Kawasaki-ähnliches PIMS

Corona-Folgekrankheit bei Kindern: Fälle häufen sich auch in Deutschland

  • vonMayls Majurani
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Zuerst trat sie in Großbritannien auf, nun häufen sich auch die Fälle in Deutschland. 195 Kinder erkrankten bereits an PIMS. Todesfälle gab es zum Glück noch keine.

München - Für Kinder und Jugendliche ist eine Corona-Infektion meist ungefährlich. Ein schwerer Krankheitsverlauf entwickelt sich selten, viele überstehen eine Ansteckung sogar ohne Symptome. Nun häufen sich aber vor allem in Großbritannien Meldungen über eine Folgeerkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Laut Guardian erkranken momentan jede Woche bis zu 100 Kinder.

MIS-C heißt dieses neuartige Krankheitsbild, auf deutsch etwa: Multisystemisches Entzündungssyndrom bei Kindern. Auch PIMS (Paediatric inflammatory multisystem syndrome) ist eine gängige Bezeichnung. Rund 70 Prozent der Erkrankten müssen intensivmedizinisch behandelt werden. Auch in Deutschland sind schon dutzende Fälle bekannt, bestätigt das Gesundheitsministerium auf Anfrage von merkur.de.

Corona-Folgeerkrankung PIMS: Syndrom tritt bei zwei von 100.000 Menschen unter 21 Jahren auf

62 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind bisher schon an PIMS erkrankt, teilt eine Ministeriumssprecherin mit. Allerdings steht diese Zahl in Zusammenhang mit 983 erfassten stationären Covid-19-Fällen. Heißt: Von 983 Kindern und Jugendlichen, die wegen Corona im Krankenhaus lagen, erkrankten 62 an PIMS (Stand: 7. Februar). Das entspricht 6,3 Prozent. Laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) gibt es in Deutschland bereits 195 Fälle (Stand: 22. Februar). Laut verschiedenen Medienberichten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung bei Menschen unter 21 Jahren im Allgemeinen bei zwei von 100.000.

Wie viele Kinder tatsächlich erkranken, beziehungsweise wie hoch der Anteil in Wahrheit ist, ist aber nur schwer zu ermitteln. Die Krankheit ist nämlich nicht meldepflichtig, somit werden die Daten auch nicht gemäß Infektionsschutzgesetz erfasst, informieren sowohl Gesundheitsministerium, als auch das Münchner Gesundheitsreferat. „Eine Hochrechnung dieser Zahl (62 von 983 Fällen, Anm. d. Red.) auf die Gesamtbevölkerung im Kindes- und Jugendalter in Deutschland wäre mit großen Unsicherheiten behaftet“, heißt es im Schreiben des Ministeriums weiter.

Sars-Cov-2-Infektion: Zwei bis vier Wochen danach kann PIMS auftreten

Die Liste der Krankheitssymptome ist lang. Sie reicht von Fieber und Bauchschmerzen bis hin zu Entzündungen des Herzbeutels oder der Herzklappen. Sie ähneln der Symptomen des Kawasaki-Syndroms. Allerdings verläuft MIS-C wohl schwerer und die betroffenen Kinder und Jugendlichen sind älter. Außerdem sind die Ursachen einer Erkrankung am Kawasaki-Syndrom unklar. Bei MIS-C geht die Weltgesundheitsorganisation WHO von einer Sars-Cov-2-Infektion im Vorfeld aus. Zwei bis vier Wochen später treten die Syndrome dann auf. Allerdings ist dieser Zusammenhang noch nicht ausreichend untersucht.

Laut dem Guardian sind zwei Drittel der Fälle in Großbritannien Jungen im Durchschnittsalter von elf Jahren - meist ohne Vorerkrankungen. Laut DGPI, auf die das Ministerium verweist, müssen rund 70 Prozent der Erkrankten intensivmedizinisch behandelt werden.

Einige Krankheitssymptome laut dem Gesundheitsreferat München:

anhaltendes Fieber

Müdigkeit

erhöhte Entzündungsmarker

Multiorganbeteiligung

Behandlung von Corona-Folgeerkrankung: Noch kein PIMS-Todesfall in Deutschland bekannt

Die Behandlung der Krankheit sei vergleichbar mit der beim Kawasaki-Syndrom, erklärt eine Sprecherin des Gesundheitsreferats Anfrage von merkur.de. „Aber insbesondere die symptomatische Therapie richtet sich nach den befallenen Organsystemen. Ansonsten steht die antiinflammatorische Behandlung im Vordergrund“, erklärt die Sprecherin. Heißt: Die Entzündungen werden bekämpft. Offenbar mit Erfolg. Denn glücklicherweise ist in Deutschland noch kein Todesfall bekannt geworden. (ma)

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