Steht die Herdenimmunität kurz bevor?

Brisante US-Studie: Immunität gegen Coronavirus auch nach Grippe?

  • Felix Durach
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Eine neue US-amerikanische Studie geht davon aus, dass auch die Infektion mit anderen Coronaviren eine Immunität gegen Sars-CoV-2 bewirken könnte. Das hätte weitreichende Folgen auch für Deutschland.

München - Entspannung in der Corona-Krise könne erst auftreten, wenn die Entwicklung eines Impfstoffes* geglückt sei oder sich ca. 70 Prozent der Bevölkerung mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert haben. So lautet der wissenschaftliche Konsens in Bezug auf die Corona-Pandemie. Doch mit Hinblick auf den zweiten Punkt - die sogenannte Herdenimmunität* - könnte sich jetzt eine neue Einschätzung ergeben, welche die Dauer der Corona-Krise erheblich verkürzen könnte. 

Coronavirus: US-Studie mit neuen Erkenntnissen - Menschen nach harmloser Grippe immun gegen Sars-Cov-2?

Eine US-Laborstudie, die im Fachjournal Cell veröffentlicht wurde, zeigt, dass für die Entwicklung einer Immunität nicht zwangsläufig eine Infektion mit Sars-CoV-2 nötig sein könnte. Auch die Infektion mit anderen Coronaviren, die eine Ähnlichkeit zu Sars-CoV-2 aufweisen, könnte zur Entwicklung von Immunzellen ausreichen, die dann für eine Immunität sorgen. Solche Coronaviren sind bereits seit Jahren im Umlauf und lösen nicht zwangsläufig schwere Erkrankungen wie Covid-19 aus, sondern oft nur harmlose Erkältungen. 

Sollten sich diese Untersuchungen als wahr herausstellen, könnte das bedeuten, dass die Zahl der Menschen mit Immunität* in Deutschland deutlich höher ist, als bisher angenommen. „Wenn die Immunreaktion auch in epidemiologischen Studien bestätigt wird, könnte eine Durchseuchung von 20 bis 30 Prozent ausreichen, um die exponentielle Verbreitung zu unterbrechen“, sagt der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg gegenüber der Bild.

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Coronavirus: Immunitätsrate höher als gedacht? Blick auf Schweden könnte Klarheit bringen

In diesem Fall sei auch ein Blick nach Schweden hochinteressant. Aufgrund der schwedischen Strategie in der Corona-Krise sind dort wohl bereits 20 Prozent der Bevölkerung durch eine Sars-CoV-2-Infektion immun. Sollte die Theorie der Studie sich bestätigen, so müsste man in den Infektionszahlen von Schweden in den kommenden Wochen eine Entspannung der Lage bemerken. 

Schmidt-Chanasit mahnt jedoch auch zur Vorsicht. Die Infektion mit einem ähnlichen Coronavirus könnte auch zu schwereren Verläufen von Covid-19 führen. „Es gibt Erkrankungen, bei denen die Immunreaktion auf einen verwandten Erreger durch die Immunzellen verstärkt wird“, so der Virologe*. Die Vermutungen müssen nun also in weiteren Studien bestätigt werden, um eine klare Aussage zur Immunität gegen Sars-CoV-2 treffen zu können. 

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fd

Rubriklistenbild: © dpa / Oliver Berg

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