Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, gibt in der Bundespressekonferenz eine Pressekonferenz zur Entwicklung der Corona Pandemie.
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Virologin Sandra Ciesek spricht in der neuen Folge des „Coronavirus-Update“-Podcasts über Corona-Testungen in Deutschland.

Schnelltests als „sinnvolles Tool“

Corona in Deutschland: Ciesek fordert Ausschöpfung der Testkapazitäten - „Jeder richtig Erkannte zählt“

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Virologin Sandra Ciesek spricht in der neuen Folge des Podcasts „Coronavirus-Update“ über Corona-Testungen. Sie fordert eine Ausschöpfung der Kapazitäten in Deutschland.

Hamburg - Im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ informieren die Experten Christian Drosten und Sandra Ciesek regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen der Corona-Pandemie in Deutschland. In der aktuellen Folge (Dienstag, 23. Februar) äußerte sich die Virologin unter anderem zu Corona-Tests. Ciesek, die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main ist, plädierte für eine sinnvolle Nutzung der verschiedenen Test-Möglichkeiten.

Corona-Schnelltests: Ciesek sieht zwei große Vorteile - „Sinnvolles Tool“

Aus Sicht der Virologin können Antigen-Schnelltests ein wichtiges Hilfsmittel im Kampf gegen die Corona-Pandemie* sein. Diese Tests hätten zwei große Vorteile: Sie seien schneller als PCR-Tests - „das heißt, sie können viel schneller reagieren“ - und es seien mehr Testungen möglich - „das heißt, sie können eine viel größere Anzahl durchführen“, so Ciesek.

„Diese Kombination macht sie in bestimmten Bereichen des Lebens wie in der Schule zu einem sinnvollen Tool, um Infektionsketten schnell zu unterbrechen und die Ausbreitung in der Schule zu vermeiden“, erklärte die Expertin weiter. Durch Schnelltests sei es zudem nicht nur möglich, schnell zu erkennen, ob jemand sich mit dem Coronavirus* infiziert hat, sondern auch ob die Person ansteckend ist.

Corona-Tests in Deutschland: Österreich als Beispiel für regelmäßiges Testen

Ciesek ging im Hinblick auf Schnelltests auch auf das Nachbarland Österreich ein. Dort werden wöchentlich alle Lehrer:innen und Schüler:innen zweimal getestet. Das habe „sicherlich einen großen Effekt“, erklärte die Virologin. „Es gibt Modellierungen, dass eine Testung zweimal pro Woche die Anzahl der Ausbrüche um ungefähr 50 Prozent reduzieren könne“, so Ciesek.

Allerdings gebe es bei einer so hohen Anzahl von Tests auch falsch positive Befunde. „Wenn das häufiger passiert, dann kann beim Laien auch das Vertrauen in diese Testung verloren gehen“, mahnte Ciesek. Man müsse daher die Grenzen solcher Corona-Tests* gut erklären. Grundsätzlich gelte aber: „Jeder richtig Erkannte zählt.“

Corona-Selbsttests: Ciesek plädiert für verständliche Anleitung - „Bekommt jeder hin“

Corona-Selbsttests, von denen am Mittwoch in Deutschland erstmals drei eine Sonderzulassung erhalten haben, steht die Frankfurter Virologin ebenfalls positiv gegenüber. Es sei wichtig, dass diese Tests „unter Real-Life-Bedingungen“ geprüft würden, bevor man sie in die Hände von Laien gebe - auch um viele falsch positive oder falsch negative Ergebnisse zu vermeiden.

„Man muss die Leute natürlich anleiten. Sie müssen wissen, auf welche Tricks sie achten müssen, was ganz klare Probleme sind“, forderte Ciesek. Dafür reiche auch schon ein Anleitungs-Video. „Einen Abstrich aus der vorderen Nase bekommt, glaube ich, jeder hin, wenn er weiß, wie er es machen soll“, so die Virologin. Welche Art der Selbsttests - ob Abstrich aus der vorderen Nase, Speichel- oder Gurgeltest - sich am besten für Laien eignet, konnte Ciesek nicht sagen. „Da gibt es noch eine Datenlücke“, erklärte sie.

Corona-Tests in Deutschland: Virologin fordert Ausschöpfung der PCR-Testkapazitäten

Im vergangenen Herbst hatten das Bundesgesundheitsministerium und das Robert-Koch-Institut (RKI)* die Kriterien für PCR-Testungen geändert. Die Testkapazitäten waren damals knapp und es wurden nur Patienten mit schweren Symptomen* getestet. „Das muss jetzt wieder geändert werden“, forderte Ciesek. Denn: die verfügbaren Testkapazitäten in Deutschland werden derzeit nicht vollständig ausgeschöpft.

„Wir müssen die Kapazitäten ausnutzen, die wir haben“, so die Virologin. Sie schlug vor, nun auch wieder vermehrt Menschen ohne Symptome zu testen. Als mögliche sinnvolle Einsatzmöglichkeiten zählte sie etwa Sammelunterkünfte oder stichprobenartige Corona-Tests in Schulen auf. Das seien „Bereiche, wo wir wissen, dass es Probleme geben kann“. Laut Ciesek könne man durch mehr Tests auch eine mögliche Dunkelziffer besser ausleuchten. (ph/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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