Schülerinnen einer neunten Klasse einer bayerischen Mittelschule sitzen sitzen am 8. September 2020 mit Mundschutz im Klassenzimmer.
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Die Berliner Senatsverwaltung prüft den Fall eines Lehrers, der im Unterricht Corona geleugnet haben soll (Symbolbild).

„Maske tragen ist dumm“

Corona-Leugner: Lehrer verbreitet Verschwörungstheorien in Videos - Schüler schlagen jetzt zurück

  • Franziska Schwarz
    vonFranziska Schwarz
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Die Berliner Schulaufsicht prüft dem „rbb“ zufolge den Fall eines Lehrers - er soll Corona im Unterricht und in einer Chatgruppe mit seinen Schülern geleugnet haben.

  • Der rbb berichtet über einen Lehrer, der offenbar das neuartige Coronavirus* leugnet.
  • Berliner Schüler von ihm wehren sich jetzt - denn er mache das im Unterricht, in Chats und auf Telegram.
  • Dem Bericht zufolge gibt es nun eine „dienstrechtliche Prüfung“

Update vom 13. November, 13.19 Uhr: Die Berliner Senatsverwaltung prüft dienstliche Konsequenzen gegen einen Lehrer, der in seinen Youtube-Videos Corona verharmloste (siehe Ursprungsmeldung vom 12. November). „Wir dulden nicht, dass Hygienemaßnahmen an Schulen unterlaufen werden. Es gibt klare und verbindliche Regelungen, die alle einzuhalten haben. Und wir werden es auch nicht hinnehmen, wenn Lehrkräfte sich über diese Regelungen hinwegsetzen“, teilte ein Sprecher am Freitag der dpa mit.

Der Lehrer vertrete eine „absolute Einzelmeinung, die weder wir als Schülerschaft noch unsere Lehrer*innen unterstützen!“, heißt es in einem Schreiben von Schülervertretern vom Donnerstag, das auch der dpa vorliegt. Seine zweifelhaften Youtube-Beiträge hätten nichts mit ihrer Schule zu tun, sondern seien seine Privatmeinung.

Coronavirus in Berlin: Schulaufsicht prüft Fall eines Lehrers wegen fragwürdiger Videos

In den Clips sagte der Pädagoge unter anderem: „Maske tragen ist dumm! Ihr werdet davon krank und ihr werdet letztendlich daran sterben!“ Er behauptete zudem, dass es „weit und breit kein Virus“ gebe, dass das Gewebe einer Maske zu grob sei, um ein Virus aufzuhalten, und dass Masken das Immunsystem schwächten, weil sie auch „gutartige Viren“ abhielten.

Der Lehrer selbst distanzierte sich auf dpa-Anfrage nicht von dem YouTube-Kanal, den er als seinen „heimlichen Stammtisch“ bezeichnete. Er gab an, dass die Schulleitung kurz nach Start des Kanals auf ihn zugekommen sei.

Corona-Leugner als Schullehrer? Mann soll Verschwörungstheorien verbreitet haben - Schüler schlagen zurück

Ursprungsmeldung vom 12. November: Berlin - Ein Corona*-Leugner soll in Berlin-Wedding seine Ansichten verbreitet haben - in seiner Funktion Berufsschullehrer. Mehrere Schüler wehren sich nun gegen die Lehrkraft. Bislang offenbar ohne Erfolg. Das berichtet der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), dem nach eigenen Angaben deren Korrespondenz mit der Schulleitung vorliegt.

An der Oberschule gilt Maskenpflicht. „Bei uns gab‘s den Kommentar: ‚Ihre Masken müssen Sie nicht tragen, denn Corona* gibt‘s im Sommer ja gar nicht‘“, zitiert der rbb einen interviewten Schüler. Es sei nicht nur die Sorge um ihre Gesundheit*. Die Schüler, die aus Angst vor Konsequenzen anonym bleiben wollten, fühlen sich dem Bericht zufolge auch unzulässig politisch beeinflusst.

Corona-Leugner und Oberschullehrer feiert Ken Jebsen, Attila Hildmann und die „Querdenker“

Dauernd thematisiere der Lehrer die Pandemie* - nicht nur im Unterricht. Den Schülern zufolge habe er für das Home-Schooling eine Chat-Gruppe initiiert. Seine Beiträge: Politische Links wie etwa Videos des russischen Staatssenders RT (früher Russia Today)“ und des Youtubers/Journalisten Ken Jebsen, der bereits durch Verschwörungstheorien auffiel.


Als sich die Schüler gegen solche Inhalte wehrten, soll der Lehrer sie eingeladen haben, seinen Telegram-Kanal zu abonnieren. Hier folgten demnach „Querdenker“-Demo-Aufrufe und Content des Vegan-Kochs Attila Hildmann, der sich selbst „ultrarechts“ und einen Verschwörungsprediger nennt.

Darüber hinaus berichtet der rbb von Aussagen auf dem Youtube-Kanal des Lehrers, der Mund-Nasen-Schutz sei nicht nur „dumm“, sondern das „moderne Hakenkreuz“. Der nächste Schritt der Schüler: Sie wollen dem Bericht zufolge den Unterricht boykottieren. Auch an die „Schulaufsicht berufliche Schulen“ bei der Berliner Senatsverwaltung hätten die Schüler bereits eine Beschwerde gerichtet.

Ein Berliner Lehrer soll Corona-Leugner sein (Symbolbild).

Lehrer soll öffentlich Corona leugnen - und sich auf Meinungsfreiheit berufen

Auf Anfragen um Stellungnahmen des rbb habe große Zurückhaltung geherrscht. Demnach wollte sich der Beschuldigte selbst zu den Vorwürfen nicht öffentlich äußern und berief sich auf seine Meinungsfreiheit. Schulaufsicht und die Schulleitung erklärten dem rbb zufolge, es sei „zu klären, inwiefern Äußerungen einer Lehrkraft außerhalb des Schulbetriebs vom Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sind, oder ob hier schon die Grenze des Hinnehmbaren überschritten ist“.

Ähnlich habe es der Berliner Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) formuliert. Die Senatsschulverwaltung schweige bislang zu einer Anfrage. Nach rbb-Informationen hat die Berliner Schulaufsicht eine „dienstrechtliche Prüfung“ gegen den Lehrer eingeleitet. (frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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