Datenbasis fehlt

Delta-Variante in Großbritannien: ARD-Team widerlegt Lauterbach-Aussage zu Kindern in Kliniken

Die Delta-Variante sorgt für einen Anstieg der Corona-Zahlen in Großbritannien. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Kliniken ist davon allerdings nicht betroffen.

München/London - Die Corona-Impfung von Kindern ist ein viel diskutiertes Thema. Die Äußerungen des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach haben die Debatte zuletzt weiter angeheizt. Am vergangenen Montag (28. Juni) forderte er die Ständige Impfkommission (Stiko) auf, ihre eingeschränkte Empfehlung für Impfungen von Kindern gegen das Coronavirus zu überdenken.

Delta-Variante in Großbritannien: Infektionszahlen steigen, Zahl der Kinder in Kliniken nicht

In einem Gespräch mit der Rheinischen Post sagte Lauterbach, die Stiko argumentiere, dass Covid-19 für Kinder harmlos sei. „Für die Delta-Variante gilt dies meiner Ansicht nach aber nicht“, betonte er. In Großbritannien würden bereits viele Kinder mit Covid-19 in Krankenhäusern behandelt, so der SPD-Gesundheitsexperte.

Die Corona-Infektionszahlen in Großbritannien steigen seit einigen Wochen wieder an. Die Delta-Variante hat sich stark ausgebreitet. Ihr Anteil an den Neuinfektionen beträgt inzwischen mehr als 90 Prozent. Geplante Lockerungen der Corona-Maßnahmen im Vereinigten Königreich mussten daher um mehrere Wochen verschoben werden.

ARD-Team widerlegt Lauterbach-Aussage zu Kinder in Kliniken

Aber: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die mit Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden müssen, ist weiterhin gering. Sowohl in England als auch den anderen Teilen Großbritanniens ist kein Anstieg zu erkennen, wie die Redaktion der „ARD-faktenfinder“ berichtet. Für Lauterbachs Aussagen zu den Krankenhausaufenthalten von Kindern und Jugendlichen fehle demnach die Datenbasis.

Das räumte der Experte gegenüber tagesschau.de auch ein. Die Zahlen aus Großbritannien zeigten tatsächlich keine deutlichen Steigerungen. Lauterbach erklärte, er habe sich bei seiner Aussage auf einen schottischen Minister bezogen. Dieser habe von mehr Kindern in Krankenhäusern gesprochen, das im Nachhinein allerdings relativiert.

Corona-Impfung von Kindern: Lauterbach fordert Änderung der Stiko-Empfehlung

Dennoch blieb Lauterbach bei seiner Einschätzung, dass Corona-Impfungen von Kindern und Jugendlichen notwendig seien, um sie vor der Delta-Variante zu schützen und das Infektionsgeschehen einzudämmen. Dabei verwies er auch auf Erkenntnisse zu „Long Covid“, sowie Daten aus den USA und Indien, die schwere Covid-Verläufe auch bei Kindern und Jugendlichen zeigten.

Karl Lauterbach spricht sich für eine Änderung der Stiko-Empfehlung zu Corona-Impfungen von Kindern und Jugendlichen aus. (Archivbild)

Aktuell empfiehlt die Stiko die Corona-Impfung bei Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren nur bei bestimmen Vorerkrankungen oder anderen Risikofaktoren. Auf Wunsch und nach ärztlicher Beratung sind Impfungen ab dem Alter von zwölf Jahren für alle möglich. Während Lauterbach sich bereits wiederholt für eine Änderung der Empfehlung aussprach, halten hingegen viele Kinderärzte die Entscheidung der Stiko für richtig. (ph)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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