Forscher des Max-Planck-Instituts

Rechenmodell zeigt: Zahl der Corona-Todesfälle in Deutschland wird deutlich steigen - auch mit Lockdown

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Deutschland befindet sich in einem erneuten Corona-Lockdown. Ein Rechenmodell von Forschern des Max-Planck-Instituts zeigt, dass die Todeszahlen dennoch weiter steigen werden.

  • Seit Beginn der Woche befindet sich Deutschland in einem erneuten Corona*-Lockdown.
  • Die Corona-Todesfallzahlen steigen in den vergangenen Wochen weiter an.
  • Laut einem Rechenmodell von Forschern des Max-Planck-Instituts wird sich dieser Trend, trotz des Lockdowns, fortsetzen.

Göttingen - Deutschland befindet sich seit dieser Woche in einem neuen Corona-Lockdown-Light. Die steigenden Zahlen bei den täglichen Neuinfektionen machten diesen Schritt der Politik nötig. Auch die Todeszahlen in Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung stiegen deutlich an. Am Mittwochmorgen vermeldete das Robert-Koch-Institut (RKI) 151 neue Corona-Todesfälle innerhalb eines Tages. Laut eines Rechenmodells von Forschern des Max-Planck-Instituts wird sich dieser Trend in den kommenden Wochen fortsetzen - auch mit dem neuen Lockdown.

Rechenmodell zeigt: Bereits in dieser Woche 130 Corona-Todesfälle pro Tag

Die Zahlen der Corona-Todesfälle während der zweiten Welle* in Deutschland sind glücklicherweise noch nicht mit jenen der ersten Welle im Frühjahr zu vergleichen. Im April, auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie, meldete das RKI im Schnitt täglich 230 neue Tote mit Coronavirus-Infektion. Dennoch ist ein deutlich ansteigender Trend der Corona-Todesfallzahlen zu erkennen. Laut einem Rechenmodell, dass Viola Priesemann gemeinsam mit ihrem Team vom Max-Planck-Institut erstellt und im Ärzteblatt veröffentlicht hat, ist zu befürchten, dass es in Deutschland bereits in dieser Woche im Schnitt 130 neue Corona-Todesfälle pro Tag geben wird.

Das Modell der Forscher* folgt der mathematischen Logik der Verbreitung des Coronavirus*. Diese besagt, dass innerhalb weniger Wochen ein Teil der Neuinfizierten sterben wird. Wissenschaftler können den Anteil der Todesfälle berechnen, wenn sie Informationen zur Zahl der Infektionen, zum Alter der Infizierten und zur Sterblichkeit der jeweiligen Altersgruppe haben. Laut Spiegel-Berechnungen, auf Grundlage der Daten des RKI, dürften somit in dieser Woche etwa 900 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung sterben. Eine Woche später bereits etwa 1400 Personen.

Corona-Rechenmodell: Prognose basiert auf Infiziertenstatistik und Infektionssterblichkeit

In den offiziellen Daten des RKI wird dieser Anstieg der Todesfallzahlen allerdings zunächst nicht sichtbar sein. „Denn Meldungen über Covid-19-Sterbefälle erreichen das RKI oft erst eine oder auch zwei Wochen nach dem Tod des Patienten“, berichtet der Spiegel. Den Ernst der aktuellen Corona-Situation in Deutschland verdeutlicht ein Blick auf die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Corona*-Patienten. Laut Zahlen des DIVI-Intensivregisters werden derzeit mehr als 2300 Covid-Patienten auf den Intensivstationen behandelt. So viele waren es zuletzt Ende April.

Die Prognose der Forscher des Max-Planck-Instituts basiert auf der, nach Altersgruppen aufgeschlüsselten, Infiziertenstatistik der vergangenen Wochen und der sogenannten Infektionssterblichkeit. Diese besagt, welcher prozentuale Anteil der Menschen einer Altersgruppe im Durchschnitt infolge einer Corona-Infektion* stirbt. Für die Altersgruppe der 45- bis 49-Jährigen liegt die Infektionssterblichkeit beispielsweise bei 0,2 Prozent. Für die Altersgruppe der 80- bis 84-Jährigen sind es hingegen bereits 10 Prozent.

Corona-Rechenmodell: Prognose im Sommer stimmt mit tatsächlichen Todesfallzahlen überein

Das Forschungsteam um Priesemann macht in seinem Model zudem einige Annahmen, die auf bekannten Daten über den Verlauf einer Corona-Infektion basieren. Von einer Infektion bis zum Eintreffen des Testergebnisses* im Gesundheitsamt vergeht durchschnittlich eine Woche. Zwischen der Infektionsmeldung und dem Tod eines Covid-19-Patienten vergehen im Durchschnitt zwei Wochen.

In ihrer Studie berichten die Wissenschaftler, dass sie mit ihrem Modell die Entwicklung der tödlichen Verläufe ab Juli 2020 simuliert haben. Der zeitliche Verlauf der vorhergesagten Corona-Todesfälle stimme mit den tatsächlichen beobachteten „in jeder Altersgruppe gut überein“, erklären die Max-Planck-Forscher. Sogar die absoluten Zahlen der Todesfälle passten gut zusammen, was laut der Studie „auf einen zunächst niedrigen Anteil unbeobachteter SARS-CoV-2-Infektionsketten hindeutet“.

Corona-Rechenmodell: Vorhersagen im Oktober deutlich unter realen Todeszahlen

Inzwischen zeigt sich jedoch, dass die Modellprognosen die tatsächlichen Entwicklungen sogar unterschätzen könnten, wie der Spiegel berichtet. Laut einer Kalkulation lagen die Vorhersagen im Oktober etwa ein Drittel unter den realen Corona-Todeszahlen, heißt es dort. Bis zum September stimmten die Prognosen noch relativ gut mit den realen Todeszahlen überein. Dies könnte damit zusammenhängen, dass durch den enormen Anstieg der Corona-Infektionszahlen die Zahl der unerkannten Fälle, im Vergleich zum Sommer, auch für die Risikogruppen ab 60 Jahren inzwischen wieder zunimmt. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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