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Vierte Welle gebrochen? Experten haben dazu klare Meinung – „Ruhe vor dem Sturm“

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Testsets mit Abstrichstäbchen liegen in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle. In Deutschland sinken die Zahlen gerade leicht - was heißt das?
Testsets mit Abstrichstäbchen liegen in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle. In Deutschland sinken die Zahlen gerade leicht - was heißt das? © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen zwar nicht mehr an. Zwei Experten warnen jedoch davor, die vierte Welle abzuschreiben.

München - Sind wir nun vor der vierten Welle? Mittendrin? Oder steht sie noch bevor? Die Corona-Zahlen in Deutschland geben eigentlich Grund zur Hoffnung, denn seit zwei Wochen sinkt die Inzidenz leicht. Zwei Experten schätzen die Lage ein - und sprechen eine Warnung aus.

Experten: Aktuelle Phase ist „Ruhe vor dem Sturm“

Gebrochen sei die Welle demnach keinesfalls - vielmehr handele es sich bei der aktuellen Phase um die „Ruhe vor dem Sturm“. So sagte Epidemiologe Ralf Reintjes zum Focus: „Ähnlich wie die meisten meiner Kollegen gehe ich davon aus, dass wir in den kommenden Wochen und Monaten wieder mit einer deutlich steigenden Zahl an Infektionen rechnen müssen.“

Die Inzidenz Deutschlands erreichte am 4. September einen Höhepunkt. Seitdem fällt sie leicht und steht im Moment laut RKI bei 74,7. Zur Einordnung: Das ist der sechsfache Wert wie vor einem Jahr. Reintjes: „So sehr wir alle – auch ich – es uns wünschen, dass die aktuelle Covid-19-Welle ihren Höhepunkt erreicht haben könnte und wir das Abflachen der Kurve der gemeldeten Fälle begrüßen, so müssen wir doch realistisch bleiben.“ Reintjes ist Professor für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.

Coronavirus Deutschland: Impfquote steigt nicht schnell genug an

Er rechnet mit deutlich mehr Grippefällen im Winter und bescheinigt dem Virus eine gute Ausgangsituation für die kalten Monate. Sein Kollege Timo Ulrichs sieht es ähnlich: Für ihn sind die aktuellen moderaten Zahlen eher temporär zu betrachten. „Eine dauerhafte Abnahme der Neuinfizierten-Zahlen kann eigentlich nur eine Ursache haben: Dass das Virus immer weniger empfängliche Personen findet für eine Ausbreitung“, so Ulrichs. Der Professor lehrt und forscht an der Akkon Hochschule Berlin.

Mit anderen Worten: Es gibt noch genug, die ungeimpft sind, und sich infizieren können. Ulrichs: „Da aber die Durchimpfung der Bevölkerung und die nun in der vierten Welle stattfindende Durchseuchung unter den Ungeimpften noch lange nicht vollständig sind, ist zu erwarten, dass es nach kurzem Aufenthalt weiter nach oben gehen wird.“

Verhindert werden könne dies durch die konsequente Einhaltung der Abstands- und 2G-Regeln: „Dann könnte es auch sein, dass wir damit ganz gut durch Herbst und Winter kommen.“ Leider stagniert im Moment die Impfquote: 66 Prozent der Deutschen sind erstgeimpft, doch seit Mitte Juli wuchs diese Zahl lediglich um sechs Prozent.

Im österreichischen Skiort Ischgl haben sich Tausende mit Corona infiziert. Eine Witwe hat Österreich verklagt. Nun hat der erste Ischgl-Prozess begonnen.

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