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Corona-Jahrgang ohne Chancen? Kinderschützer rügen „Trauerspiel“ - Minister warnt vor „Kampf gegen die Uhr“

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Von: Michelle Brey

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Ein leeres Klassenzimmer in der Corona-Pandemie in einer Grundschule.
Die Delta-Variante könnte erneut für Schulschließungen sorgen. © Sebastian Gollnow/dpa

Homeschooling, weniger Ausbildungsplätze: Wie geht es für die Jüngeren weiter in der Corona-Pandemie? Minister Hubertus Heil warnt - der Kinderschutzbund sieht ein „Trauerspiel“.

München - Schüler, Studenten, Auszubildende - wo bleiben sie in der Coronavirus-Krise? Angesichts des seit Wochen positiven Corona-Trends ist die Hoffnung groß, Bildung bald wieder „traditionell“ vermitteln zu können.

Das wäre auch dringend nötig. Denn seit Beginn der Corona-Krise kämpfen insbesondere die Kleinsten mit einer großen Herausforderung: Homeschooling. Zuletzt belegte eine Studie, dass Distanzunterricht so effektiv ist wie die Sommerferien. Der Blick in die Zukunft birgt zwar Hoffnung auf Normalität. Doch diese wird durch die Verbreitung der Delta-Variante getrübt. An Warnungen mangelt es nicht - ebenso wenig an Forderungen an die Regierungen im Land.

Coronavirus: „Ein einziges Trauerspiel“ - Schutz und Vorbeugung an Schulen

Die Virus-Mutante soll in naher Zukunft die vorherrschende in Deutschland sein - ähnlich wie bereits in Großbritannien, wo die Fallzahlen steigen. Experten warnen eindringlich vor der Delta-Variante. Müssen sich die Schülerinnen und Schüler also darauf einstellen, dass nach den Sommerferien wieder harte Beschränkungen greifen?

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung sagte Gesundheitsminister Jens Spahn: „Es ist unser Ziel, dass Schule nach den Ferien so normal wie möglich wieder starten kann. Das sind wir den Kindern und Jugendlichen schuldig.“ Zuletzt widerrief Spahn seine Aussagen hinsichtlich der Notwendigkeit von Maskenpflicht und Wechselunterricht im Herbst und Winter.

Der Kinderschutzbund mahnt indes bereits jetzt zu mehr Vorbeugung und besserem Schutz an Schulen. Auch in dieser Phase der Pandemie werde dafür politisch erneut nicht genug unternommen - etwa durch bessere Digitalausstattung oder den rechtzeitigen Einbau von Lüftungen. So äußerte sich Verbandspräsident Heinz Hilgers gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Das ist ein einziges Trauerspiel“, bilanzierte er. „Ich fürchte, die Kinder werden erneut die Verlierer der Pandemie sein.“

Als bedenklich bezeichnete es Hilgers, wie viele Freiheiten jetzt schon wieder gewährt werden. „Da werden Feste mit 1000 Menschen gefeiert, die Fußball-Stadien werden immer voller. Mein Rat wäre deshalb, es mit den Freiheiten nicht zu übertreiben, um im Herbst nicht in eine neue Krise hineinzurutschen.“

Corona in Deutschland: Knick auf dem Ausbildungsmarkt - Heil mahnt

Indes fürchtet Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) Probleme an einer weiteren Stelle: dem Ausbildungsmarkt. „Die Zahl der Ausbildungsplätze wie der Bewerber ist bereits im vergangenen Jahr zurückgegangen. Die Bewährungsprobe kommt in diesem Sommer“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Im September startet das zweite Ausbildungsjahr während der Corona-Pandemie.

Laut dem Bundesinstitut für Berufsausbildung waren „59.900 beziehungsweise 11,7 % der betrieblichen Ausbildungsplatzangebote zum Stichtag 30. September 2020 immer noch nicht besetzt.“ Gleichzeitig sank auch das Ausbildungsangebot 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 50.700 Plätze (8,8 Prozent).

„Wir kämpfen derzeit gegen die Uhr, da am 1. September das Ausbildungsjahr beginnt. Klar ist: Wir dürfen keinen Corona-Jahrgang in der Ausbildung zulassen“, so der Politiker. Viele Unternehmen zögerten derzeit, weil sie glaubten, sich Auszubildende aufgrund der wirtschaftlichen Schädigung nicht leisten zu können, sagte der Minister. Er rief Betriebe auf, die staatliche Unterstützungsangebote wie die Ausbildungsprämie stärker zu nutzen. (mbr)

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