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Großer Anteil der Delta-Todesopfer in Großbritannien war doppelt geimpft - Experten erklären den Grund

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Von: Felix Durach

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In Großbritannien war ein Großteil der Todesfälle nach einer Delta-Infektion bereits zweifach geimpft. Eine Statistik, die jedoch kein Grund zu Sorge ist.

London - Die Delta-Variante des Coronavirus greift in Großbritannien weiterhin um sich und wird schon jetzt von diversen Experten als der entscheidende Treiber für eine drohende vierte Welle in der Pandemie angesehen. Umso größer war somit das Interesse, mit dem die ersten Studien zur Wirksamkeit der aktuell in Europa zugelassenen Impfstoffe gegen die Delta-Variante erwartet wurden. Gerade die Ergebnisse der beiden mRNA-Impfstoffe der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna machten dabei Hoffnung.

Coronavirus: Fast die Hälfte aller britischen Delta-Todesfälle bereits doppelt geimpft

Und dennoch wurden in den vergangenen Tagen aus Großbritannien Zahlen gemeldet, die auf den ersten Blick beunruhigend erscheinen. Die Gesundheitsbehörde Public Health England registrierte zwischen dem 1. Februar und dem 21. Juni 2021 insgesamt 117 Todesfälle die auf eine Infektion mit der Delta-Variante zurückzuführen sind. 50 der Verstorbenen hatten zum Zeitpunkt ihrer Infektion bereits zwei Impfungen gegen das Coronavirus erhalten - ein Anteil von 42 Prozent.

Fast jeder Zweite, der in dem angegebenen Zeitraum nach einer Infektion mit der Delta-Variante gestorben ist, verfügte somit über einen vollständigen Impfschutz. Was zunächst besorgniserregend klingt, ist jedoch lediglich das logische Ergebnis, das aus der Pandemie und der britischen Impfkampagne resultiert. Christoph Rothe, Statistik-Professor an der Universität Mannheim, schrieb dazu auf Twitter: „Mit Meldungen wie ‚40 % aller neuen Corona-Toten war geimpft‘, verhält es ähnlich wie mit ‚70 % aller Verkehrstoten war angeschnallt‘“.

Coronavirus: Todesfälle trotzt Impfung - Statistik aus Großbritannien kein Grund zur Sorge

Was Rothe mit dieser Analogie sagen will: die Tatsache, dass der Anteil der Geimpften unter den Corona-Toten immer weiter ansteigt ist keineswegs ein Problem des Impfstoffs, sondern eher ein Zeichen des Erfolgs der Impfkampagne. Die in Europa zugelassenen Impfstoffe schützen zu einem hohen Prozentsatz vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Einen hundertprozentigen Schutz können sie jedoch nicht bieten. Doch auch wenn man sich trotz vollständiger Impfung mit Corona infizieren sollte, können die Vakzine mit hoher Wahrscheinlichkeit einen schweren Verlauf verhindern. Doch auch hierbei gilt: Einen hundertprozentigen Schutz vor einem schweren oder tödlichen Verlauf gibt es nicht.

Je höher der Anteil der Geimpften in der Bevölkerung, desto höher also auch der Anteil der Geimpften unter den Corona-Todesopfern. Ein statistisches Phänomen, das noch durch die Zusammenstellung der geimpften Gruppen zusätzlich verstärkt wird. So ist der Anteil an vollständig Geimpften logischerweise genau in den Bevölkerungsgruppen am größten, welche das größte Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf haben, wie beispielsweise Rentner oder Menschen mit chronischen Erkrankungen.

Coronavirus: Impfung senkt Infektionsrisiko - jedoch nicht auf Null

Für diese ist eine vollständige Impfung zwar besonders wichtig um eine Infektion mit dem Coronavirus zu verhindern, jedoch liegt bei ihnen auch trotz Impfschutz die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf deutlich höher, sollten sie sich trotzdem infizieren. „Ein 80-Jähriger, der vollständig geimpft ist, hat in etwa das gleiche Risiko wie ein ungeimpfter 50-Jähriger“, erklären die Statistiker David Spiegelhalter und Anthony Masters im britischen Guardian.

Solange die Corona-Pandemie andauert, wird es also leider weiterhin Todesfälle geben, eben auch unter den Geimpften. Die Wahrscheinlichkeit vollständig geimpft an den Folgen einer Corona-Infekion zu sterben sind jedoch deutlich geringer. (fd)

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