Schwere Corona-Verläufe: Antikörper haben wohl mehr damit zu tun als bisher angenommen (Symbolbild).
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Schwere Corona-Verläufe: Antikörper haben wohl mehr damit zu tun als bisher angenommen (Symbolbild).

Noch eine weitere Gruppe betroffen

Vor allem im hohen Alter: Autoantikörper verursachen wohl schwere Corona-Verläufe

Schwere Corona-Verläufe sind wohl zu einem höheren Prozentsatz als bisher angenommen auf Autoantikörper zurückzuführen. Das ist das Ergebnis einer Studie.

München - Autoantikörper sind wohl für deutlich mehr schwere Corona-Fälle verantwortlich als bisher angenommen. Das haben Forscher herausgefunden. In jedem zehnten Fall greifen demnach fehlgeleitete Antikörper das eigene Immunsystem anstatt den Erreger.

Autoantikörper führen zu schweren Corona-Verläufen - vor allem bei Männern und Menschen ab 80

Das weltweit größte Forschungskonsortium zum Coronavirus, das Covid human genetic effort (COVIDhge), hatte das Phänomen genauer untersucht. Wöchentlich tauschen sich dabei 120 internationale Experten aus. Der österreichische Lungenfacharzt Dr. Ivan Tancevski warnte: „Auch junge Personen ohne Vorerkrankungen können schwer an Covid-19 erkranken. Männer, ältere Menschen und jene, die bestimmte Risikofaktoren aufweisen, sind tendenziell häufiger betroffen.“

Konsortiumsleiter Jean-Laurent Casanova habe laut Tancevski entdeckt, dass manche schwere Fälle bestimmte Autoantikörper besitzen. COVIDhge zufolge sei dies vor allem bei Männer und Menschen über 79 Jahren der Fall, was eine Teilerklärung darstelle, wieso diese Gruppen häufiger erkranken.

0,3 Prozent der Bevölkerung tragen Autoantikörper in sich

Insgesamt tragen laut der Studie 0,3 Prozent der Bevölkerung diese Autoantikörper in sich, welche sogenannte Interferone blockieren. „Interferone werden von bestimmten Zellen in der Lunge auf Virusreize hin produziert. Sie greifen nicht direkt das Virus an, sondern geben Signale an andere Lungenzellen ab, sodass diese eine Vermehrung und Übertragung des Virus verhindern“, so Tancevski.

Über 1000 Menschen mit schweren Corona-Erkrankungen wurden in dieser Studie untersucht. „Über 20 Prozent der Über-80-Jährigen wiesen besagte Autoantikörper auf“, sagte Tancevski über die Ergebnisse. Diese könnten Auswirkungen auf die Neuaufnahme von Covid-Patienten haben: Mit einem Screening, ob der Patient die Antikörper hat. So könne man „entsprechend frühzeitig reagieren“. Diese Messung sei einfach durchzuführen. Betroffenen könnte man mit einer Steoridtherapie Interferone oder neutralisierende Antikörper verabreichen. Sie sollten außerdem bei der dritten Impfung priorisiert werden.

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