Türkei: Istanbul Corona-Epizentrum

Besonders betroffen ist die Millionenmetropole Istanbul. Der Bürgermeister von Istanbul, der Oppositionspolitiker Ekrem Imamoglu, forderte am Mittwoch via Twitter strengere Ausgangsbeschränkungen für die Stadt. Dort sind bereits mehr als 8.800 Menschen mit dem Coronavirus infiziert und 117 Menschen an Covid-19 gestorben, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Bisher wurden demnach in dem Land mit seinen rund 83 Millionen Einwohnern rund 106.799 Tests durchgeführt. Allerdings werde zu wenig getestet, berichten Ärzte gegenüber dw.com. Nur ein bis zwei Tests seien unter 100 Personen gestattet, sagte ein Mediziner gegenüber dem Sender.

Coronavirus in der Türkei - Unterschätzte Gefahr

Die Appelle von Erdogan zu Hause zu bleiben, verpuffen im Nichts. Die Türken würden sich jedoch kaum daran halten, ist bei dw.com zu lesen. Rentner würden ihre Wohnung verlassen und es wären sogar Videos von Hochzeitsfeiern im Netz zu finden. 

Viele Menschen würden das Virus nicht ernst nehmen, da andersartige Viren oft eine genauso hohe Sterberate aufwiesen, erklärt ein Arzt gegenüber dw.com. Bislang nehme niemand die Gefahr des neuartigen Coronavirus ernst.  

Trotz eindringlicher Appelle der türkischen Regierung und des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan an die Bevölkerung, zu Hause zu bleiben, scheinen viele dem nicht zu folgen. Es wird davon berichtet, dass Senioren trotz Ausgangssperre das Haus verließen. Videos von großen Gruppen, die Hochzeiten feiern, machen in sozialen Medien die Runde.

ml

  *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

 

Rubriklistenbild: © dpa / Ahmet Bolat

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