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Bestimmen unsere Gene den Covid-Verlauf mit? – Forscher finden Zusammenhang

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Von: Julia Schöneseiffen

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DNA Strang Genetik
Die Genetik könnte Aufschluss über den Verlauf einer Covid-Erkrankung geben. © Jesper Klausen / Imago

Wissenschaftler suchen seit Beginn der Corona-Pandemie nach Faktoren, die einen Krankheitsverlauf beeinflussen. Forscher finden nun Hinweise in der menschlichen Genetik.

Boston - Seit Beginn der Corona-Pandemie versuchen Wissenschaftler und Ärzte zu verstehen, welche Faktoren den Verlauf einer Covid-Erkrankung beeinflussen. Weshalb zeigen einige Erkrankte kaum Symptome, wohingegen andere Patienten schwer an Covid-19 erkranken?

Risikofaktoren wie das Alter oder bestimmte Vorerkrankungen konnten bereits bestimmt werden, doch welche Rolle spielt die Genetik? Diese Frage stellten sich auch die Forscher Samira Asgari und Lionel A. Pusaz und untersuchten Daten von etwa 50.000 Covid-Patienten. Im Fachblatt Nature veröffentlichte das Forscherteam nun die Ergebnisse einer großen Metastudie, die sie im Rahmen der „Covid-19 Host Genetics Initiative“ durchgeführt hatten.

Coronavirus: Genetik entscheidend für Krankheitsverlauf?

Nach Angaben der Wissenschaftler handelt es sich bei der Studie um eine Zusammenarbeit von rund 3000 Forschern. Um Biomarker, also biologische Merkmale, zu finden, die relevant für einen Covid-Verlauf sind, analysierten die Forscher Informationen aus mehr als 46 Studien. Dabei wurden Daten von mehr als 49.000 Covid-Erkrankten und zwei Millionen Kontrollpersonen erfasst. Um die 46 internationalem Studien gut vergleichen zu können, teilte das Forscherteam die Studiengruppen in drei Analysekategorien:

Mit dieser Einteilung konnten die Wissenschaftler zunächst Unterschiede in der Häufigkeit von Millionen genetischer Varianten zwischen den Covid-Patienten und den Teilnehmern der Kontrollgruppe ermitteln. Auch, ob bei den Betroffenen nur eine erhöhte Ansteckungsgefahr vorlag oder ob sie tatsächlich auch einen schweren Verlauf erlitten. Im Anschluss kombinierten sie die Ergebnisse aller 46 Studien.

Forscher finden 13 Genvarianten im Zusammenhang mit Corona

Auf diesem Weg konnten die Forscher 13 Genvarianten identifizieren, die im Zusammenhang mit einer SARS-CoV-2-Infektion und -Erkrankung stehen. Diese sogenannten Loci geben die physische Position eines Gens im Genom an.

Wissenschaftliche Studie: Können Gene Einfluss auf eine Covid-Erkrankung haben?

Für ein besseres Verständnis der Mechanismen, die diese Loci und Krankheitsausgänge verbinden, suchten die Wissenschaftler nach Genen in der Nähe jedes identifizierten Locus. Sie identifizierten mehr als 40 Gene, welche unter anderem bei der Immunfunktion und Lungenfunktion des Körpers beteiligt sind. Dies deute darauf hin, dass die genomischen Regionen, welche die Forscher ausmachten, einen Einfluss auf eine Covid-19-Erkrankung haben können.

Hierfür nennen die Wissenschaftler das Beispiel-Gen TYK2. Varianten dieses Gens können die Anfälligkeit für Infektionen durch Viren, Bakterien und Pilze erhöhen. Die Forscher berichteten, dass Personen, die bestimmte Mutationen des Gens TYK2 in sich tragen, ein erhöhtes Risiko bei einer Covid-Erkrankung haben. Demnach sei das Risiko höher in ein Krankenhaus eingeliefert zu werden und/oder einen kritischen Krankheitsverlauf zu erleiden.

Auch wenn die Studie „ein wichtiger Meilenstein in unserem Verständnis der Rolle der Humangenetik bei Anfälligkeit für SARS-CoV-2“ sei, sei noch viel zu tun, so das Forscherteam. Zukünftige Experimente sollten alle Gene, Signalwege und biologischen Mechanismen bestimmen, die die identifizierten genomischen Loci mit den Ergebnissen von Covid-19 verbinden. (jsch)

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