Symbolbild zu den weiter steigenden Infektionszahlen in Deutschland und Europa.
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Corona und Zahlen: Auf die Menschen im Land prasseln viele unterschiedliche Daten ein. Das führt mitunter zu Verunsicherung - und Vorwürfen, die völlig unhaltbar sind.

Auch wir arbeiten mit den Karten

ARD-Tagesschau für Corona-Grafiken in der Kritik: Das steckt hinter der veränderten Darstellung

  • Andreas Schmid
    vonAndreas Schmid
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Manipuliert die Tagesschau Corona-Grafiken, um die Infektionslage dramatischer darzustellen? Was steckt dahinter? Und wie sieht die Situation bei unseren Karten aus?

München -Die Tagesschau sieht sich mit dem Vorwurf der Manipulation konfrontiert. Corona-Grafiken würden verfälscht werden, hieß es zuletzt in sozialen Medien. Doch diese Unterstellung ist grob falsch. Auch wir verwenden entsprechende Grafiken, wie sieht die Lage bei unseren Abbildungen aus?

Corona: Grafiken der Tagesschau - Inzidenz-Karten im Fokus

Grund für den digital geäußerten Unmut sind zwei auf Instagram veröffentlichte Abbildungen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz der deutschen Stadt- und Landkreise abgebildet ist. Eine Grafik stammt vom 17. März 2021, die andere vom 7. April 2021. Beide Karten bilden die Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen ab, unterscheiden sich allerdings in ihrer Farbwahl.

Die April-Grafik ist deutlich dunkler eingefärbt als die aus dem Vormonat. Auf Twitter las man daraufhin Vorwürfe wie diese: „Wen wollen die eigentlich für dumm verkaufen? Achtet auf die Farbskala und die dazugehörigen Inzidenzwerte. So schnell kann eine Grafik manipuliert werden...“ Mit verfremdeten Inhalten hat dies allerdings nichts zu tun.

Corona-Grafiken: Unterschiedliche Farbtöne - Anpassung der Klassen geändert

Stattdessen begründet sich die unterschiedliche Darstellung in einer Anpassung im Laufe der Pandemie. Da die Inzidenz stark gestiegen ist, wurden die geltenden Parameter verändert. In der ersten Version hatte die höchsten Wert eine Inzidenz von mehr als 50 inne. Mittlerweile gibt es allerdings auch eine Unterteilung in 50-100, 100-200 und mehr als 200. Die ursprüngliche Inzidenz von 50 behielt ihren Farbton bei. Die neuen Klassen wurden in dunklerem Rot dargestellt.

Hätte es diese Anpassung nicht gegeben, wären die einzelnen Stadt- und Landkreise nur schwer miteinander vergleichbar gewesen. Denn immer mehr Kreise rangieren mittlerweile über der 50er-Marke. Bundesweit liegt die Inzidenz bei 140,9 (Stand: 13. April). Die Kritik begründet sich bei der Tagesschau unterdessen auch damit, dass es in unterschiedlichen Ausspielungskanälen - Fernsehen und Internet - unterschiedliche Grafiken zu sehen gab, wie die ARD-Faktenfinder erklären. Dahingehend teilt die Chefredaktion von ARD-aktuell mit: „Es tut uns leid, wenn die Verwendung der unterschiedlichen Grafiken zu Missverständnissen oder Irritationen geführt hat.“

Corona-Grafiken: Keine Manipulation - Hinweise zu unseren Abbildungen

Insgesamt kann von einer gezielten Bearbeitung oder einer Manipulation letztlich aber keine Rede sein - ähnlich wie beim ungerechtfertigten Vorwurf, die ARD verfälsche Wetterkarten. Wie viele Redaktionen in Deutschland verwendet die Tagesschau Grafiken und Abbildungen, um das Infektionsgeschehen im Land sichtbar zu machen. Auch wir greifen auf entsprechende Abbildungen zurück. Auch bei unseren Daten wurde die Farbeinstufung im Laufe der Pandemie verändert. So können wir Ihnen ein vergleichbares Bild der Infektionslage in Deutschland, wie auch gezielt in Bayern zeigen.

Aus Seiten der Wissenschaft gab es dahingehend immer mal wieder kritische Stimmen, wonach das reine Aufbereiten von (weltweiten) Infektionszahlen einer Sportberichterstattung ähnele („welches Land hat aktuell die meisten Fälle?“) und bisweilen zu sehr auf die nackten Daten als die Hintergründe verwiesen wird. Wir versuchen, Ihnen stets ein ausgewogenes Bild der Zahlen zeigen, wissen gleichzeitig aber auch um die möglichen Probleme hinter dieser Datenberichterstattung. Das Daten-/Interaktiv-Team des Ippen-Digital-Netzwerks stellt zudem aktuelle Zahlen zur Auslastung der Intensivbetten und zu den Impfquoten in Deutschlands Bundesländern bereit. Wir bauen dieses Angebot permanent für sie aus. Melden Sie sich gerne mit Ihren Anregungen. Auch nach über einem Jahr ist die Entwicklung bei Daten und Forschung weiterhin rasant. (as)

Transparenz: Unsere Daten, Quellen und Methoden

Grundlegende Datenbasis für die interaktiven Elemente in diesem Artikel ist das Robert Koch-Institut. Dieses stellt eine Schnittstelle mit umfassenden Coronadaten zur Verfügung. Wir filtern und integrieren diese automatisiert und insbesondere jeweils um Mitternacht. Ebenso aktualisieren wir regelmäßig automatisiert die Karte. Die Daten können naturgemäß immer nur so aktuell sein, wie sie die Behörden bereitstellen. So entsteht beispielsweise im Vorfeld immer ein Verzug ab Auftreten der Infektion bis zur finalen Meldung an das RKI. Auch wenn einzelne Landesämter oft schneller sind: das RKI bleibt aus unserer Sicht die bundesweit einheitliche offizielle Quelle für Einwohner und Politik für die Einschätzung des aktuellen Infektionsgeschehens. Die Daten der Intensivbettenauslastung beziehen wir vom DIVI-Intensivregister. Diese integrieren wir, ebenfalls automatisiert, in unsere Datenelemente wie die Karte.

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