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Virologe spricht über Evidenzen

Corona-Podcast: Drosten kritisiert wissenschaftliche Veröffentlichung mit drastischen Worten

  • Felix Durach
    vonFelix Durach
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In der neusten Ausgabe das Coronavirus-Update hat der Virologe Christian Drosten unter anderem scharfe Kritik an einem kürzlich veröffentlichten Papier geäußert.

  • Am Dienstag erschien die neuste Ausgabe des Podcasts das Coronavirus*-Update mit dem Virologen Prof. Dr. Christian Drosten.
  • Dort sprach der 48-Jährige unter anderem über ein veröffentlichtes Papier, welches Kritik an den Corona-Maßnahmen in Deutschland äußerte.
  • Drosten sieht bei der polarisiereden Veröffentlichung grobe Fehler.

Hamburg - Auch an diesem Dienstag veröffentlichte der NDR wieder eine neue Folge des Podcasts „Das Coronavirus-Update“ mit dem Virologen Prof. Dr. Christian Drosten. In der aktuellen Folge wollten der Virologe und seine Podcast-Partnerin - die Wissenschaftsredakteurin Korinna Hennig - über die immer lauter werdende Kritik an den Corona-Maßnahmen* der deutschen Regierung sprechen. Zu Beginn des Podcasts ging Drosten dabei auf eine neue Veröffentlichung ein, die vor allem im Netz in den vergangenen Tagen polarisiert hatte.

Coronavirus-Podcast: Drosten rechnet mit wissenschaftlicher Veröffentlichung ab - „polemisch und emotional“

Unter der Überschrift „Covid-19: Wo ist die Evidenz?“ veröffentlichte das Deutsche Netzwerk für Evidenzbasierte Medizin eine Stellungnahme, die sich unter anderem mit der Gefährlichkeit von Covid-19 und dem Nutzen der Interventionen beschäftigte. Bereits im Vorfeld des Podcasts bezeichnete Drosten die Veröffentlichung in einem Tweet als „polemisch und emotional“ und gab an, dass sie seiner Einschätzung nach sicherlich nicht evidenzbasiert sei.

Im Podcast-Gespräch konnte Drosten seine Kritik an dem Papier dann noch weiter ausführen. Der Hauptkritikpunkt des 48-Jährigen: „Da werden Argumente wieder hervorgeholt, von denen ich eigentlich dachte, dass die in Deutschland schon diskutiert worden wären im späten Frühjahr.“ So beispielsweise auch die Behauptung, die Reproduktionszahl* habe bereits vor dem Lockdown den kritischen Wert von 1 unterstrichen und die daraus abgeleitete Schlussfolgerung: Der Lockdown sei nicht nötig gewesen.

Coronavirus: Drosten im Podcast über Lockdown-Kritik - „Das ist doch eigentlich schon diskutiert worden“

„Das ist doch eigentlich schon diskutiert worden“, sagt Drosten und erläutert, dass Mobilitätsdaten vorliegen, die zeigen, dass sich die Mobilität in der Bevölkerung schon vor dem Lockdown in der ersten Märzhälfte enorm eingeschränkt hatte. Auch das Verbot der Großveranstaltungen sei vor dem Sinken der R-Zahl erfolgt, so Drosten weiter. Darüber hinaus weist der Virologe auch erneut darauf hin, dass die Reproduktionszahl lediglich eine Kennziffer sein, die einen Trend widerspiegeln solle. Dass der Trend schon früher nach unten gezeigt habe, sei demnach nur logisch.

Die ganze Argumentation sei eine Abweisung von wissenschaftlichen Prinzipien und dass von einer Gesellschaft, die sich für evidenzbasierte Medizin ausspreche, wundert sich der 48-Jährige über die vorgebrachten Argumente. So komme es Drosten auch komisch vor, dass die Autoren des Papiers nicht angeben sind. Das sei normalerweise Usus, da die Wissenschaftler sich für ihre Publikationen zu verantworten hätten.

Coronavirus-Podcast: Drosten sauer über unsaubere Wissenschaftler - „Evidenz wird einfach ignoriert“

Ein zweites Argument, auf das Drosten Bezug nimmt ist die Tatsache, dass der Anteil der Todesfälle im Vergleich zur Gesamtzahl der Infizierten sehr gering sei. Daraus könnte man folgern, dass Covid-19 weniger gefährlich sei als angenommen und vor allem eine Bedrohung für ältere Menschen darstelle. Die Pandemie sei ein gesellschaftsweites Problem, argumentiert Drosten. Man könne die Alten und die Jungen nicht einfach voneinander trennen.

„Es wird in diesem Papier über eine Infektionssterblichkeit diskutiert rückblickend über die letzten vier Wochen. Das ist ein Widerspruch in sich.“ Man könne in diesem Zeitpunkt nicht von einer Infektionssterblichkeit reden, so der Virologe. Darüber hinaus würde das besagte Papier Forschungserkenntnisse schlicht ignorieren: „Es wird in dem Papier ganz viel an jetzt bestehender Evidenz einfach ignoriert.“

Coronavirus: Wie hoch ist die Sterblichkeitsrate wirklich? „Darüber gibt es wenig zu diskutieren"

Drosten bezieht sich dabei auf zwei repräsentative Studien, welche das Geschehen in Spanien und England untersucht hätte. Diese Studien, die anders als die Meldedaten von Störfaktoren bereinigt wurden, zeigen, dass die Infektionssterblichkeit in England bei 0,9 Prozent und in Spanien bei 0,83 Prozent liegt. „Darüber gibt es wenig zu argumentieren“, so Drosten und kritisiert erneut den Bezug auf die letzten vier Wochen.

Man habe es geschafft die pandemische Lage unter Kontrolle zu bringen* und das sei gut so. Aber man dürfe jetzt nicht so tun, als sei das alles eine Halluzination gewesen und den Blick ins Ausland verweigern. „Da jetzt immer mit diesen destruktiven Botschaften zu kommen und zu suggerieren, das wäre doch alles nicht nötig gewesen ist genauso intelligent, wie in dieser schönen Spätsommerwoche zu sagen: Es regnet doch gar nicht, was machen wir uns denn Sorgen über den Herbst“, schließt Drosten den Themenblock. Seine Podcast-Kollegin Hennig kann sich bei diesem Vergleich nur schwer ein Lachen verkneife. (fd) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler

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