Ein Mann steht vor dem Opernhaus in Sydney und schaut auf sein Handy.
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In Sydney sind die Corona-Fallzahlen überraschend gering.

Nur zehn Neuinfektionen in 24 Stunden

Corona: Sydney mit „Goldstandard“-Strategie extrem erfolgreich - das „nachhaltigste Modell“ im Kampf gegen Virus?

  • vonTim Althoff
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Im Vergleich zu anderen australischen Großstädten sind die Corona-Fallzahlen in Sydney sehr niedrig. Das liegt wohl an einem vielversprechenden Gesundheitskonzept.

  • In Sydney halten sich die Corona*-Zahlen überraschend gering.
  • Das hat die australische Metropole der „Test-and-Trace-Strategie" zu verdanken.
  • Lokale Teams in einzelnen Bezirken müssen nach Ausbrüchen sehr schnell handeln, um das Virus* einzudämmen.

München - Die Strände sind voll, die Schulen haben geöffnet, in den Unternehmen kann gearbeitet werden und die Corona-Fallzahlen* halten sich übersichtlich gering. Hotspots in der Stadt? Gibt es nicht. Ganz im Gegensatz zur deutschen Stadt Hamburg, in der es zu einem Ausbruch in der Partyszene kam.

In Sydney läuft hingegen vieles richtig. Die australische Metropole ist in den letzten Wochen zum Hoffnungsträger geworden, wenn es darum geht, Covid-19* einzudämmen. Aktuell werden knapp 4200 Fälle und 52 Tote gezählt - seit Beginn der globalen Pandemie wohlgemerkt. Selbst die Wintermonate, die das Virus noch gefährlicher machen, wurden gut überstanden. Dabei wurde nicht einmal die Maskenpflicht* ausgerufen.

Coronavirus in Sydney: Geringe Zahlen ohne strenge Restriktionen

Den Einwohnern wurde lediglich angeraten, ihr Gesicht in der Öffentlichkeit zu bedecken. Das berichtet Welt (Artikel hinter einer Bezahlschranke). Einzig die Distanzierungsregeln mit öffentlichen Raum wurden strenger geregelt, jedoch halten sich die weiteren Restriktionen* im Vergleich zu anderen Städten in Grenzen.

Der Bundesstaat New South Wales, in dem sich Sydney befindet, hat die Infektion stattdessen mit dem „Goldstandard“ eingedämmt - so jedenfalls bezeichnet Australiens Premierminister Scott Morrison die „Test-and-Trace-Strategie“, die in der 5-Millionen-Einwohner-Stadt angewandt wird. Es sei das „nachhaltigste Modell“, „Sperrungen und Grenzen sind keine Indikatoren für einen Erfolg im Umgang mit Covid-19*“, so Morrison weiter.

Coronavirus in Sydney: „Test-and-Trace-Strategie" schlägt voll an

Die Zahlen geben ihm Recht. Laut Gladys Berejiklian, der Premierministerin von New South Wales, wurden am Mittwoch nur zehn neue Fälle in den vergangenen 24 Stunden gemeldet. Darunter waren allerdings größtenteils Reise-Rückkehrer, die sofort in Quarantäne gesteckt wurden. In dem besagten Zeitraum wären rund 20.000 Tests durchgeführt worden. Doch wie genau funktioniert die „Test-and-Trace-Strategie“?

„Sie haben öffentliche Gesundheitseinheiten in all ihre örtlichen Bezirke eingebettet“, wird Brendan Murphy, der Chef-Mediziner des Gesundheitsministeriums nach einem Interview gegenüber dem Sender ABC von Welt zitiert. Das Gesundheitssystem, das in die örtlichen Bezirke eingebettet werde, erlaube ein besseres Management der Infektion. Innerhalb der Gemeinden könne besser und genauer kommuniziert werden.

Coronavirus in Sydney: Schnelles Handeln von lokalen Teams erforderlich

Einzelne Teams reagieren demnach auf die Ausbrüche in ihren jeweiligen Bereichen. 300 Personen würden in New South Wales täglich über 2000 Anrufe durchführen. Dadurch soll haargenau nachvollzogen werden, wo und wann sich eine infizierte Person aufgehalten hat und welche Personen aus der Nähe gegebenfalls gefährdet sein könnten. Terminkalender, Handyfotos und Rechnungen von Einkäufen würden schließlich dabei helfen, die betroffenen Personen daran zu erinnern, wo sie sich aufgehalten haben.

So würden laut eines Gesundheitsexperten rund 30 Leute pro infizierter Person kontaktiert werden. Diese Vorgehensweise erfordere extrem schnelles Handeln. Sonst könnte es schnell passieren, dass man die Kontrolle über die Infektion* verliert. Kein Wunder also, dass Brendan Murphy die Arbeit der Menschen in Sydney als „sehr gut" bezeichnet. Währenddessen gibt es in Deutschland Verwirrung über einen Bericht des Robert-Koch-Instituts. (ta) *merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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