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Sommer wegen Corona-Mutation in Gefahr? Mediziner nennt Bedingung - und sorgt für Ernüchterung

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Von: Patrick Mayer

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Corona-Krise, August 2020: Voller Ostsee-Strand in Zingst auf dem Darß.
Corona-Krise, August 2020: Voller Ostsee-Strand in Zingst auf dem Darß. © IMAGO / Leo

Die Menschen in Deutschland bangen schon Ende Januar wegen des Coronavirus-Lockdowns und der Corona-Mutation um einen halbwegs normalen Sommer. Ein Mediziner verbreitet wenig Hoffnung.

Update vom 27. Januar, 16.50 Uhr: Ist ein weitgehend sorgenfreier und normaler Sommer wegen der Corona-Mutationen in Gefahr? Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité sprach zuletzt von einem möglichen Szenario mit bis zu 100.000 Neuinfektionen pro Tag - auch in der warmen Jahreszeit. Wie realistisch ist das? Und ist jetzt selbst der Sommer in Gefahr?

Corona-Mutationen in Deutschland: Gibt es trotz der Virus-Mutation B.1.1.7 einen normalen Sommer?

„Es geht ja um die Verbreitung der Virus-Mutation B.1.1.7. Man muss sagen, dass diese Mutation in Deutschland ja schon festgestellt wurde. Es geht jetzt vor allem darum, die Ausbreitung so lange wie möglich zu verzögern“, sagte der Intensivmediziner Prof. Gernot Marx bei Bild live: „Es (die Mutation, d. Red.) wird sich verbreiten, davon gehen wir alle aus. Es geht nur darum, die Geschwindigkeit zu verzögern. (...) Es ist wirklich ein Wettlauf mit der Zeit zwischen Impfung und Virus-Ausbreitung, insbesondere mit der Mutation.“

Jetzt gehe es auch darum, „wie wir den Sommer verbringen wollen“, sagte der Intensivmediziner von der Uniklinik RWTH Aachen: „Je disziplinierter wir jetzt sind, desto besser könnte unser Sommer oder zumindest Spätsommer werden. Wenn wir uns an letztes Jahr an die erste Welle erinnern: Da waren die Maßnahmen ja sehr, sehr effektiv und das hat ja dann dazu geführt, dass wir im Sommer so eine gewisse Lockerung vertreten konnten. Das haben wir alle sehr genossen.“

Je konsequenter sich die Bürger in den kommenden Wochen an die Corona-Regeln hielten, „desto weniger wahrscheinlich ist es, dass die Mutation sich schnell ausbreitet und schnell wieder zu hohen Infektionszahlen führt“, sagte Marx, „und uns dann wieder zu Maßnahmen zwingt, die dann eben wieder einen Lockdown bedeuten könnten“.

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Ist wegen der Corona-Mutanten der Sommer in Gefahr?

Erstmeldung vom 26. Januar: München/Hamburg - Statt langfristiger Hoffnungsschimmer gibt es Ende Januar in der Coronavirus-Pandemie in Deutschland weiter schlechte Nachrichten.

Mut machten sich viele Bürgerinnen und Bürgern mit der Hoffnung auf einen weitgehend normalen Sommer 2021 - trotz Corona-Krise. Schließlich gingen die Infektionszahlen im Sommer 2020 deutlich runter, weil die Menschen viel mehr draußen waren und Viren vielerlei Berichten zufolge in der Wärme eher Probleme haben, sich zu verbreiten.

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Christian Drosten befürchtet hohe Covid-19-Fallzahlen im Sommer

Aber: Besagte Hoffnung auf einen „normalen“ Sommer droht sich immer mehr zu zerschlagen - zumindest, wenn es nach manchen Virologen geht. „Ich fürchte, jetzt wird es eher so sein wie in Spanien, wo im Sommer die Fallzahlen nach Beendigung des Lockdowns schnell wieder gestiegen sind, obwohl es sehr heiß war“, sagte Christian Drosten von der Berliner Charité kürzlich dem Nachrichtenmagazin Spiegel.

Drosten gehört einer wissenschaftlichen Expertenrunde an, die die Bundesregierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) berät. Seine These, dass die Menschen in Deutschland im Sommer eben doch keine Normalität haben werden, erfährt nun Unterstützung.

Coronavirus-Lockdown in Deutschland: Hamburger Virologe - keine Normalität im Sommer 2021

„Wer sagt, wir haben spätestens im Sommer alles durchgestanden und die Immunität ist da, setzt unrealistische Ziele – und provoziert Frust“, sagte der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit im Interview mit dem Hamburger Abendblatt (26. Januar, hinter einer Bezahlschranke). Er glaubt demnach, dass es bis kommendes Jahr dauern wird, ehe Normalität einkehrt. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir 2022 nur noch sehr wenige Einschränkungen benötigen. Aber wir hätten schon sehr viel von unserem alten Leben zurückgewonnen, wenn die Kitas, Schulen, Läden wieder öffnen und die Vereine wieder Sport machen dürfen“, sagte er.

Corona-Pandemie in Deutschland: Virologe Schmidt-Chanasit rät zu Einsatz von Bundeswehr an Altersheimen

Und gab noch einen Ratschlag. Konkret fordert Schmidt-Chanasit, die Bundeswehr und das Technische Hilfswerk an Alters- und Pflegeheimen mit Teststationen einzusetzen. Damit könnten Angehörige und Besucher mehr getestet und Corona-Risikogruppen besser geschützt werden.

Schmidt-Chanasit: „Das kostet etwas, ist aber im Vergleich zu den milliardenschweren Überbrückungshilfen leistbar. Inzwischen haben wir so viele einfache und schnelle Testmöglichkeiten, dass wir nur noch negativ Getestete in gefährdete Bereiche lassen können: Dann sind Pflege- oder Altersheime sehr sicher.“ (pm)

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