Mutierender Coronavirus mit Fahne von Großbritannien, Symbolfoto Virus-Mutation B.1.1.7
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Das Coronavirus B.1.1.7 kursiert seit November 2020

Coronavirus-Mutationen im Fokus

Corona-Mutation B.1.1.7: Gefährliche Veränderung am Coronavirus

Neben der Ursprungsvariante existieren zahlreiche Mutationen von SARS-CoV-2. Das Coronavirus B.1.1.7 ist Wissenschaftlern zufolge ansteckender und verursacht häufiger einen tödlichen Verlauf.

Kent, Großbritannien – Im Verlauf der dritten Corona-Welle in Deutschland löste die als britische Variante bekannte Mutation B.1.1.7 den Wildtyp zunehmend ab. Im März 2021 lag der Anteil des Coronavirus B.1.1.7 bei rund 72 Prozent – mit stetig steigender Tendenz.

Coronavirus B.1.1.7: Wie schnell verbreitet sich die Mutation?

Die Mutation mit der Bezeichnung B.1.1.7 wurde im November 2020 in der Grafschaft Kent / Südengland bekannt. Die Ausbreitung erfolgte rasant: Anfang November stellte Nicholas G. Davies vom Center for Mathematical Modeling of Infectious Diseases in London fest, dass rund 28 Prozent der mit SARS-CoV-2 Infizierten von der Mutation betroffen waren. Bis Anfang Dezember wuchs der Anteil auf 62 Prozent.

In Deutschland sah es ähnlich aus: Das Coronavirus B.1.1.7 kursiert hierzulande ebenfalls seit November 2020, zunächst unerkannt. Aufgrund verhältnismäßig weniger Sequenzierungen, durch die sich die Virusvariante beziehungsweise Art der Mutation feststellen lässt, entdeckte man erst Ende Dezember desselben Jahres, dass sich B.1.1.7 bereits in Deutschland ausbreitete. Die Verbreitung beschleunigte sich rasch.

Das Robert Koch Institut meldete seit Mitte Februar 2021 die Anteile der Mutation aus Großbritannien am Infektionsgeschehen:

  • Mitte Februar (KW 6): 22,8 Prozent
  • Ende Februar (KW 8): 46 Prozent
  • Anfang März (KW 10): 72 Prozent

Das Coronavirus B.1.1.7 ist außer in Großbritannien und Deutschland in mehr als 33 weiteren Ländern auf dem Vormarsch. Dazu zählen unter anderem

  • Estland
  • USA
  • Schweiz
  • Italien
  • Frankreich
  • Dänemark
  • Island
  • Kanada

Coronavirus B.1.1.7: Veränderte Ansteckungs- und Todesraten

Bereits mit den ersten Erkenntnissen über das Coronavirus B.1.1.7 wurde deutlich, dass die Mutation ansteckender ist als der Wildtyp. Forschungsberichten von Anfang März 2021 zufolge erhöhe sich die Infektionsgefahr um 56 Prozent. Ein Grund sei Virologen zufolge eine höhere Viruslast im Körper. Weitere Stimmen, darunter Forscher der Harvard-Universität, fanden Hinweise darauf, dass B.1.1.7 eine längere Infektiosität nach sich zöge und dies die Ursache für die höhere Ansteckungsrate sei.

Hand in Hand mit der gestiegenen Infektionsgefahr geht einer britischen Untersuchung zufolge eine um 64 Prozent höhere Sterblichkeitsrate. Überprüft wurden mehr als 100.000 Corona-positive Patienten. Etwa jeweils zur Hälfte hatten diese sich mit der britischen Variante und dem Urtyp angesteckt. Von 54.906 Menschen starben 227 Personen an oder mit der Mutation B.1.1.7. Von den ebenfalls 54.906 Patienten mit dem Urtyp erlagen der Krankheit 141 Personen.

Die britische Forschergruppe „CMMID COVID-19 working group“ kam auf ein von 0,6 auf etwa 0,9 Prozent gestiegenes Sterblichkeitsrisiko bei über 55-Jährigen. Das entspricht einer Erhöhung gegenüber dem Urtyp von etwa 50 Prozent. Der Virologe Christian Drosten interpretierte im März 2021 weitere Studien aus Dänemark und Großbritannien und kam zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit, nach einer Ansteckung mit der Mutation ins Krankenhaus zu kommen, um bis zu 70 Prozent höher sei.

Coronavirus B.1.1.7: Unterschiedliche Verteilung der Symptome

Die Symptome nach einer Infektion mit dem Coronavirus B.1.1.7 sind anders verteilt als beim Wildtyp. Erstens kommt es generell häufiger zu einem symptomatischen Verlauf. Zweitens sind einige Anzeichen häufiger, insbesondere Husten, Halsschmerzen, Fieber und körperliche Erschöpfung. Seltener beobachtet wurde Geruchs- und Geschmacksverlust.

Coronavirus B.1.1.7: Auswirkungen auf den Impfstoff

Auf die Impfstoff-Wirksamkeit habe das Coronavirus B.1.1.7 nach aktuellen Erkenntnissen keine Auswirkungen. Das berichtete das Robert Koch Institut Ende März 2021. Allerdings mutiert die Mutation: B.1.1.7 bildet Veränderungen aus, eine davon ist unter der Bezeichnung E484K bekannt. Die Sonderform wurde bis dato selten nachgewiesen, jedoch verdichten sich Hinweise, dass die aktuell verfügbaren Impfstoffe ihnen gegenüber eine geringere Wirksamkeit aufweisen.

Uğur Şahin, CEO des Impfstoffherstellers Biontech, bemerkte, dass BNT162b2, so der offizielle Name des mRNA-Impfstoffes des Mainzer Pharmaunternehmens, sich relativ unkompliziert an Mutationen anpassen lasse. Eine Möglichkeit, auf veränderte Formen von SARS-CoV-2 zu reagieren, sei eine zusätzliche Impfdosis mit angepasstem Vakzin.

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