RKI-Präsident Lothar Wieler sitzt vor einer blauen Wand und zeigt mit dem rechten Zeigefinger auf die Kamera
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RKI-Präsident Lothar Wieler sieht keine Schuld bei unvollständigen Impfdaten.

Unvollständige Zahlen?

Heftige Kritik an Impfdaten: RKI sieht sich zu Klartext gezwungen - Ansage zum Ende der Corona-Regeln

  • Momir Takac
    VonMomir Takac
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Seit Tagen steht das RKI wegen unvollständiger und geänderter Impfdaten in der Kritik. Eine Schuld bei sich sieht das Institut nicht. Der Fehler liege woanders.

Berlin - Schon seit mehreren Tagen sieht sich das Robert-Koch-Institut der Kritik ausgesetzt, nicht Herr über seine Zahlen zu sein. Vor einer Woche hatte das RKI in seinem Wöchentlichen Lagebericht zum Coronavirus plötzlich geschrieben, dass vermutlich mehr Erwachsene geimpft sind, als zuvor angegeben.

Jetzt sieht sich das Institut offenbar gezwungen, Klartext zu reden. In einer Pressemitteilung wies das RKI jegliche Verantwortung für offensichtlich zu niedrige Werte der Impfquote von sich. „Für die Ermittlung der COVID-19-Impfquoten ist das RKI auf das Digitale Impfquotenmonitoring angewiesen (DIM), ein Meldesystem, dessen Anwendung und Zuverlässigkeit ausschließlich in der Hand der impfenden Stellen (Impfzentren, Impfteams, Krankenhäuser, Arztpraxen, Betriebsärzte) liegt. Allein diese Stellen übermitteln täglich die Zahl der durchgeführten Impfungen an das RKI“,  sagte Präsident Lothar Wieler laut einer Mitteilung am Mittwoch.

Zu niedrige Werte für Impfquote: Robert-Koch-Institut weist Schuld von sich

Eigene Fehler sieht das Institut nicht. Eine zu niedrige Erfassung gehe vielmehr auf „unterbliebene Meldungen einiger impfender Stellen“ zurück. Auch Christian Drosten nahm das RKI in Schutz. Das Robert-Koch-Institut weise schon länger auf die Problematik hin, sagte der Virologe der Berliner Charité im Podcast Coronavirus-Update bei NDR-Info. Letztlich sei die öffentliche Aufregung um die Diskrepanz „komplett umsonst“. Die Situation habe sich nicht geändert.

Seit mehreren Wochen ist die Infektionslage in Deutschland stabil. Die Sieben-Tage-Inzidenz bewegt sich zwischen 60 und 70. Dennoch plädiert Drosten dafür, die Corona-Schutzmaßnahmen nur nach und nach zu lockern. „Das Allerwichtigste ist das Schließen der Impflücken. Und dann öffnen wir schrittweise, ein Schritt nach dem anderen.“ Die Impfquote solle „so hoch wie es geht“ gesteigert werden.

Corona-Schutzmaßnahmen: RKI empfiehlt Basismaßnahmen bis nächstes Frühjahr

Als Zielquote nennt das RKI mindestens 85 Prozent bei allen Zwölf- bis 59-Jährigen und mindestens 90 Prozent bei den Über-60-Jährigen. Laut Zahlen vom Mittwoch sind 76 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft. Von der Gesamtbevölkerung sind es 65,4 Prozent.

Doch selbst wenn die angepeilten Impfquoten schnell erreicht würden, empfiehlt das RKI „grundsätzlich, dass die Basismaßnahmen bis zum nächsten Frühjahr - auch von Geimpften und Genesenen - eingehalten werden sollten.“ Im bayerischen Landtag und der Staatskanzlei gilt jetzt die 3G+-Regel. Das hat Konsequenzen für den ungeimpften Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger.

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