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Erster Fall in Deutschland: Mann verstirbt nach zweiter Corona-Infektion - Experten vor Mutations-Rätsel

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Von: Michelle Brey

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In Baden-Württemberg ist ein Corona-Patient nach einer Reinfektion mit dem Virus gestorben. Bundesweit ist das der wohl erste Fall.

Update vom 21. Januar, 17.45 Uhr: Der Fall des 73-jährigen Mannes, der nach einer zweiten Corona-Infektion gestorben war, warf - insbesondere in Zusammenhang mit der Corona-Mutation - Fragen auf. Nicht zuletzt stammte der Mann aus dem Landkreis, in dem erstmals die neue Corona-Variante nachgewiesen worden war. Experten fanden jedoch keine Hinweise auf eine Infektion mit einer Mutation (siehe Erstmeldung).

Indes entwarnte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, hinsichtlich der Reinfektion des Mannes. „Das ist ein Ausnahmefall, nach dem ich keine Alarmglocken läuten lassen würde“, sagte Watzl gegenüber der dpa. Reinfektionen seien zwar selten. Sie zeigten aber auch, dass Infizierte bei einer Ersterkrankung nicht in allen Fällen eine ausreichende Immunität aufbauten und für eine weitere Ansteckung anfällig sein könnten. Das sei auch abhängig von der Schwere des Verlaufs der ersten Infektion.

Erster Fall in Deutschland: Mann verstirbt nach zweiter Corona-Infektion - Experten vor Mutations-Rätsel

Unsere Erstmeldung vom 21. Januar:

München / Stuttgart - Ein verschärfter Lockdown, hohe Neuinfektionszahlen, Beunruhigung wegen der Virus-Mutation in Deutschland: Die Sorgen während der Corona-Pandemie werden nicht kleiner. Jetzt sorgt ein Todesfall nach einer sogenannten Reinfektion mit dem Coronavirus für Aufsehen.

In Baden-Württemberg ist ein registrierter Corona-Patient nach einer zweiten Infektion mit dem Virus gestorben. Das geht aus einem Bericht des Rechercheverbunds von WDR, NDR und der SZ hervor. Am Mittwochabend (20. Januar) bestätigte das baden-württembergische Landesgesundheitsamt den Fall.

Corona in Deutschland: Patient stirbt nach erneuter Ansteckung mit dem Virus

Wie das Landesgesundheitsamt mitteilte, handele es sich um einen 73 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Freudenstadt. Im April 2020 sei erstmals eine Corona-Infektion bei ihm nachgewiesen worden. Ende Dezember 2020 habe sich der Mann erneut angesteckt. Dies sei dann Anfang Januar festgestellt worden. „Der Patient verstarb im weiteren Verlauf an einer Covid-19-Pneumonie (Lungenentzündung) und Sepsis mit Multiorganversagen“, hieß es.

Tod nach Reinfektion in Deutschland: Zusammenhang mit Corona-Mutation?

Ob sich der 74-Jährige bei seinem zweiten Krankheitsverlauf mit dem gleichen Virus oder einer Mutation infiziert habe, könne man nicht sagen, berichtete der Rechercheverbund. Hintergrund sei laut Landesgesundheitsamt, dass man die Probe der Erstinfektion vom April 2020 nicht mehr besitze und demnach auch nicht analysieren könne.

Stefan Brockmann, der am Landesgesundheitsamt das Referat Gesundheitsschutz und Epidemiologie leitet, sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Es gibt keinen Hinweis darauf, dass er eine der neuen Virusvarianten hatte.“

Eine genaue Analyse des Virus, eine sogenannte Genomsequenzierung, sei vom örtlichen Gesundheitsamt nicht in Auftrag gegeben worden. Lediglich bei Fällen, bei denen eine Reiseverbindung nach Großbritannien, Südafrika oder Irland bestehe, würde man dem Gesundheitsamt Bescheid geben, eine solche Sequenzierung zu veranlassen. Das erklärte Christine Wagner-Wiening, stellvertretende Leiterin der Infektionsüberwachung beim Landesgesundheitsamt, gegenüber WDR, NDR und der SZ.

Zu den Hintergründen: Der Landkreis Freudenstadt war der erste Landkreis in Deutschland, in dem die in Großbritannien entdeckte Virusmutation B.1.1.7 aufgetaucht war.

Wohl erster Fall in Deutschland: Mann verstirbt nach zweiter Corona-Infektion

Der Mann habe Vorerkrankungen gehabt, sagte Stefan Brockmann. Daher sei es wahrscheinlich, dass er bei der ersten Infektion keine starke Immunität ausgebildet habe. Die Chance, dass sich ein Mensch ein zweites Mal mit dem Coronavirus ansteckt, sei bisher sehr gering. Es gebe vereinzelte Fälle, bei denen die Patienten beim ersten Mal nicht genügend Antikörper ausgebildet hätten. Der Fall des 74-Jährigen, sei laut Brockmann der erste bekannte Todesfall nach einer zweiten Infektion im Südwesten.

Dem Bericht des Rechercheverbunds zufolge dürfte dies weltweit erst der dritte bekannt gewordene Todesfall nach einer Corona-Reinfektion sein. Im Oktober 2020 war eine 89 Jahre alte Niederländerin verstorben, die allerdings immungeschwächt war. Im Dezember berichtete eine israelische Zeitung, dass sich dort ein 74-jähriger Bewohner eines Altenheims nach durchgestandener Erstinfektion im August erneut infiziert habe. Er starb, obwohl er zwischendurch dreimal negativ getestet worden war. (dpa/mbr)

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