Christian Drosten, Direktor Institut für Virologie, Charité Berlin nimmt an einer Pressekonferenz zur aktuellen Lage um die Corona Pandemie teil.
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Virologe Christian Drosten warnt eindringlich vor der Ausbreitung der Delta-Variante in Deutschland. (Archivbild)

Anstieg der Zahlen im Juli möglich

Drosten warnt eindringlich vor Delta-Variante: „Wir müssen das ab jetzt wirklich ernst nehmen“

  • Patrick Huljina
    VonPatrick Huljina
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Die Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus bereitet große Sorgen - auch in Deutschland. Virologe Christian Drosten warnt eindringlich.

Berlin - „Ich bin mittlerweile so weit, dass ich sage, wir sind hier jetzt im Rennen in Deutschland mit der Delta-Variante.“ Das sagte Christian Drosten am Freitag (18. Juni) auf einem Online-Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin. „Wir müssen das ab jetzt wirklich ernst nehmen“, so die eindringliche Warnung des Charité-Virologen.

Delta-Variante in Deutschland: Drosten warnt - „Wir müssen das ab jetzt wirklich ernst nehmen“

Der Anteil der Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland hat sich innerhalb von nur einer Woche fast verdoppelt. Nach einer Analyse des Robert-Koch-Instituts (RKI) für die erste Juniwoche liegt er inzwischen bei sechs Prozent. In den Wochen zuvor stagnierte die Delta-Variante bundesweit eher um die zwei Prozent.

„Vom Gefühl her kann ich sagen, uns rufen immer mehr Leute an, die Ausbrüche beschreiben, immer mehr Labore“, erklärte Drosten. Gerade in Süd-Dänemark und Schleswig-Holstein gebe es gerade ein Ausbruchsgeschehen. „Das erinnert mich an den Beginn der B.1.1.7-Epidemie in Deutschland, wo es genauso war“, sagte der Charité-Virologe weiter.

Die ansteckendere Corona-Variante B.1.1.7, die 2020 in Großbritannien bekannt wurde, hatte Deutschland im vergangenen Winter in eine dritte Welle der Corona-Pandemie getrieben. Die Eindämmungsmaßnahmen kamen damals zu spät oder waren zu inkonsequent.

Delta-Variante in Deutschland: Situation mit England vergleichbar - Drosten stellt Hypothese auf

Die aktuelle Situation in Deutschland sei durchaus ein wenig mit der in England im Mai vergleichbar, analysierte Drosten. In Großbritannien hatte die ansteckende Delta-Variante innerhalb weniger Wochen trotz fortgeschrittener Quoten bei den Corona-Impfungen die Vorherrschaft übernommen. Die Inzidenzen stiegen wieder von 20 auf 70. Lockerungen wurden deshalb gestoppt. Angesteckt hätten sich dabei vor allem junge Erwachsene - zum Beispiel beim Feiern oder auch in der Gastronomie, sagte Drosten. Die Infektionen hätten sich in England vorwiegend in den Impflücken abgespielt.

„Wenn wir jetzt so rechnen würden, wie sich das in England entwickelt hat, also mit einer ungefähren Verdoppelung pro Woche, dann hätten wir dieses spekulative Szenario: Dann lägen wir in dieser Woche schon bei 20 Prozent“, so Drosten. Anfang Juli wäre die Delta-Variante dann auch in Deutschland im Bereich der Dominanz. „Und wir müssten damit rechnen, dass Anfang Juli in Deutschland auch die Meldezahlen wieder hochgehen“, sagte der Virologe.

Das sei aber noch reine Spekulation und eine Hypothese. Deutschland habe noch Chancen, wenn es die Inzidenz in den nächsten Wochen weiter senken könne. „Was auch helfen könnte, sind die Schulferien. In England ging es in den Schulen los. Das ist ein deutlicher Unterschied“, stellte Drosten weiter klar. (ph/dpa)

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