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Jeder zehnte Covid-Patient in der Klinik ist geimpft - Intensivmediziner erklärt Lage

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Corona in Deutschland: Die meisten Covid-Patienten auf der Intensivstation sind ungeimpft (Symbolfoto).2021 , DU Duisburg , Intensivstation - Reportage im Johanniter Krankenhaus am Kreuzacker 1-7 in Rheinhausen. Blick
Corona in Deutschland: Die meisten Covid-Patienten auf der Intensivstation sind ungeimpft (Symbolfoto). © Christoph Reichwein (CREI)/imago

Gegen Covid-19 bieten Impfungen einen sehr guten Schutz. Doch auch Geimpfte können an Corona erkranken. Einige müssen im Krankenhaus auch auf der Intensivstation behandelt werden.

Berlin - In Deutschland werden derzeit 606 Covid-19-Patienten auf einer Intensivstation versorgt. Davon müssen 289 künstlich beatmet werden. Das geht aus den Daten des DIVI-Intensivregisters hervor (Stand: 19. August, 11.23 Uhr). Am Vortag waren es demnach 595 Covid-Patienten auf den Intensivstationen in Deutschland. Seit Ende Juli steigen die Zahlen.

Covid trotz Impfung? DIVI Intensivmediziner legt Zahlen vor

Die meisten Covid-Kranken in deutschen Kliniken haben keine Corona-Impfung*. Jeder zehnte Corona-Patient ist nach Angaben von Intensivmedizinern trotz Impfung erkrankt.

„Aktuell haben wir in Nordrhein-Westfalen 12 bis 13 Prozent der Covid-Patienten in den Kliniken mit Impfschutz. Diese Quote dürfte auch der bundesweiten Quote entsprechen“, sagte der Kölner Intensivmediziner Christian Karagiannidis von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) der Funke Mediengruppe. Die Mehrzahl werde auf den Normalstationen behandelt, einzelne Fälle gebe es aber auch auf den Intensivstationen. „Hier liegt die Zahl derzeit im unteren einstelligen Bereich.“

Trotz vollständiger Impfung wirken die Corona-Impfstoffe gegen das Coronavirus* nicht zu 100 Prozent. Doch bietet eine Impfung auch gegen die hochansteckende Delta-Variante einen guten Schutz vor einem schweren Verlauf der Krankheit. Darin ist sich die Wissenschaft einig. Warum sich Menschen trotz einer Impfung mit Corona infizieren, kann unterschiedliche Gründe haben.

Coronavirus: Jeder zehnte Covid-Patient in der Klinik ist geimpft - Mediziner spricht über Gründe

Bei den stationär behandelten Menschen mit Impfdurchbrüchen handele es sich nach seiner Erfahrung etwa um Patienten mit eingeschränkter Immunantwort, etwa als Folge einer medikamentösen Dämpfung des Immunsystems. Wichtig sei, dass jetzt insbesondere den Patienten, die ein gedämpftes Immunsystem hätten, eine dritte Impfung als Booster angeboten werde, erklärte der Intensivmediziner Karagiannidis.

„Wir müssen mehr impfen“, schreibt Karagiannidis am 17. August auf Twitter. Die Inzidenzen sind seiner Ansicht ein Grund zur Sorge. Der Intensivmediziner warnt vor mehr Patienten im Herbst.

„Aktuelle Intensivbelegung mit COVID19: vor 2 Wochen waren wir bei etwa 350 Patienten, heute bei 574. Fast alle sind Erstaufnahmen. Das Alter der Patienten sinkt. Kapazitäten sind ausreichend vorhanden, aber wir müssen mehr impfen. Inzidenzen bleiben an die Belegung gekoppelt“, twittert Karagiannidis.

Corona-Inzidenz in Deutschland steigt weiter an

Die Inzidenz in Deutschland geht momentan weiter nach oben. Am Donnerstagmorgen liegt der Wert bei 44,2. Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen. Angesichts der Impfquote sei der Wert allein zu wenig aussagekräftig, so die Kritik. Krankenhauseinweisungen sollten in Zukunft stärker berücksichtigt werden. In der Debatte um die Bedeutung von steigenden Inzidenzen wird Karagiannidis deutlich „die Inzidenz ist an Einweisungen in das Krankenhaus gekoppelt.“ In der Corona-Pandemie in Deutschland bleibe die Inzidenz seiner Meinung nach ein wichtiger Wert zur Verlaufseinschätzung im Herbst und Winter.

Karagiannidis kündigte zudem an, dass das DIVI-Intensivregister künftig auch Angaben über den Impfstatus der Covid-Patienten auf den Intensivstationen erheben und veröffentlichen werde. (ml/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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