Weihnachts-Lockerungen als Gefahr

Corona: Lockdown-Verlängerung in Deutschland unausweichlich? Experte mit eindeutiger Prognose

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Deutschland befindet sich derzeit in einem harten Corona-Lockdown. Laut Experten ist eine Verlängerung über den 10. Januar hinaus nötig, um die Lage in den Griff zu bekommen.

  • Das RKI hat am Dienstag, den 22. Dezember, einen Rekordwert bei der Inzidenz vermeldet.
  • Um die 7-Tage-Inzidenz unter den Wert von 50 zu drücken, fordern Experten eine Verlängerung des Corona-Lockdowns.
  • Professor Christian Hesse fürchtet, dass Weihnachten zum Superspreading-Event werden könnte.

Stuttgart - Seit dem 16. Dezember befindet sich Deutschland wieder in einem harten Corona-Lockdown. Wie bereits im Frühjahr mussten viele Geschäfte schließen. Die Gastronomie und Kulturveranstaltungen wurden bereits zuvor heruntergefahren. Kontakte sollen weitestgehend vermieden werden. In Bayern gilt eine nächtliche Ausgangssperre. Der Lockdown gilt zunächst bis zum 10. Januar. Doch bereits jetzt fordern viele Experten eine Verlängerung der harten Corona-Maßnahmen.

Corona-Lockdown in Deutschland: Professor Hesse bewertet aktuelle Zahlen

So auch Professor Christian Hesse. Er ist Leiter der Abteilung für Mathematische Statistik an der Universität Stuttgart. Geht es nach ihm, hätte der Corona-Lockdown bereits zehn Tage früher kommen sollen - am 6. Dezember. Umfragen hätten gezeigt, dass die mehrheitliche Akzeptanz in der Bevölkerung für strengere Maßnahmen bereits vorhanden gewesen sei, erklärte Hesse gegenüber Bild.

Der Professor zeigte auf, wie sich der harte Lockdown aus mathematischer Sicht auswirken könnte. Ein brauchbarer Indikator für die Wirkung ist laut Hesse der erste Lockdown aus dem Frühjahr. „Die Analyse dieser Daten und Berechnungen zeigt, dass die Zahl der Neuinfektionen noch einige Tage weiter ansteigen wird, bis kurz nach Weihnachten. Erst dann gibt es eine Trendumkehr“, erklärte der Mathematiker.

Experte fordert Verlängerung des Corona-Lockdowns in Deutschland

Rein rechnerisch dauere es etwa drei Wochen, bis sich die Zahl der Corona-Neuinfektionen halbiert. Weitere zwei Wochen später könnte ein Viertel des Ausgangsniveaus erreicht sein. „Dann sind wir zeitlich etwa beim 20. Januar“, so Hesse. „Den harten Lockdown muss man also auf jeden Fall bis zum 20. Januar aufrecht erhalten, um auf eine 7-Tage-Inzidenz von unter 50 zu kommen“, forderte der Professor.

Am 22. Dezember wurde vom RKI für Deutschland der Rekordwert von 197,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche vermeldet. Ein Ziel des aktuellen Lockdowns ist es, die 7-Tage-Inzidenz unter den Wert von 50 zu senken - also auf ein Viertel zu reduzieren. „Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass diese Reduktion bis zum 10. Januar erreicht sein wird“, sagte Hesse.

Corona in Deutschland: Hesse fürchtet Verschärfung der Lage durch Weihnachts-Lockerungen

Eine Gefahr sieht er in den Lockerungen der Maßnahmen über Weihnachten. Nach aktuellen Studien folge das Ausbreitungsverhalten des Coronavirus dem sogenannten Pareto-Gesetz, so Hesse. „Knapp 20 Prozent der Infizierten bewirken 80 Prozent der Ansteckungen.“ Um den Reproduktionsfaktor in der Corona-Pandemie zu senken, müssten daher Superspreader-Ereignisse vermieden werden.

„Ein globales Superspreading-Event wird in Deutschland aufgrund der erlaubten Lockerungen wohl Weihnachten sein“, fürchtet Hesse. „Selbst wenn jeder einzelne kurze Kontakt mit einem Infizierten nur mit geringer Wahrscheinlichkeit zu einer Ansteckung führt, wird es Weihnachten aufgrund von zig-Millionen Kontakten in Innenräumen aufgrund des Gesetzes der großen Zahl zu sehr zahlreichen Neuinfektionen kommen“, erklärte der Mathematiker. Dazu trage laut Hesse auch die „Wird-schon-gut-gehen“-Mentalität einiger Menschen bei. (ph)

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