Hoffnungsträger in der Corona-Krise: Impfungen
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Hoffnungsträger in der Corona-Krise: Impfungen

Wäre es schneller möglich?

„Wir verschwenden Tausende Impfdosen“: Ärztin hat Idee für höheres Tempo - es gibt jedoch ein Problem

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Die Impfungen gegen das Coronavirus kommen in Deutschland deutlich schneller voran. Einer Ärztin aus Baden-Württemberg geht es aber nicht schnell genug. Sie macht einen Impf-Vorschlag - es gibt einen Haken.

München/Stuttgart - Es geht voran mit den Impfungen gegen Covid-19 in Deutschland. Am Dienstag, 4. Mai, wurden laut Impfdashboard des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts (RKI) 813.290 weitere Impfdosen gegen das heimtückische Coronavirus verabreicht. Damit hatten zu diesem Zeitpunkt mindestens 29,5 Prozent der Bevölkerung eine Erstimpfung erhalten. Die Zahl der insgesamt verabreichten Impfdosen stieg auf 31.468.712.

Es geht also voran im zweiten Quartal 2021, wie von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt. Doch es könnte noch deutlich schneller gehen. Dieser Meinung ist zumindest eine Medizinerin aus dem Raum Stuttgart in Baden-Württemberg. Davon berichtet der SWR und macht den Namen der Ärztin unkenntlich, dem Bericht zufolge wegen rechtlicher Bedenken zwecks ihres Vorschlages zum Impfen gegen Corona.

Impfungen gegen das Coronavirus in Deutschland: Wäre noch mehr möglich?

Konkret schlägt die Medizinerin vor, aus einer Ampulle Biontech sieben statt bislang sechs Impfdosen zu verspritzen. Aus einem Fläschchen Astrazeneca-Vakzin könnten ihrer Meinung nach elf statt bisher zehn Dosen verspritzt werden. „Das geht, wenn man es geschickt macht“, wird sie im Bericht des Südwestrundfunks zitiert: „Wir verschwenden Tausende von Impfdosen.“

Corona-Impfungen in Deutschland:Stand 4. Mai 2021:
bislang verabreichte Impfdosen:31.468.712
mindestens mit Erstimpfung:29,5 Prozent der Gesamtbevölkerung
vollständig geimpft:8,3 Prozent der Gesamtbevölkerung

Wenn man die Spritze sorgsam aufziehe oder spezielle Spritzen verwenden, sei pro Ampulle eine weitere Dosis möglich, erklärt die Ärztin, die laut SWR in ihrer Praxis Patienten gegen das Coronavirus impft. „Wo immer es geht, ziehen wir eine Dosis mehr. Selbstverständlich halten wir uns bei jeder Impfung immer an die vorgeschriebene Menge Wirkstoff,“ erzählt sie und fordert: „Wir müssen jede Chance nutzen, die dritte Corona-Welle herunterzubringen.“

Impfungen gegen das Coronavirus in Deutschland: Mehr Dosen aus Ampullen von Biontech und Astrazeneca?

Es gibt jedoch ein rechtliches Problem, zumindest in Baden-Württemberg. Es geht um die Haftung. Auch hier sind die Regeln von Bundesland zu Bundesland offenbar unterschiedlich. „Es wäre schön, wenn das von oben freigegeben und haftungsrechtlich abgedeckt wäre“, sagt sie mit Blick auf die Ausgangslage im Südwesten.

In der Tat: Auch die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) spricht sich dafür aus, gegebenenfalls mehr Dosen aus vorhandenen Impfstoff-Fläschchen zu verspritzen.

Das Problem sei aber: „Wenn Ärztinnen und Ärzte mehr als die vom Hersteller pro Ampulle festgelegten Impfdosen verwenden, müssen sie selbst die Verantwortung übernehmen“, erklärt KVBW-Pressesprecher Kai Sonntag dem SWR. Der KVBW-Sprecher fordert eine Festlegung auf Landes- oder Bundesebene. Ein Satz in der Impfverordnung würde genügen, meint er. Zur Frage einer möglichen Haftung erklärte das Sozialministerium Baden-Württemberg laut SWR: „Diese Frage würde sich nur in dem Moment stellen, in dem es zu Impfschäden kommt.“

Impfungen gegen das Coronavirus in Deutschland: Rheinland-Pfalz empfiehlt mehr Dosen Biontech

Etwas nördlicher sieht das schon anders aus. So empfiehlt etwa das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium eine siebte Dosis Biontech pro Ampulle und eine elfte Dosis von Astrazeneca. „Wenn die Entnahme der zusätzlichen Dosis vollständig und partikelfrei möglich ist. Dadurch wird die notwendige Rechtssicherheit für die Ärztinnen und Ärzte geschaffen.“

Eine solche Sicherheit gibt es offenbar aber nicht überall in Deutschland. Weswegen erstmal noch mehr Corona-Impfungen auf der Strecke bleiben? (pm)

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