Nach USA, Russland und China

Erste Impflotterie in Deutschland startet - Hauptgewinn in Höhe von 1,15 Millionen Euro möglich

  • Christina Denk
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Millionengewinne, Autos und Urlaubsreisen: In Ländern, wie den USA, boomt die Impflotterie bereits. Nun ist auch in Deutschland die erste Verlosung für Geimpfte gestartet. Über eine Million zählt der Hauptgewinn.

Hamburg - Millionengewinne für die Corona-Impfung? Das gab es bislang vor allem im Ausland. Unter anderem die USA, Russland und China setzten auf verschiedenste Gewinne, um die Menschen zum Impfen zu bewegen. Nun ist es offenbar auch in Deutschland so weit. Der Online-Lottoanbieter Lotto24 kündigte an, Millionengewinne an Geimpfte zu verlosen. Kritik kommt von Suchtforschern.

Impflotterie in Deutschland: Bis zu 1,15 Millionen Euro für den Pieks

1,15 Millionen Euro: So hoch ist der erste Preis in Deutschlands erster Impflotterie. „Mit dem Hauptgewinn der Soziallotterie freiheit+ winken eine monatliche Auszahlung von 5000 Euro für 15 Jahre und ein Sofortgewinn von 250.000 Euro“, so die Lotterie. Insgesamt will Lotto24 zwei Millionen Gratis-Tipps verteilen. Gespielt wird nicht 6 aus 49, sondern 7 aus 35. Die Chance auf den Hauptgewinn soll hier laut dem Veranstalter 21-mal höher sein, als bei den üblichen 6 aus 49. Ein Gratis-Tipp bedeutet ein geschenktes Feld. Weitere Felder, die die Gewinnchancen erhöhen, können hinzugekauft werden, so Lotto24.

Teilnehmen kann jeder Erwachsene, der bis zum 30. September mindestens einmal geimpft ist. Auch Personen, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen können, haben die Möglichkeit teilzunehmen. „Jede Impfung ist bereits ein Gewinn, denn sie bringt uns einem Alltag ohne Einschränkungen durch die Pandemie ein großes Stück näher. Wir möchten einen Teil dazu beitragen, dass sich jede Impfung noch mehr auszahlt – mit etwas Glück sogar in barer Münze“, so Lotto24.

Mobile Impfbusse sollen Impfangebote erleichtern. Nun hat Deutschland auch eine erste Impflotterie.

Impflotterie in Deutschland: Suchtexperten sind kritisch - Doch das Risiko ist wohl gering

Kritisch sieht die Aktion die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig: „Impfen ist unser Weg raus aus der Pandemie, gar keine Frage. Aber jetzt alles was geht als Anreiz für den Piks anzubieten halte ich für schwierig.“ Sie setze lieber auf Überzeugungsarbeit und niedrigschwellige Impfangebote, so die Politikerin gegenüber den Funke-Zeitungen.

Auch Sucht-Experten, wie Verena Küpperbusch, Suchtexpertin für Glücksspielsucht NRW, sind skeptisch. „Ich finde es fragwürdig, wenn ein Angebot mit einem gewissen Suchtpotenzial mit der Impfung verbunden wird“, sagte sie gegenüber der Funke-Mediengruppe. Sie halte das Suchtrisiko dennoch für gering. Die Zielgruppe der Impflotterie sei aktuell primär junge Menschen. Bei Lotto gelten vor allem ältere Personen als suchtgefährdet. „Die Suchtgefahr bei einem einmaligen Freilos und einer Ziehung pro Woche ist als gering einzustufen. Es wird dadurch niemand impflotteriesüchtig werden.“, so auch Tobias Hayer, Bremer Suchtforscher.

Vorbild USA in der Impf-Lotterie: Mit Joints, Stipendien und Millionengewinnen zur Impfung

In anderen Ländern, wie den USA, ist die Impflotterie bereits seit einiger Zeit ein beliebter Anreiz, um die Impfquote nach oben zu treiben. Die Gewinne sind durchaus kreativ. Am beliebtesten scheinen jedoch immer noch die Geld-Preise zu sein. So konnten Bewohner des Bundesstaates Ohio wöchentlich eine Million Euro in einer Lotterie gewinnen. In New York standen sogar Höchstgewinne von bis zu fünf Millionen Dollar auf dem Spiel. Mittlerweile ist die Stadt dazu übergegangen die Preise an Eltern von 12- bis 17-Jährigen zu richten. Sie können bei einer Impfung ihres Kindes eines von 50 Vollstipendien für ein College oder eine Universität im Bundesstaat gewinnen.

West-Virgina setzte in der Auswahl der Gewinne noch einen drauf. Hier konnten Impfwillige Pick-up-Wagen, fünf Fischerei- und Jagdlizenzen auf Lebenszeit sowie zehn Jagdgewehre gewinnen. Geld- und Stipendien-Gewinne wanderten ebenfalls in den Lostopf.

In den USA kamen Bewohner auf sehr kreative Impf-Anreize. Aktivisten verteilten in New York, wie hier, Joints an Geimpfte.

Auch private Firmen und Unternehmen veranstalteten in der Vergangenheit immer wieder Los-Aktionen. Bei der Apothekenkette CVS konnten Geimpfte 100 einwöchige Kreuzfahrten in der Karibik oder Europa gewinnen. Aktivisten ließen es sich in New York nicht nehmen, Joints an die Geimpften zu verteilen. Und auch Amazon startete zunächst eine interne Lotterie mit Auto-, Reise- und Geldgutscheinen. Mittlerweile haben viele amerikanische Unternehmen jedoch eine Impfpflicht für ihre Mitarbeiter eingeführt. So auch jüngst die US-Armee.

Die USA und Deutschland stehen mit der Impf-Lotterie bei weitem nicht alleine da. Russland, China, Israel, Indien oder auch Australien: Sie alle haben verschiedenste Tombolas am Laufen. Hongkong versteigert gar eine nagelneue Wohnung in der Wirtschaftsmetropole, deren Wohnungsmarkt zu den teuersten der Welt zählt. Das Ein-Zimmer-Apartment hat einen Wert von umgerechnet etwa 1,14 Millionen Euro. (chd/AFP)

Rubriklistenbild: © Martin Dziadek/Imago

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