Trägt das menschliche Gehirn Schäden von Corona davon? Und wenn ja, welche?
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Trägt das menschliche Gehirn Schäden von Corona davon? Und wenn ja, welche?

Auswirkungen von Sars-CoV-2

Angriff aufs Gehirn: Dramatische Corona-Spätfolgen? Studie stellt „signifikante Defizite“ fest

  • Patrick Freiwah
    vonPatrick Freiwah
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Die Corona-Infektionszahlen sind nicht in den Griff zu bekommen, ein Impfmittel fehlt weiterhin. Und die Spätfolgen des Virus Sars-CoV-2? Darüber handelt eine neue Studie.

  • Forscher erlangen neue Erkenntnisse im Hinblick auf die drohenenden Spätfolgen bei einer Infektion mit Corona.
  • In einer Studie aus fast 85.000 Teilnehmern ergaben sich starke Mängel im Hinblick auf die Gehirnleistung.
  • Es droht offenbar ein starker IQ-Verlust sowie eine vorzeitige Alterung um bis zu zehn Jahre.
  • Doch es gibt auch kritische Stimmen: Hier bietet sich ein Vergleich mit Grippeviren an.

London - Seit Frühjahr 2020 läuft der Kampf gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 auf Hochtouren. Währen die Infektionszahlen aktuell in die Höhe schnellen (Zweite Welle*), sind Forscher rund um den Globus bemüht, das neuartige Virus medizinisch in den Griff zu bekommen. Etwas, über das derzeit noch wenig bekannt ist, sind die Langzeitfolgen einer Erkrankung mit Covid-19.

Corona-Spätfolgen: Studie behauptet - Infizierten droht Alterung des Gehirns um zehn Jahre

Für eine Studie werteten Forscher des Imperial College in London die Testergebnisse von 84.285 Personen aus, die den „Great British Intelligence Test“ absolvierten. Die Erkenntnis sei jene, dass unter Teilnehmern jene Menschen schlechter abschnitten, die sich zuvor mit dem Coronavirus Sars-CoV-2* infiziert hatten.

Bemerkenswert: Auch Personen, die keinen schweren Krankheitsverlauf hatten und solche, die sich im Hinblick auf Corona-Symptome wieder erholt hatten, zeigten im Vergleich zu Nicht-Infizierten gravierende kognitive Defizite. Bei den Test-Teilnehmern, welche die schlimmsten Mängel aufwiesen, lag der IQ um 8,5 Punkte niedriger. Abgesehen davon würde das Gehirn der Untersuchten aufgrund der Auswirkungen von Covid-19 bis zu zehn Jahre gealtert sein. Zu einem ähnlichen Schluss kamen kürzlich Forscher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein.

Was genau beinhaltet der Test, den die Wissenschaftler aus London in Zusammenarbeit mit Experten aus Cambridge und Chicago den Teilnehmern zur Prüfung vorlegten? Es handelte sich um Aufgaben, die möglichst gut von den Probanden bewerkstelligt werden sollten - beispielsweise das Erinnern an Wörter oder Zusammenfügen von Punkten auf einem Puzzle. Kognitive Tests werden in der Regel zur Beurteilung der Gehirnleistung bei Krankheiten wie Alzheimer eingesetzt, oder bei Opfern von Unfällen, wenn es darum geht, Orientierung, Verarbeitung der Emotionen sowie die Aufmerksamkeit zu ermitteln.

Sars-CoV-2 verringert Gehirnleistung von Erkrankten - Lauterbach schlägt umgehend Alarm

So kommt der Bericht zur Erkenntnis, dass aufgrund einer Infektion mit Sars-CoV-2 psychische Probleme drohen und „signifikante kognitive Defizite“. SPD-Politiker und Bundestagsmitglied Karl Lauterbach, dessen Corona-Appelle ein ranghoher deutscher Mediziner „unverantwortlich“ findet, warnte nach Bekanntwerden der Ergebnisse vor der Unterschätzung einer Corona-Infektion:

Interessant ist in diesem Hinblick die Frage, wie sich eigentlich andere Krankheiten auf das Gehirn des Menschen auswirken? In Bezug auf Infektionszahlen und Verlauf wird Sars-CoV-2* häufig mit dem Grippevirus verglichen.

Corona-Spätfolgen? Unterschiede zu einer Grippe-Infektion erstmal nicht offensichtlich

So stellten beispielsweise 2018 Braunschweiger Neurobiologen fest, dass auch diverse Influenza-Viren das Lern- und Erinnerungsvermögen bei menschlichen Gehirnen nicht nur kurzzeitig stark beeinflussen können und zu Desorientierung und Depressionen führen. Gleiches ergaben Tierexperimente an Mäusen, deren Gehirne noch 30 Tage nach einer Grippe-Infektion starke Einschränkungen aufwiesen.

Manche Wissenschaftler, die nicht an der Auswertung in London beteiligt waren, entgegnen der These des Imperial College: Langzeitfolgen einer Corona-Ansteckung können bis dato noch nicht feststehen und daher der Krankheitsverlauf nicht in Relation zu bisher bekannten Seuchen gesetzt werden. (PF) *Merkur.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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