Dirk Ippen.
+
Dirk Ippen.

Kolumne von Verleger Dirk Ippen

Kommentar: Covid-19 macht aus unserer Sprache Corona-Deutsch

Das Coronavirus verändert die ganze Welt - so auch unsere Sprache, meint Verleger Dirk Ippen in seiner Samstagskolumne.

Jedes Regime hat seine eigene Sprache. So hat auch die Herrschaft des Virus Sars-CoV-2, genannt Coronavirus, unsere Sprache bereits verändert. Begriffe, die wir bestenfalls am Rande mal gehört hatten, sind plötzlich als Alltagswörter allgegenwärtig. Aber woher kommen Begriffe wie Corona, Pandemie, Epidemie, drakonisch, Lockdown, Triage oder Panik? Und was bedeuten sie eigentlich?

Das Virus aus der Sars-Familie hat medizinisch den Namen Sars-CoV-2. Unter dem Mikroskop sieht es aus wie eine kleine Kugel mit stacheligen Krönchen. Daher hat sich der Name Corona = Krone für es eingebürgert. Manche Virologen meinen, es sieht eher aus wie eine unförmige Seemine aus dem letzten Krieg. Und wie die Splitter einer explodierten Mine alles um sie herum zerstören, so richtet dieses Virus Unheil an im ganzen Volk, altgriechisch „Demos“. Daher unser Wort „Demie“, das, was das Volk trifft.

Coronavirus und die Sprache: Krankheit für alle Völker

Wieder altgriechisch heißt „Epi“ bei und „panthes“ heißt alle. Eine Demie kann also als Epidemie auftreten nur „bei“ einem Volk oder als Pandemie, als Krankheit, die alle Völker dieser Welt befallen hat. Das ist es also, was wir heute erleben müssen.

Drakonisch mit strengen Auflagen, angedrohten Strafen und im Sauseschritt durch Bundestag wie Bundesrat geht unser Gesetz- und Verordnungsgeber vor. Der Ausdruck bezieht sich auf den sagenhaften Athenischen Gesetzgeber Drakon. Dessen Gesetzestafeln standen Jahrhunderte in Athen. Wir können nur beten, dass unsere mit zu heißer Nadel gestrickten Corona-Gesetze schnellstens wieder verschwinden.

Coronavirus und die Sprache: Lockdown, Homeoffice und Triage

Nun sind wir im Lockdown und Homeoffice, das ganze Land geschlossen. Triage kommt von französisch „sortieren“ und meint etwas, was wir in Deutschland hoffentlich nicht erleben werden. Die Einteilung von Kranken in solche, denen die knappen Intensivbetten und Atemgeräte zugeteilt werden, und die anderen, die zum Sterben nur begleitend weiter versorgt werden können.

All das aber darf uns nicht verführen, in „Panik“ zu geraten. Die Griechen und Römer führten jeden durch blinden Lärm erregten Schrecken auf den Wald- und Hirtengott Pan zurück – daher heißt es so.

Das Virus aber, das uns bedroht, ist nicht die Stunde des Pan mit grundlosem Schrecken, sondern sehr real. Es ist nun auch in unsere Alltagssprache eingezogen. Im Internet sind die Suchanfragen nach diesen Begriffen nach oben geschnellt.

Coronavirus und die Sprache: Dichter Stefan George über die Selbstisolierung

Ein alter Meister unserer Sprache, der Dichter Stefan George, hat fast seherisch einen Vers geschmiedet, der auf diese unsere Tage von „Selbst-Isolierung“ passt. Eine Mahnung, ganz frei vom Corona-Deutsch:
„Verschweigen wir,
was uns verwehrt ist
Geloben wir,
glücklich zu sein
Wenn auch nicht mehr
uns beschert ist
Als ein Rundgang zu zwein.“

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges – vor genau 75 Jahren – verabschiedete man sich mit „Bleib übrig“. So schlimm ist es nun doch noch nicht. Jetzt, unter dem Zeichen von „Corona“, heißt es zuversichtlich „Bleiben Sie gesund“!

Schreiben Sie an ippen@ovb.net

Dirk Ippen

Pinpoll

Das Coronavirus lähmt Bayern* - Ministerpräsident Markus Söder rief den Katastrophenfall aus. In München wurde ein Todesfall bestätigt - es ist der insgesamt dritte.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare