Berliner Charité reagiert bereits

Coronavirus-Warnung für Deutschland: „Müssen uns im gesamten Gesundheitssystem darauf vorbereiten"

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Das Coronavirus breitet sich rasend schnell aus und fordert immer mehr Tote. Ein Virus-Experte warnt nun vor der Ausbreitung der Lungenerkrankung in Deutschland.

  • Das Coronavirus breitet sich aus - der Ursprung liegt in Wuhan, China.
  • „2019-nCoV“ wird der Erreger genannt.
  • Ein Viren-Experte warnt nun vor Fällen in Deutschland.

Aufgrund der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Teilen Asiens rechnet ein Experte der Berliner Charité auch mit Fällen hierzulande. "Wir müssen damit rechnen, dass wir Fälle nach Deutschland bekommen und wir müssen uns im gesamten Gesundheitssystem darauf vorbereiten", sagte der Virologe Christian Drosten am Dienstag im Deutschlandfunk.

Angaben der chinesischen Gesundheitsbehörden zufolge war das neuartige Coronavirus zum ersten Mal im Dezember auf einem Fisch- und Geflügelmarkt in der Metropole Wuhan aufgetreten. Dort gibt es auch die mit Abstand meisten der rund 220 in China registrierten Erkrankten.

Einzelne weitere Fälle wurden aus Peking, Shanghai sowie aus den benachbarten Ländern Thailand, Japan und Südkorea gemeldet. Je ein Verdachtsfall wird in Australien und auf den Philippinen geprüft. Alle Infizierten und Verdachtsfälle im Ausland hatten sich zuvor in Wuhan aufgehalten. In Europa ist bislang kein Fall bekannt. Insgesamt sind seit Dezember 291 Infektionen nachgewiesen worden. Sechs Menschen starben an dem Virus (Stand Dienstag, 21. Januar, 12.40 Uhr). Am Flughafen München gibt es die Task-Force Infektiologie, die helfen soll, die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland zu verhindern.

News-Ticker zum Coronavirus: Zahl der Infizierten steigt drastisch - EU-Behörde mit düsterer Prognose

Coronavirus: Gefahr für Deutschland? Dunkelziffer der Infizierten weit über 1000

Unklar ist derzeit die mögliche Dunkelziffer nicht erkannter Infektionen. Angaben aus China gibt es dazu nicht. Experten des Imperial College London rechnen damit, dass die neue Krankheit schon wesentlich weiter verbreitet ist als bislang bekannt. Nach ihrer Hochrechnung könnte es bereits mehr als 1700 Infizierte geben (Stand Dienstag, 21. Januar, 12.40 Uhr). „Solche Schätzungen sind immer mit großen Unsicherheiten behaftet“, sagte Drosten dazu. „Im Kern glaube ich aber an diese Zahlen.“

Die Krankenhäuser in Deutschland müssten jetzt über die Behandlung solcher Patienten nachdenken, die teils isoliert werden oder auf Intensivstationen aufgenommen werden müssten, wo Behandlungsplätze ohnehin immer rar seien, so der Experte weiter. Die Berliner Charité habe bereits "alle Testsysteme hochgefahren", um eine Infektion mit dem neuen Coronavirus bei Bedarf schnell nachweisen zu können.

Lesen Sie dazu: Coronavirus an der Uni Passau? In der Social-Media-App Jodel teilte ein Nutzer einen vermeintlichen Artikel der Süddeutschen Zeitung dazu. Alles Fake, wie nun rauskam.

Video: Coronavirus: Wie überträgt er sich und wo kommt er her?

Coronavirus: Experte nennt Ähnlichkeiten mit SARS - 2003 starben fast 800 Menschen

Die Gesundheitsbehörden müssten das neuartige Virus "sehr ernst nehmen", mahnte der Virologe. "Das ganze Bild nimmt jetzt doch mehr Ähnlichkeit mit der damaligen Sars-Epidemie im Jahr 2003 an." Fast 780 Menschen starben damals an der ebenfalls durch ein Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit; die meisten in Hongkong und China. 

Inzwischen ist es wahrscheinlich nur noch in Tieren unterwegs. Glücklicherweise sei das Virus nicht so leicht übertragbar gewesen wie etwa die saisonale Grippe, sagten Experten später. Sars steht für „Severe Acute Respiratory Syndrome“, also Schweres Akutes Atemwegssyndrom. Die Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch, die nun für das neue Virus erwiesen ist, mache es "gefährlicher".

„Es ist dieselbe Virusart, nur in einer anderen Variante“, sagte der Virologe der Berliner Charité. Unterschiede gebe es vor allem bei den Proteinen, mit denen das Virus an menschliche Zellen andocke.

Coronavirus in China: Reisewelle begünstigt Verbreitung - Experte sieht Deutschland gut gewappnet

Allgemein sieht Drosten Deutschland allerdings gut gewappnet. Hierzulande gebe es „sehr gute Strukturen“ zur Vermeidung von Epidemien. Dazu zählen ein nationaler Pandemie-Plan und eine sehr gute Koordinierung von Schutz- und Bekämpfungsmaßnahmen durch das Robert-Koch-Institut, so der Virus-Experte im Deutschlandfunk. "Ich glaube auch nicht, dass man jetzt als Bürger da Sorge haben muss um die eigene Gesundheit", fügte er hinzu.

Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag steigt die Gefahr einer Übertragung des Virus. Bei der größten jährlichen Völkerwanderung im Reich der Mitte sind einige Hundert Millionen Menschen unterwegs. Asiatische Nachbarstaaten und einige Flughäfen in anderen Ländern weltweit haben aufgrund der neuen Lungenkrankheit mittlerweile Fieberkontrollen oder andere Schutzmaßnahmen bei der Einreise aus Wuhan eingeführt.

Übrigens: Auch der Chef des niederländischen Bier-Konzerns Heineken hat sich nun zu möglichen Folgen des Coronavirus‘ geäußert

Coronavirus: So wird es übertragen - Impfung und Behandlung möglich?

Das Virus wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO bislang „2019-nCoV“ genannt und gehört wie Sars und das gelegentlich in Nahost auftretende Mers zur Familie der Coronaviren. Es befällt obere und untere Atemwege. Die bisherigen Patienten stammen aus fast allen Altersgruppen, Frauen und Männer sind in etwa gleich häufig betroffen. Auch viele normale Erkältungen werden durch Coronaviren verursacht. Diese sind aber anderer Art und befallen meist nur die oberen Atemwege.

Nach derzeitigem Wissen sorge das Virus für Fieber und Symptome einer Lungenentzündung, erklärte der  Virusforscher Drosten. „Die oberen Atemwege sind kaum betroffen, es gibt beispielsweise keinen Schnupfen.“ Von Lunge zu Lunge gelangt ein Erreger schwerer als etwa mit den Tröpfchen beim Niesen. 

Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Infektion gibt es nicht, lediglich die Symptome können mit Medikamenten abgemildert werden. Dennoch kann man sich schützen. Analysen des Erbguts haben dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge ergeben, dass es sich um eine Sars-Virus-Variante handelt.

In Australien ist Forschern ein Durchbruch in der Bekämpfung des Coronavirus gelungen: Die Wissenschaftler entnahmen einem infizierten Patienten das Virus und haben es erfolgreich nachgezüchtet.

Coronavirus: WHO beruft Notfallausschuss ein - wird Gesundheitsnotstand ausgerufen?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen der Lungenkrankheit ihren Notfallausschuss einberufen. Die Experten werden am Mittwoch beraten. Sollte die WHO einen internationalen Gesundheitsnotstand ausrufen, empfiehlt sie damit schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche. 

Dazu können unter anderem Grenzkontrollen und die Einrichtung spezialisierter Behandlungszentren gehören. Derzeit werden von der WHO keinerlei Reise- oder Handelsbeschränkungen empfohlen. Es gibt aber Hinweise zu generell einzuhaltenden Hygiene- und Verhaltensregeln für Reisende nach Wuhan in China.

In Bayern hat es nach Angaben des Gesundheitsministeriums einen Verdachtsfall des Corona-Virus gegeben. Mutmaßlich befand sich die betroffene Person am Flughafen München.

Wegen einer möglichen Coronavirus-Infektion sitzen Tausende Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff vor Italiens Küste fest.

sh/dpa/AFP

Rubriklistenbild: © dpa / Eugene Hoshiko

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