Kritik an EU wegen Impfstart

Lauterbach warnt vor Corona-Mutation - und will härteres Lockdown-Ziel: „Langer Kraftakt“

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert vor dem Corona-Gipfel eine Verlängerung des Lockdowns in Deutschland. Dafür schlägt er einen neuen Ansatz vor.

  • Die aktuelle Corona-Lage in Deutschland sorgt wohl für eine Lockdown-Verlängerung.
  • Karl Lauterbach warnt vor der Virus-Mutation und schlägt einen neuen Lockdown-Ansatz vor.
  • Der SPD-Gesundheitsexperte fordert zudem eine „pragmatisch-intelligente“ Impfstrategie.

Berlin - Am Dienstag (5. Januar) treffen sich die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel zum nächsten Corona-Gipfel. Eine Verlängerung des Lockdowns scheint angesichts der aktuellen Infektionslage unausweichlich. Lediglich über die Länge der Maßnahmen dürfte noch diskutiert werden. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert nun einen neuen Ansatz. Für ihn braucht es eine Kombination aus zwei Mitteln.

Corona in Deutschland: Lauterbach fordert konsequenten und zeitlich unbegrenzten Lockdown

Um die Corona-Pandemie in Deutschland in den Griff zu bekommen, muss es einen konsequenten Lockdown geben, ist Lauterbach sicher. Die 7-Tage-Inzidenz müsse dadurch sogar auf einen Wert von 25 gedrückt werden, meint er - bislang ist der Inzidenzwert 50 die magische Zielmarke. Derzeit liegt die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 139,4, also weit entfernt von der Forderung des SPD-Gesundheitsexperten.

„Ein Inzidenzwert von 50 reicht nicht aus, weil wir es in Zukunft wahrscheinlich mit einer Virus-Variante zu tun haben werden, die wesentlich ansteckender ist als die bisher in Deutschland verbreitete“, warnte Lauterbach in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse. Man müsse davon ausgehen, dass sich die Variante in wenigen Wochen auch in Deutschland weit verbreiten könnte.

Lauterbach forderte daher einen neuen Ansatz bei der Verlängerung des Lockdowns. „Der Lockdown muss weitergehen und sollte nicht zeitlich befristet werden, sondern auf den Zielwert von 25 ausgerichtet werden“, so der Vorschlag des SPD-Gesundheitsexperten. „Er muss so lange gehen, bis das Ziel bei den Neuinfektionen erreicht ist. Dann können die Gesundheitsämter auch wieder die Kontrolle über die Entwicklung gewinnen.“ „Wir brauchen einen langen konsequenten Kraftakt, der die Lage gut kontrolliert“, erklärte Lauterbach zudem auf Twitter.

Corona in Deutschland: Lauterbach fordert „pragmatisch-intelligente“ Impfstrategie

Die zweite Forderung von Lauterbach ist eine „pragmatisch-intelligente“ Impfstrategie. „Wir sollten umdenken und uns damit abfinden, dass wir zunächst einmal nicht mehr Dosen von den Impfstoffen der Hersteller Biontech und Moderna haben“, sagte er. Eine vorgezogene Erstimpfung, wie beispielsweise in Großbritannien praktiziert, hielte der Experte für einen richtigen Schritt. In den nächsten zwölf Wochen gelte es, „so viele Menschen wie möglich mit der Erstimpfung zu versorgen“.

Zudem forderte Lauterbach die Prüfung einer schnellen Notfallzulassung des Impfstoffs von AstraZeneca. „Zur Not auch in Deutschland im Alleingang“, sagte er. Das Chaos zum Impfstart bezeichnete Lauterbach als enttäuschend und äußerte Kritik am Vorgehen der EU. Man hätte seiner Meinung nach mehr Corona-Impfstoff von Biontech und Moderna beschaffen müssen. „Die EU hätte meines Erachtens mehr ins Risiko gehen müssen, auch auf die Gefahr hin, dass man viel Geld in den Sand gesetzt hätte“, bilanzierte Lauterbach.

Corona in Deutschland: Lauterbach mit klarer Meinung zur Schul-Öffnung

Auch in der Diskussion um die Öffnung der Schulen nach dem 10. Januar hat der Experte eine klare Meinung. „Alle Schulklassen oberhalb der Grundschule sollten ohne Präsenzunterricht unterrichtet werden“, forderte Lauterbach. Lediglich die Grundschulen und Kitas könnten wieder öffnen. „Aber in der Grundschule sollte es auch keine Präsenzpflicht geben.“ Den Präsenzunterricht sollte man laut Lauterbach ab der fünften Klasse aussetzen, bis das Ziel bei den Corona-Neuinfektionen erreicht ist. (ph)

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