Schild mit Coronavirus-Symbol und Fahne von Brasilien
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Im November 2020 ergaben Untersuchungen das Auftreten einer neuen Virusvariante in Brasilien

Die „brasilianische“ Virusvariante

Coronavirus P.1: Alle Infos zur Brasilien-Mutante – Symptome, Ansteckung, Impfstoff-Wirksamkeit

Coronavirus P.1 – Was bislang in Zusammenhang mit der SARS-CoV-2-Mutation aus Brasilien hinsichtlich Ansteckung, Symptomen und Impfstoff-Wirksamkeit bekannt ist.

Manaus – Die Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas erstreckt sich mit mehr als zwei Millionen Einwohnern im Mündungsgebiet des Rio Negro in den Amazonas. Als im November 2020 rund drei Viertel der Bevölkerung mit dem Coronavirus infiziert waren, ergaben Untersuchungen das Auftreten einer neuen Virusvariante. Die Coronavirus-B.-Mutation aus Brasilien von der Linie B.1.1.28 wird auch als Lineage P.1 bezeichnet.

Coronavirus P.1 – die Mutation aus Brasilien

Im Herbst 2020 verblüffte Epidemiologen ein explosionsartiger Anstieg an Coronavirus-Infektionen in Manaus. Dieser kam unerwartet, da ein hoher Anteil der Bevölkerung bereits im Frühjahr 2020 eine Infektion durchgemacht hatte. Aus diesem Grund waren im Sommer in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichte Studien von einer Seroprävalenz von 66 Prozent ausgegangen.

Diese bezeichnet den Nachweis entsprechender Antikörper und hätte laut Virologen ausreichen können, um Manaus zur weltweit ersten Stadt mit Herdenimmunität zu machen. Stattdessen stieg die Zahl der Infizierten weiter an. Wissenschaftler befürchten daher eine Fluchtmutation, die darauf schließen lässt, dass sich das Coronavirus P.1 an die Immunantwort seiner Wirte angepasst hat. Als Folge ist eine erneute Ansteckung nach einer überstandenen Corona-Infektion möglich.

Coronavirus P.1 – Auftreten, Symptome & Verbreitung der Mutation

Nuno Faria ist Professor an der Universität Oxford sowie Virologe am Imperial College London. Als er anlässlich des Infektionsanstiegs in Manaus mit seinem Team Proben untersuchte, konnte in 13 von 31 Fällen eine neue Variante des SARS-CoV-2-Virus nachgewiesen werden. Sie stammt von der Line B.1.1.28 ab und wurde als Coronavirus P.1 (auch 501Y.V.3 oder B.1.1.248) bezeichnet.

  • Anfang Januar wurde die Mutation in Japan im Rahmen eines Routine-Screenings am Flughafen Haneda bei vier Reisenden aus dem Amazonasgebiet entdeckt. Während eine Person im Teenageralter keine Symptome aufwies, litten zwei an Fieber, Hals- und Kopfschmerzen. Der Vierte – ein über 40 Jahre alter Mann – wurde mit akuten Atemproblemen in ein Krankenhaus eingeliefert.
  • Ende Januar konnte die Virus-Mutation P.1 in Deutschland bei einem Reiserückkehrer aus Brasilien nachgewiesen werden. Mit Stand 6. März 2021 waren in Deutschland 14 Infektionen mit dem P.1-Virus bekannt.
  • Anfang März war die neue Virusvariante nach Angaben des „Deutschen Ärzteblatts“ bereits in folgenden Ländern aufgetreten: Japan, USA, Kolumbien, Französisch-Guayana, Frankreich, Italien, Belgien, Schweiz, Niederlande, Türkei, Portugal, Deutschland, Großbritannien. Einzelfälle wurden aus Peru, Mexiko, den Färöer-Inseln, Südkorea, Irland und Spanien bekannt.

Forscher untersuchen aktuell (Stand März 2021) den Zusammenhang zwischen dem Anstieg an COVID-Infektionen in Manaus und dem Auftreten der Mutation P.1.

Coronavirus B.-Mutation P.1 – Ansteckung & Impfstoff-Wirksamkeit

Zurzeit (Stand März 2021) wird weltweit intensiv erforscht, ob und in welcher Form sich Coronavirus-B.-Mutationen – darunter die Variante P.1 aus Brasilien – auswirken. Im Fokus stehen dabei die Ansteckung (Virulenz), die Übertragbarkeit, der Krankheitsverlauf, die Gefahr für Kinder und die Impfstoff-Wirksamkeit (Immunogenität).

Als besorgniserregend werden folgende Coronavius-B.-Varianten eingestuft:

  • B.1.1.7, erstmals in Großbritannien aufgetreten
  • B.1.351, in Südafrika entdeckt
  • B.1525, enthält Genveränderungen der britischen und der südafrikanischen Variante
  • B.1.1.248, erstes Auftreten in Brasilien

Der Nachweis einer Infektion erfolgt auch bei Coronavirus-B.-Mutationen wie P.1 durch einen PCR-Test. Bezüglich der Symptome konnten bisher keine Abweichungen festgestellt werden, auch symptomfreie Verläufe wurden festgestellt. Die Gefahr der Ansteckung scheint jedoch wesentlich höher zu sein. Denn P.1 unterscheidet sich von der Ursprungsform des SARS-CoV-2 durch 17 Änderungen in den Aminosäuren.

Darunter befinden sich zehn in den Spike-Proteinen, die bei der Bindung an die Wirtszellen von zentraler Bedeutung sind. Aufgrund von Ähnlichkeiten mit der Variante B.1.351 diskutieren Forscher über eine verringerte Effektivität von Antikörpern, die eine geringere Impfstoff-Wirksamkeit bedeuten würde. Die Impfstoffe sollen einen schweren Verlauf einer COVID-Erkrankung verhindern. Die Impfstoff-Wirksamkeit in Bezug auf die Mutation P.1 wird derzeit intensiv erforscht (Stand 16. März 2021).

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