Übertragung von Covid-19

Schutz vor Coronavirus: Haben Brillenträger einen Vorteil? Studie zeigt erstaunliche Ergebnisse

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Ärzte in China vermuten, dass Brille vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen könnten. In einer Studie machten sie erstaunliche Beobachtungen.

  • Krankheitserreger wie das Coronavirus* können über die Schleimhäute von Mund, Nase und Augen in den Körper eindringen.
  • Chinesische Ärzte gehen davon aus, dass sich Träger von Brillen seltener mit Covid-19 infizieren.
  • In einer Studie ging das Ärzte-Team der Vermutung nach und fand bei seiner Corona-Forschung* Erstaunliches heraus.

Suizhou/China - In Deutschland sehen Experten aktuell bereits Anzeichen für eine zweite Corona-Welle*. Das Robert-Koch-Institut* vermeldet täglich steigende Fallzahlen. Ein Grund dafür könnte unter anderem sein, dass sich Menschen laut einer Studie des Haptik-Forschers Martin Grunwald am Tag 400 bis 800 Mal unbewusst ins Gesicht fassen. Virologen warnen jedoch, dass genau dadurch das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren*, stark zunimmt.

Kommen dabei nämlich die Schleimhäute von Mund, Nase und Augen in Berührung mit den Händen, können darauf befindliche Viren schnell in den Körper gelangen. Ärzte in China gehen daher nun davon aus, dass die Ansteckungsgefahr* bei Brillenträgern niedriger sein könnte als bei Personen ohne eine derartige Sehhilfe. Auf die Idee für ihre kleine Studie kamen die chinesischen Ärzte am Suizhou Zengdu Hospital. Dort war ihnen aufgefallen, dass von 267 behandelten Coronavirus-Patienten zwischen dem 27. Januar und dem 13. März nur 16 Personen eine Brille trugen - das sind etwa sechs Prozent.

Coronavirus: Chinesische Ärzte vermuten, dass Brillen vor einer Infektion mit Covid-19 schützen könnten

Stutzig wurden die Mediziner deshalb, weil die Zahl der Brillenträger im Schnitt eigentlich viel höher liegt. In seiner Studie verglich das chinesische Ärzte-Team die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Brillenträgern des Krankenhauses mit Forschungsdaten aus dem Jahr 1987. Diese belegten, dass in der betroffenen Hubei-Provinz, wo Covid-19 seinen Ursprung hatte bevor es nach Europa und Nordamerika kam, etwa 31 Prozent aller Studierenden zu diesem Zeitpunkt kurzsichtig war. Das bedeutet etwa ein Drittel aller Testpersonen trug eine Brille. Die Zahl übertrugen die Ärzte auf die Gesamtbevölkerung.

Da sich die damaligen Testpersonen heute etwa im durchschnittlich selben Alter befinden wie die zwischen Januar un März im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten (etwa die 51 Jahre), setzten die Ärzte des Forschungsteams die Werte in Relation. Aus den großen Unterschieden schlossen sie, dass weit weniger der 267 mit dem Coronavirus Infizierten im Suizhou Zengdu Hospital eine Brille trugen als der durchschnittliche Wert der Studie eigentlich vermuten lässt. Schützt eine Brille ihren Träger also besser vor einer Covid-19-Infektion?

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO trägt einen Mundschutz und eine Brille - laut einer Studie könnte er dadurch doppelt geschützt sein.

„Gegenwärtig wird in vielen Coronavirus-Richtlinien darauf hingewiesen, dass darauf geachtet werden muss, Infektionen durch die Augen zu verhindern,“ so die Ärzte, die ihre Ergebnisse im Fachblatt Jama Ophthalmology veröffentlichten. „Aber die meisten Menschen konzentrieren sich nur auf das Tragen von Masken und die Isolierung zu Hause, ignorieren dabei jedoch die Empfehlungen, sich häufig die Hände zu waschen und es zu vermeiden, die Augen mit den Händen zu berühren. Die Ergebnisse dieser Studie können als Beweis für die Bedeutung dieser beiden Empfehlungen verwendet werden“.

Die Mediziner geben jedoch auch zu: „Unsere Studie hatte einige erwähnenswerte Einschränkungen“. Dazu zählt beispielsweise, dass es sich nur um eine kleine Stichprobengröße handelte - auf eine größere Population können die Ergebnisse noch nicht übertragen werden. „Daher müssen unsere Ergebnisse durch multizentrische Studien mit großen Stichproben überprüft werden“, heißt es in dem Studienbericht. Zudem handelte es sich nicht um aktuelle Daten der lokalen Bevölkerung, sondern nur um Ergebnisse einer älteren Forschung. Über die tatsächlich Gründe, weshalb eine Brille einen besseren Schutz vor dem Coronavirus bieten soll, sagt die Studie ebenfalls nichts aus.

Eine Ärzte-Team aus China prüfte in einer Studie, ob Brillenträger besser vor Coronavirus geschützt sind

Derweil steigen die Infektionszahlen mit dem Coronavirus* in Europa wieder an und erreichen mancherorts bereits kritische Werte. In Spanien kämpfen die Behörden beispielsweise aktuell gegen eine zu rasante Ausbreitung von Covid-19. In der Hauptstadt Madrid wurde die entscheidende Corona-Reproduktionszahl, kurz R-Faktor*, bereits überschritten. Die Ansteigenden Zahlen führen auch in NRW zu einem Kurswechsel: Hier muss der Karnival mit einer Komplett-Absage rechnen.

Rubriklistenbild: © Martial Trezzini/KEYSTONE/dpa

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