Studie zeigt Unterschiede zwischen Bundesländern

Corona-Risikogruppen in Deutschland: Überraschendes Ergebnis bei RKI-Studie - Mehrheit der Erwachsenen betroffen

  • Marcus Giebel
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Risikogruppen sollen in der Corona-Pandemie besonders geschützt werden. Doch wie groß sind diese überhaupt? Eine Studie geht dieser Frage nun auf den Grund.

München - Sars-CoV-2 ist hochansteckend, die in vielen Fällen auf die Infektion folgende Krankheit Covid-19 tödlich. Das ist längst Gewissheit. Doch welche Personen sind besonders gefährdet, Opfer der Pandemie zu werden? In Deutschland wird seit deren Beginn von Risikopatienten gesprochen, die es besonders zu schützen gelte.

Obwohl bekannt ist, dass gerade Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen dazu zählen, konnte dieser gute Vorsatz nicht wirklich zufriedenstellend in die Tat umgesetzt werden. Immerhin beim Impfen scheint es besser zu klappen, auch wenn noch Wochen ins Land gehen werden, ehe alle besonders gefährdeten Bürger ihre Spritzen abbekommen haben werden.

Risikogruppen in Corona-Pandemie: Mehr als ein Viertel der deutschen Bürger hat hohes Risiko

Schließlich tragen einer vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichen Studie zufolge 36,5 Millionen Menschen in der Bundesrepublik das Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs in sich. 21,6 Millionen von ihnen - und damit mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung - werden sogar als Hochrisikopatienten eingestuft. Die erwähnte Analyse zeigt, welche Unterschiede es bei Alter, Geschlecht, Bildung, Lebensform und Bundesland gibt. Ihr liegt eine telefonische und bundesweite Querschnittsbefragung zwischen April 2019 und Oktober 2020 zugrunde.

Mehr als jeder zweite Bürger in Deutschland ab 15 Jahren ist demnach der Risikogruppe zuzurechnen. Von den 36,5 Millionen Menschen sind 51,1 Prozent weiblich, folglich 48,9 Prozent männlich. Mit einem hohen Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf leben 30,6 Prozent der Über-15-Jährigen in der Bundesrepublik. Auch hier sind es mit 53,7 Prozent mehrheitlich Frauen.

Risikogruppen in Corona-Pandemie: Selbst bei den Twens ist jeder Fünfte dabei

Die Forscher stellten auch fest, dass das Risiko schon im jungen Alter schnell ansteige: Bei den Personen zwischen 20 und 24 Jahren sind 20,5 Prozent betroffen, bei den 45- bis 49-Jährigen schon 40,2 Prozent, der Anteil der Risikopatienten zwischen 60 und 64 beträgt 60,9 Prozent. Dagegen verläuft die Entwicklung bei den Hochrisikogruppen zunächst sehr flach. Der Anteil beträgt bis ins fünfte Lebensjahrzehnt hinein weniger als zehn Prozent, bei den 60- bis 64-Jährigen sind es 17,7 Prozent. Die älteren Semester wurden allesamt als hochrisikobehaftet eingestuft.

In absoluten Zahlen bedeutet das, dass 15,5 Millionen Menschen unter 60 Jahren ein erhöhtes Risiko verkörpern, drei Millionen dieser Altersklassen haben ein stark erhöhtes Risiko. Der Geschlechtsunterschied ist besonders bei den 45- bis 49-Jährigen auffallend: Hier beträgt der Risikogruppenanteil bei Frauen 35,5 Prozent, bei den Männern jedoch schon 45 Prozent.

Ein Mitglied der Risikogruppe: In Deutschland sind mehr als die Hälfte der Erwachsenen gefährdet, nach einer Corona-Infektion schwer an Covid-19 zu erkranken.

Risikogruppen in Corona-Pandemie: Personen mit geringer Bildung deutlich häufiger gefährdet

Signifikant sind auch die Unterschiede hinsichtlich des Bildungsstands. So zählen 69,8 Prozent der Personen mit geringer Bildung zur Risikogruppe, dieser Wert sinkt unter den Bürgern mit mittlerer Bildung auf 45,1 Prozent und beträgt bei denen mit hoher Bildung 40,9 Prozent. Noch deutlicher wird es bei Mitgliedern der Hochrisikogruppe: Hierzu zählen 45,1 Prozent des Pools mit geringer Bildung, 21,9 Prozent mit mittlerer Bildung und 23,9 Prozent mit hoher Bildung.

Den größten Anteil in Bezug auf die Lebensform haben jeweils Alleinlebende. Sie machen 45,9 Prozent der Risikogruppe aus, 30,6 Prozent entfallen hier auf kinderlose Paare, 17,7 Prozent auf Familien mit Kindern, wobei hier auch erwachsene Kinder gelten. Den übrigen 7,8 Prozent wird eine andere Lebensform zugeschrieben oder diese ist nicht bekannt.

In der Hochrisikogruppe machen die Alleinlebenden mit 53,5 Prozent sogar die absolute Mehrheit aus, dahinter folgen die kinderlosen Paare mit 34,8 Prozent. Deutlich geringer ist der Anteil an Familien mit Kindern (7,3 Prozent) sowie den übrigen oder nicht bekannten Lebensformen (4,5 Prozent).

Risikogruppen in Corona-Pandemie: Nur in fünf Bundesländern beträgt der Anteil unter Erwachsenen weniger als 50 Prozent

Bezogen auf die Bundesländer ist der Anteil der Risiko- und Hochrisikogruppe im Saarland am höchsten und in Bayern am niedrigsten. Die östlichen Bundesländer sind im Vergleich mit den westlichen überproportional betroffen. Am geringsten ist der Anteil in den südlichen Bundesländern.

Lediglich in fünf Ländern sind weniger als die Hälfte der Bürger ab 15 Jahren Mitglieder der Risikogruppe: Bayern (48,1 Prozent), Berlin (48,6 Prozent), Baden-Württemberg (48,7 Prozent), Hamburg (49,2 Prozent) und Rheinland-Pfalz (49,9 Prozent). Neben dem Saarland (62,3 Prozent) erreichen auch Brandenburg (61,5 Prozent) und Sachsen-Anhalt (61,1 Prozent) Werte jenseits der 60. (mg)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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