Ein Mitarbeiter des Kölner Ordnungsamtes kontrolliert auf der Rheinpromenade die Einhaltung der nächtlichen Ausgangssperre.
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Ein Mitarbeiter des Kölner Ordnungsamtes kontrolliert auf der Rheinpromenade die Einhaltung der nächtlichen Ausgangssperre.

Teil der Corona-Notbremse

Corona-Ausgangssperren nicht effektiv? Studienergebnisse lassen aufhorchen - Lauterbach hält an Einschätzung fest

  • Felix Durach
    vonFelix Durach
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Die Corona-Notbremse sieht eine nächtliche Ausgangssperre für Deutschland vor. Doch sind diese Maßnahmen überhaupt wirksam? Eine neue Veröffentlichung sieht keinen Zusammenhang.

Gießen - Die bundesweite Corona-Notbremse ist beschlossene Sache. Der Bundestag beschloss in seiner Sitzung am Dienstag den Gesetzentwurf von Union und SPD. Dieser beinhaltet neben anderen Regelungen auch eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 22.00 Uhr und 05.00 Uhr für Landkreise und kreisfreie Städte, die drei Tage in Folge eine 7-Tages-Inzidenz von über 100 vorweisen.

Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit diese Maßnahme kommt vor allem aus den Reihen der FDP, doch können nächtliche Ausgangssperren überhaupt einen Beitrag zur Senkung der Inzidenzzahlen leisten? Einen Antwortversuch auf diese Frage haben drei Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität Gießen in einem am Montag veröffentlichten Working Paper gegeben.

Coronavirus: Ausgangssperren keine effektive Maßnahme? Studienergebnisse stellen keinen Zusammenahng fest

Dabei betrachteten die Wissenschaftler die Inzidenzwerte des Robert-Koch-Instituts von mehreren Kreisen und kreisfreien Städten in Hessen im Zeitraum von November 2020 bis Februar 2021. Dabei wurde die Entwicklung der Inzidenzen in den Kreisen, in denen eine nächtliche Ausgangssperre verhängt wurde, mit den Zahlen von Kreisen verglichen, die ohne Ausgangssperre ausgekommen waren.

Die erhobenen und untersuchten Daten würden der Veröffentlichung zur Folge nahelegen, dass eine nächtliche Ausgangssperre keine effektive Maßnahme sei, um die Übertragung des Virus einzuschränken, wenn bereits andere Maßnahmen ergriffen wurden.

Coronavirus: Karl Lauterbach verteidigt Ausgangssperren - „Mehrheit der Wissenschaftler sagen...“

Die Autoren weisen jedoch auch darauf hin, dass es sich bei den Schlussfolgerungen um vorläufige Ergebnisse handelt, die noch einer weiterführenden Untersuchung bedürfen. So soll unter anderem der Datensatz, der sich bisher nur auf Hessen beschränkt, in einer weiterführenden Studie auf ganz Deutschland erweitert werden. Da es sich bei der Veröffentlichung um ein Working Paper handelt, wurden die Ergebnisse jedoch noch nicht einem Peer-Review-Verfahren unterzogen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verwies jedoch am Dienstag gegenüber dem ZDF darauf, dass einzelne Studien zur Wirkung von Ausgangssperren nur eine geringe Aussagekraft hätte. Metaanalysen - also eine Zusammenfassung von Primär-Untersuchung - würden die Wirksamkeit der Maßnahme bestätigen. „Die Mehrheit der Wissenschaftler sagen, dass Ausgangsbeschränkungen den R-Wert um zwischen zehn und zwanzig Prozent absenken“, so Lauterbach. (fd)

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