Coronavirus in China: Ein Polizist hält seine Hand vor das Objektiv einer Kamera.
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Eine chinesische Journalistin ist wegen Corona-Berichten zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

Mutter weint vor Gericht

Wegen Corona-Kritik: China verurteilt Bloggerin zu jahrelanger Haft - EU fordert ihre sofortige Freilassung

Vier Jahre muss Bloggerin Zhang Zhan in Haft. Wegen kritischer Berichte zum Coronavirus wurde ihr in China der Prozess gemacht. Ihre Anwälte sind perplex.

Update vom 29. Dezember, 12.20 Uhr: Die Europäische Union hat die Freilassung der inhaftierten chinesischen Bloggerin Zhang Zhan verlangt. „Die EU fordert die sofortige Freilassung von Frau Zhang Zhan“, erklärte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell am Dienstag in Brüssel. Ein Gericht in Shanghai hatte Zhang am Montag wegen ihrer Berichterstattung über den anfänglichen Umgang der Behörden in Wuhan mit der Corona-Pandemie zu vier Jahren Haft verurteilt.

Borrell forderte auch die Freilassung weiterer in China inhaftierter Journalisten, Anwälte und Aktivisten, die wegen der Veröffentlichung von Informationen „im öffentlichen Interesse“ von der Justiz verfolgt würden.  Das hohe Strafmaß gegen die 37-jährige Zhang hatten die Richter in Shanghai damit begründet, dass die Bloggerin „Streit geschürt und Unruhe gestiftet“ habe. Westliche Regierungen wie etwa die Bundesregierung und Menschenrechtsorganisationen verurteilten das Urteil.

Wuhan: Chinesische Bloggerin zu Haftstrafe verurteilt - Sie berichtete von Ausbreitung Coronavirus

Erstmeldung vom 28. Dezember, 8.45 Uhr: Shanghai - Wegen ihrer kritischen Berichterstattung über die Ausbreitung des Coronavirus in der Millionen-Metropole Wuhan ist die chinesische Bloggerin Zhang Zhan zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Das Urteil gegen die 37-Jährige erging bei einem kurzen Gerichtstermin am Montagfrüh in Shanghai, wie einer ihrer Anwälte mitteilte. Die chinesische Bloggerin, die über die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in der Millionenmetropole Wuhan berichtet hatte, ist zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Coronavirus in China: „Streit geschürt und Unruhe gestiftet“ - Chinesische Bloggerin Zhang Zhan

Zhang wurde in dem Schnellverfahren laut von der Nachrichtenagentur AFP eingesehenen Gerichtsdokumenten vorgeworfen, mit ihren Berichten „Streit geschürt und Unruhe gestiftet“ zu haben. Außerdem habe sie Falschinformationen verbreitet. „Wir konnten nicht verstehen, was Zhang Zhan genau vorgeworfen wurde“, sagte ihr Anwalt Zhang Keke.

Zhang erschien zu dem Prozess im Rollstuhl. Sie war wegen eines Hungerstreiks und Zwangsernährung in einem sehr schlechten Zustand. In ihren Berichten aus Wuhan, wo die Corona-Epidemie erstmals in großem Stil ausbrach, hatte Zhang geschrieben, die Regierung gebe den Menschen „nicht genug Informationen“. „Dies ist eine gewaltige Verletzung der Menschenrechte“, schrieb sie. Ihre Berichte fanden auf Online-Plattformen ein breites Echo. Von China aus verbreitete sich das Virus in die ganze Welt.

Wegen Corona-Berichten im Gefängnis: Bloggerin glaubt, dass sie dort stirbt - Mutter weint vor Gericht

Zhang habe „bestürzt“ gewirkt, als das Urteil gegen sie ergangen sei, sagte ihr Anwalt Ren Quanniu nach dem Prozessende. Ihre Mutter habe bei der Verlesung des Strafmaßes laut geschluchzt.

Zhang glaube, dass sie im Gefängnis sterben werde, sagte Ren weiter. Als er sie vergangene Woche besucht habe, habe sie gesagt, dass sie es „bis zum Ende“ ablehnen werde zu essen, falls sie eine hohe Strafe erhalte. „Es ist eine extreme Methode des Protests gegen diese Gesellschaft und diese Lebenswelt“, fügte der Anwalt hinzu.

China verurteilt Bloggerin zu vier Jahren Haft: Menschenrechtler sehen Schauprozess

Menschenrechtsgruppen sahen in der Strafverfolgung von Zhang einen Schauprozess. Die Behörden wollten ihren Fall nutzen, „um andere Dissidenten davon abzuhalten, Fragen zur pandemischen Situation in Wuhan in diesem Frühjahr zu stellen“, sagte Leo Lan von der Organisation Chinese Human Rights Defenders.

In Wuhan war das Coronavirus* Ende vergangenen Jahres erstmals bei Menschen festgestellt worden. Innerhalb weniger Wochen verbreitete es sich massiv in der Millionenmetropole. Am 23. Januar wurde Wuhan dann von den Behörden abgeriegelt. In den folgenden Tagen wurde die Maßnahme auf die gesamte Provinz Hubei ausgedehnt, in der Wuhan liegt. Von China aus verbreitete sich das Virus in die ganze Welt.

In China selbst wurde das Virus durch die rigorosen Abschottungs- und Quarantänemaßnahmen jedoch weitgehend zurückgedrängt. Die Führung des Landes rühmt ihren Kampf gegen das Virus seit Monaten als große Erfolgsgeschichte. Die Wuhan Akten“ sorgen Anfang Dezember für Aufregung*. Interne Dokumente der chinesischen Gesundheitsbehörden offenbaren „Chinas Fehlverhalten in der Frühphase von Covid-19.“ (AFP) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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