Herbst und Winter

In vertraulicher Spahn-Runde: Experte warnt vor düsterem Infektions-Szenario - „Nicht schaffbar“

  • VonJulia Schöneseiffen
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Mit der kalten Jahreszeit steigt die Sorge vor einer kombinierten Infektionswelle aus dem Coronavirus und der Grippe. Ein Experte warnt vor einer Überlastung der Intensivstationen.

Berlin - Immer wieder warnen Experten vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems. Denn sie befürchten eine Kombination einer Corona- und Grippe-Welle: eine „Twindemic“. Auch der Intensivmediziner-Verband DIVI schlägt Alarm. So warnte nach Angaben von Bild.de der Kölner Intensivmediziner und DIVI-Experte Christian Karagiannidis in der Sachverständigen-Runde von Gesundheitsminister Jens Spahn vor einer doppelten Infektionswelle.

Coronavirus und Grippe – Experte warnt: „Das ist nicht schaffbar“

Demnach müssten bei einer milden Grippewelle bis zu 1500 Menschen zeitgleich intensivmedizinisch behandelt werden, bei einer schweren Grippewelle sogar bis zu 3000. „Das wäre extrem viel und in meinen Augen auch nicht schaffbar“, sagte Karagiannidis gegenüber der Zeitung.

DIVI-Experte warnt vor einer Überlastung der Intensivstationen durch eine Corona- und Grippe-Welle.

Zudem würden den DIVI-Experten nicht-nutzbare Intensivbetten in den Kliniken besorgen. Einer Umfrage unter 650 Chef- und Oberärzten habe ergeben, dass 35 Prozent der sogenannten „Low-Care“ und rund 20 Prozent der „High-Care“-Intensivbetten aufgrund von Personalmangel auf den Intensivstationen gesperrt seien. Manche seien nur temporär, ein Großteil allerdings dauerhaft nicht nutzbar, so Bild.

Grippe- und Corona-Welle: Überlastung der Krankenhäuser droht

Auch der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fürchten eine „Twindemic“ und riefen daher zur Grippe-Impfung auf. Weil es in Deutschland im vergangenen Jahr infolge des teilweisen Lockdowns so gut wie keine Grippe gegeben hatte, sei das Risiko einer Grippewelle in diesem Jahr umso höher, sagte Spahn. 

Wiehler mahnte daher: „Wir müssen deshalb verhindern, dass im Herbst und Winter zu viele Covid-19-Fälle und Grippefälle parallel auftreten.“ Wenn viele Covid-19- und viele Grippe-Erkrankte gleichzeitig aufträten, würden die Krankenhäuser massiv belastet, so der RKI-Chef. Vorhersehbar sei es grundsätzlich nicht, wie schwer eine Grippewelle verlaufen werde. Beide Krankheiten seien aber insbesondere für ältere und chronisch Kranke ein Risiko. Wieler betonte zudem, dass man im Herbst und Winter mit steigenden Covid-19-Fallzahlen rechnen müsse. Dies ist auch in Bayern zu beobachten. Dort erreichte die Inzidenz den höchsten Wert seit Mai. (dpa/jsch)

Rubriklistenbild: © Michele Tantussi / dpa

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