Was Reisende zwischen Italien, Österreich und Bayern erwartet

Corona-Grenzkontrollen an der Autobahn: Wie die Polizeien Urlauber selektieren - und wo es keine Kompromisse gibt

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Wer von Deutschland in den Urlaub nach Italien und wieder zurück will, muss die Grenzen in Bayern und Österreich passieren. Wie die Polizei wo wen wegen der Corona-Pandemie kontrolliert - und wo nicht. Eine Reportage.

  • Urlaub in der Coronavirus-Pandemie: Viele Deutsche reisen dennoch über Bayern und Österreich nach Italien - und wieder zurück.
  • Österreich verschärft wegen Corona die Grenzkontrollen auf dem Brenner zu Italien.
  • Die Land Bayern hat eine große Covid-19-Teststation zwischen Kufstein und Rosenheim eingerichtet - die deutsche Polizei lässt Reise-Rückkehrer ohne Corona-Kontrollen durch.

München/Kufstein/Brenner - Gardasee, Bardolino, Sommerurlaub, es ist 11 Uhr vormittags.

Kurz bevor wir die etwa viereinhalb stündige Autofahrt zurück nach München antreten, wollen ein guter Freund und ich ein vorerst letztes Mal Italien kosten: Es gibt einen Cappuccino, dessen Milchschaum-Krone jedes Social-Media-Posting viral gehen ließe, dazu ein mit Mozzarella überbackenes Ciabatta, garniert mit schmackhafter Mortadella und feinen Pistazzien-Stücken. Grazie, Bella Italia!

Grenzkontrollen wegen des Coronavirus: Stundenlange Staus zwischen Österreich, Slowenien und Kroatien

Kurz darauf am Auto, ein letzter Blick zurück auf die malerische Altstadt mit ihren terracottafarbenen Häuschen, geht der erste Griff ans Smartphone. Über Tage kamen Nachrichten rein, wonach die Grenzen runter zum Balkan wegen der Coronavirus-Pandemie, vornehmlich zwischen Österreich und Slowenien, zu echten Stauschlangen samt stundenlanger Kontrollen geworden sind. Covid-19 ist schließlich überall.

Brenner: Mitarbeiter der österreichischen Infrastrukturgesellschaft ASFINAG bereiten Grenzkontrollen an der Grenze zwischen Österreich und Italien vor. (Archivfoto)

Hoffentlich dauert es nicht auch so lange aus Italien raus, denke ich mir und atme tief durch, als wir über eine leere Brennerautobahn an Trient, Bozen und Brixen vorbei in Richtung Alpen fahren.

„Wer kontrolliert wegen Corona - und wie“, fragen wir uns. Und: „Werden wir als Deutsche durchgewunken oder erst recht rausgezogen?“ Vor uns der imposante Brenner und die ersten knallgelben Pylonen der österreichischen Polizei.

Grenzkontrolle wegen Corona am Brenner: Österreichische Polizei zieht Österreicher raus

„Bloß nicht“, entfährt es mir, als wir vor uns zwei kantige Polizeibeamte sehen, die Sonnenbrillen tief ins Gesicht geschoben. Sie ziehen ein Auto mit österreichischem Kennzeichnen nach dem anderen raus, winken die Pkw in ein großes weißes Zelt, in dem ihre Kollegen - unterstützt von Soldaten mit Mundschutzmasken - eifrig Auto um Auto abfertigen. Der eine Polizist schiebt seinen Sonnenbrille etwas runter. Als er das „M“ auf unserem Nummernschild erspäht, lässt er uns sofort durch.

Schnell ein Blick in den Rückspiegel, der nächste Pkw mit Tiroler Kennzeichen muss abbiegen und zur Corona-Kontrolle. Von italienischen Carabinieri ist dagegen weit und breit nichts zu sehen.

„Die Italiener sind einfach nur froh“, sagt mein Freund, „wenn jetzt die Touristen wiederkommen.“ Ich antworte: „Natürlich bringen wir Deutschen Corona auch nur aus den Urlaubsländern mit in die Heimat, und nicht umgekehrt.“ Lautes ironisches Lachen, während wir uns mit dem Auto die Europabrücke in Richtung Innsbruck runterschlängeln. Denn: So diszipliniert wie in Italien haben wir die Menschen in der Coronavirus-Pandemie in Deutschland lange nicht gesehen.

Coronavirus: Grenze zwischen Österreich und Deutschland - Covid-19-Test für alle Urlauber möglich

Unser nächstes Ziel ist die Grenze bei Kufstein. Dort wollen wir von der österreichischen A12 auf die deutsche A93. Bestenfalls ohne Grenzkontrollen, natürlich. „Nein!“, murmel‘ ich vor mich hin, als ich Polizisten, diesmal orange-farbene Pylonen und (wieder) ein großes weißes Zelt an der Grenzstation erblicke.

„Sechser-Golf, Münchner Kennzeichen, die ziehen uns sicher raus“, meint mein Freund, als die Polizistin vor uns ihn prompt auffordert, das Fenster runterzukurbeln.

„Guten Tag, woher kommen Sie?“, fragt sie uns, ihre Warnweste blendend grell im Sonnenlicht, es hat 35 Grad. „Italien, Bardolino, Gardasee“, antwortet mein Kumpel. „Wie lange waren Sie verreist?“, fragt die Beamtin. „Nur sechs Tage“, sage ich voreilig am Fahrer vorbei, die Schweißtropfen auf der Stirn und denke mir: ‚Bitte jetzt nur keine ewig lange Corona-Kontrolle.‘ Schließlich sind wir am Abend noch mit Freunden verabredet.

Coronavirus in Deutschland: Riesige Covid-19-Test-Station für Urlauber an der A93

Die Polizistin marschiert die Fahrerseite entlang, inspiziert die Rückseite, wo nichts liegt, außer siedend heißes aqua minerale con gas. „Gute Fahrt!“ Puh, durchschnaufen. Wie die Bundespolizei mir später mitteilt, handelte es sich dabei um eine routinemäßige Grenzkontrolle an der Rastanlage Inntal Ost - zum Beispiel zur Kontrolle von grenzüberschreitender Kriminalität. Mit Corona hatte das also gar nichts zu tun. Weiter geht die Reise.

Auf den nächsten Kilometern die Hügel hoch Richtung Schliersee gleicht die A93 einem einzigen Corona-Warnschild. Am Fahrbahnrand, an einer Fahrradbrücke, an einer riesigen Werbetafel - überall Hinweise, dass sich Reise-Rückkehrer aus Coronavirus-Risikogebieten in eine mehrtägige Quarantäne begeben müssen.

15 Kilometer hinter der Grenze steht sie dann an der Autobahn-Raststätte Heuberg: Eine riesige Covid-19-Testanlage des Landes Bayern, die in der Corona-Krise vornehmlich durch private ambulante Gesundheitsunternehmen betrieben werden. Ein weißes Zelt so groß wie auf der Wiesn, dem Oktoberfest. Jeder kann sich hier testen lassen, auch der Italien-Urlauber.

‚Was, wenn jemand erklärt, dass er gerade aus Kroatien kommt?‘, denke ich mir noch. Wie die meisten Autos neben uns biegen wir nicht ab und steuern stattdessen München entgegen. (pm)

Aktuell wird über eine Reservierungspflicht bei der Deutschen Bahn diskutiert. Vekehrsminister Andreas Scheuer (CDU) lehnt die neue Bahn-Regel des Geldes wegen ab - FDP-Experte Christian Jung warnt vor „Hygiene-Chaos“. Drohen nun „Corona-Züge“?

Quarantäne statt Test für Rückkehrer aus Risikogebieten* - dieser Plan von Gesundheitsminister Jens Spahn könnte den Steuerzahler teuer zu stehen kommen.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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