Spanien: Medizinische Mitarbeiter behandeln auf der Intensivstation des Severo Ochoa-Krankenhauses in Leganes einen Patienten, der mit dem Coronavirus infiziert ist. (Symbolfoto)
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Spanien: Medizinische Mitarbeiter behandeln auf der Intensivstation des Severo Ochoa-Krankenhauses in Leganes einen Patienten, der mit dem Coronavirus infiziert ist. (Symbolfoto)

Sorgen nicht nur um Ältere

Corona-Front: Arzt aus deutscher Klinik gewährt beunruhigende Einblicke - „Da hat das Virus freie Bahn“

  • Patrick Mayer
    vonPatrick Mayer
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Kampf gegen das heimtückische Coronavirus: Der Arzt einer deutschen Corona-Isolierstation erwartet in den nächsten Wochen schwere Covid-19-Krankheitsverläufe. Und nicht nur das.

München/Darmstadt - Wie ist die Lage auf deutschen Intensivstationen in der Corona-Pandemie? Es ist eine viel bemühte Frage in den Debatten rund um die heimtückische Lungenkrankheit Covid-19 und die daraus resultierenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens.

Coronavirus in Deutschland: Arzt von Corona-Isolierstation berichtet von seiner Arbeit

Der Arzt einer deutschen Corona-Isolierstation gewährt nun tiefe Einblicke in den Kampf gegen das Coronavirus an vorderster Front. Er warnt vor deutlich mehr schweren Krankheitsverläufen und erzählt, wie ausgelastet seine Station jetzt schon ist.

„Vor etwa vier Wochen haben wir bemerkt, dass sich etwas verändert. Plötzlich kamen immer mehr Patienten zu uns und die zwei Notfallzimmer, die wir in den Sommermonaten für Corona-Patienten freigehalten hatten, reichten nicht mehr aus. Wir mussten den Covid-Bereich deshalb wieder vergrößern“, erklärt Cihan Çelik vom Klinikum Darmstadt im Interview FOCUS Online: „Unsere Station ist momentan wieder so organisiert wie im April. Und ich sehe die nächsten Wochen sehr intensiv vor mir.“

Coronavirus in Deutschland: Darmstädter Arzt macht sich wegen steigenden Corona-Neuinfektionen Sorgen

Es sei äußerst bedenklich, meint Çelik, dass die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in Hessen und Deutschland inzwischen höher sei als zur Hochphase der Pandemie im April. „Und das liegt nicht nur daran, dass wir mehr testen, denn auch die Positivquote aller Tests steigt deutlich an. Insofern glaube ich schon, dass wir von einer zweiten Welle sprechen müssen“, sagt der Darmstädter Mediziner FOCUS Online.

In den Sommermonaten seien die Patienten deutlich jünger gewesen, und die Zahl der Intensivaufnahmen deshalb geringer, erklärt er weiter: „Und das Alter ist ganz entscheidend dafür, ob die Symptome so schwer werden, dass eine Behandlung im Krankenhaus notwendig wird.“

Corona-Pandemie in Deutschland: Deutscher Arzt berichtet von schweren Covid-19-Verläufen

Çelik räumt ferner mit dem Vorurteil auf, wonach hauptsächlich sehr alte Patienten unter einer Erkrankung leiden würden.

„Auch in der Gruppe der unter 35-Jährigen hatten wir zum Teil schwere Krankheitsverläufe. Vor allem dann, wenn die Betroffenen an Vorerkrankungen wie massivem Übergewicht oder Diabetes leiden. Dann hat das Virus quasi freie Bahn in der Lunge“, erzählt er: „Wir mussten die Patienten trotz ihres jungen Alters teilweise mit sehr viel Sauerstoff versorgen. Jetzt ändert sich die Altersstruktur unserer Covid-Patienten aber wieder. Und das bereitet mir Sorgen.“

Das Coronavirus treffe wieder mehr ältere Menschen und werde dadurch tendenziell gefährlicher, so Çelik: „Für uns bedeutet das, dass wir uns in den nächsten zwei Wochen auf eine deutlich steigende Anzahl schwerwiegender Covid-Fälle einstellen müssen.“

Corona-Pandemie in Deutschland: Oft zweite schlimme Diagnose neben Covid-19

Der Arzt berichtet von einer weiteren ihn belastenden Erkenntnis der vergangenen Wochen und Monate. „Wir erleben immer mehr positive Patienten, die kaum mit Covid-Symptomen, sondern beispielsweise mit einer allgemeinen Schwäche zu kämpfen haben“, erklärt er: „Oft stellt sich dann heraus, dass sie neben Covid-19 noch eine ganz andere schwerwiegende Erkrankung haben. Die Betroffenen bekommen dann auf einen Schlag zwei schlimme Diagnosen. Das ist ein heftiger Schlag für die Patienten – und auch nicht leicht für mich als Arzt.“ (pm)

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