Briten leisten heftig Widerstand

Coronavirus in England: Zahlen steigen rasant - EU-Land reagiert mit strengem Strafen-Katalog

  • vonCornelia Schramm
    schließen

Das Coronavirus hält Europa in Atem: Auch in England steigen die Infektionszahlen wieder rasant. Deshalb erhebt die Regierung satte Strafen auf Quarantäne-Verstöße. Die Briten werfen Johnson jetzt „Tyrannei“ vor.

London - „Wir können dieses Virus am besten bekämpfen, indem sich jeder an die Regeln hält und sich isoliert, wenn die Gefahr besteht, dass er das Coronavirus überträgt“, erklärte Premierminister Boris Johnson vor einer Woche. Gleichzeitig machte er sich für die Einführung hoher Geldstrafen stark, um die Bedeutung der Schutzregeln zu bekräftigen. Großbritannien sehe sich sonst bald mit einer zweiten Corona-Welle* konfrontiert: Nachdem den Sommer über die Infektionszahlen wie vielerorts in Europa eher rückläufig waren, steigen sie nun wieder in mehreren Regionen täglich rapide an.

Mit 42.000 Menschen, die seit März im Vereinigten Königreich an den Folgen des Coronavirus verstorben sind, hat das Land die meisten Todesopfer in Europa zu beklagen. Jetzt gen Herbst steigen die Infektionszahlen* schon wieder drastisch an, sodass die englische Regierung sich gezwungen sah, hohe Geldstrafen für die Verstöße gegen die Quarantäne-Regeln einzuführen. Nicht nur Unternehmen müssen bei Fehlverhalten zahlen - Eltern werden jetzt auch für ihre Kinder belangt.

Großbritannien: Corona-Infektionszahlen steigen - Regierung greift hart durch

Dabei sind die Bußgelder saftig und bewegen sich zwischen 1000 und 10.000 Pfund. Umgerechnet sind dies zwischen 1100 und 11.000 Euro. Wer nach einem positiven Corona-Test oder Aufforderung der Gesundheitsbehörden gegen Quarantäne-Auflagen, wie etwa die Isolationspflicht, verstößt, zahlt künftig mindestens 1000 Pfund. Bei „rücksichtslosem“ Verhalten kann das Vierfache fällig werden und „im Wiederholungsfall“ sogar das Zehnfache, wobei die Höchststrafe 10.000 Pfund betragen soll. Auf Twitter teilte die Johnson-Regierung die Neuerungen in einem Video:

Auch im Gastronomiebereich greift die Regierung in Großbritannien erneut hart durch: Restaurants und Pubs müssen bis auf weiteres um 22 Uhr schließen. Strafen von über 1500 Pfund drohen den Betreibern, wenn einer ihrer Besucher tanzt oder Musik mit einer Lautstärke von über 85 Dezibel gespielt wird. Der Grund: Die Gäste müssten sich dann laut zurufen, wodurch sich das Infektionsrisiko massiv steigere.

Die besagte Höchststrafe müssen auch Unternehmer zahlen, die ihren Mitarbeitern bei Einhaltung der Quarantänepflicht mit einer Kündigung drohen. Geringverdiener, die aufgrund des Infektionsschutzes zuhause bleiben müssen und nicht von dort aus arbeiten können, sollen aber zur Entschädigung eine Einmalzahlung von umgerechnet 550 Euro bekommen.

Demonstranten werfen Johnson-Regierung „drakonische“ Corona-Strafen vor

In England traten die neuen Vorschriften am Sonntag in Kraft - möglicherweise will sie Johnson auf ganz Großbritannien, also auch auf Schottland, Wales und Nordirland, ausweiten. Seit Sonntag haben die Polizei und sogenannte „Covid-Marshalls“ die Befugnis des Staates die neuen Vorschriften durchzusehen - im schlimmsten Fall sogar unter „angemessener Gewalt“, heißt es seitens der Regierung. Das alles fanden viele Briten unverhältnismäßig und gingen, nachdem zudem neue Kontaktbeschränkungen von der Regierung erlassen worden waren, vergangenen Samstag auf die Straße.

Bei einer Kundgebung gegen die neuen Corona-Maßnahmen der Johnson-Regierung kam es am 26. September in London zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und der Polizei.

Bei einer Demonstration auf dem Londoner Trafalgar Square trug der Großteil hunderter Teilnehmer weder Maske, noch hielt man Abstand- und Hygieneregeln ein. Viele demonstrierten explizit gegen die „Tyrannei“ Johnsons, sowie diesen „drakonischen Bußgeld-Katalog“ und „Überwachungsstaat“. Als die Polizei die Anti-Coronavirus-Demo gegen Abend auflösen wollte, endeten einige Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern der Veranstaltung und den Beamten blutig.

Video: Steuert Großbritannien auf einen zweiten Lockdown zu - Johnson nimmt Stellung:

Corona-Maßnahmen und Brexit: Popularität des Premiers nimmt in England ab

Wie die Bild berichtet, sollen einzelne Maßnahmen der neuen Verordnung zwar Zustimmung von Experten und der Öffentlichkeit erfahren, dennoch gebe es eine wachsende Labour-Gruppe im britischen Unterhaus, die Johnson vorwerfe, in Sachen Corona „per Dekret“ zu regieren. Auch aus den eigenen Reihen ertöne bereits Kritik: Einige Tories machen Johnson denselben Vorwurf. Abseits eines „autoritären Führungsstils“ kreiden sie ihm vor allem die "Hörigkeit" zu zweifelhaften Beratern wie Dominic Cummings an.

Die Popularität des Premierministers sinkt nicht nur wegen der Coronavirus-Pandemie, sondern auch, weil viele Briten um die Sicherheit ihrer Jobs bangen - stehen die Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union* doch auf sehr dünnem Eis. Erstmals seit Johnsons Amtsantritt liegt die britische Labour-Partei laut Umfragen vorne: 42 Prozent der Briten würden, wie Bild meldet, derzeit die Opposition unter Keir Starmer wählen, nur 39 Prozent würden den Konservativen wieder ihre Stimme geben. (cos/dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Stefan Rousseau/ PA Wire/ dpa/ Picture Alliance

Auch interessant

Kommentare