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Risiko für Impfdurchbrüche: Warum sich Menschen trotz Impfung mit Corona infizieren

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Von: Verena Möckl

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Immer mehr Menschen stecken sich mit dem Coronavirus an - trotz vollständiger Impfung. Manche erkranken sogar. Warum kommt es zu diesen Impfdurchbrüchen? Ein Überblick.

München - Die Zahl der Neuinfektionen steigt von Tag zu Tag. Allein heute (Stand 21. Januar) meldet das Robert Koch Institut (RKI) mehr als 140.000 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus. Auch Menschen, die bereits zweimal geimpft sind, trifft es. Wieso stecken sich Menschen trotz Impfung mit dem Coronavirus an? Wie oft kommt es zu Impfdurchbrüchen? Wer landet im Krankenhaus? Und schützt die Impfung überhaupt noch vor dem Coronavirus und seinen Mutationen? Wir haben die Antworten.

Was ist ein Impfdurchbruch?

Laut Robert Koch Institut besteht ein Impfdurchbruch, „wenn bei einer vollständig geimpften Person eine PCR-bestätigte SARS-CoV-2-Infektion mit Symptomatik festgestellt wird“. Als vollständig geimpft gelten Menschen, die eine Grundimmunisierung durch zwei Impfstoffe erhalten haben. Von einem Impfdurchbruch ist nicht die Rede, wenn sich der Geimpfte zwar infiziert, aber keine Beschwerden hat.

Impfdurchbrüche: Warum kommt es zu einer Ansteckung mit dem Coronavirus trotz Impfung?

Medienberichte über die steigende Zahl von Impfdurchbrüchen führt immer wieder zu Verunsicherung. Laut RKI sei es zu erwarten gewesen, dass es zu mehr Impfdurchbrüchen kommt. Doch warum ist das so?

Steigende Impfquote

Wenn immer mehr Menschen gegen das Coronavirus geimpft sind, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es auch unter den Geimpften zu Infektionen kommen kann.

Vollständiger Impfschutz (Stand 20. Januar)Geboostert (Stand 20.Januar)
73,2 Prozent49,6 Prozent

Steigende Infektionen

Wenn immer mehr Menschen sich mit dem Coronavirus infizieren, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch Geimpfte anstecken. Oder anders gesagt: Bei geringen Fallzahlen sinkt die Wahrscheinlichkeit, sich trotz Impfung mit dem Coronavirus zu infizieren und somit auch die Zahl der Impfdurchbrüche.

Zahl der vollständig Geimpften (Stand 20. Januar)Zahl der Neuinfektionen (Stand 20. Januar)
60,9 Millionen133.536

Die Kombination aus hoher Impfquote und hohen Fallzahlen kann also dazu führen, dass es zu mehr Impfdurchbrüchen in der Bevölkerung kommt. Bedeutet das, dass die Impfung nicht mehr vor dem Coronavirus schützt?

Wie wirksam sind die Impfstoffe gegen das Coronavirus?

Corona-Impfung
Impfstoffe schützen sehr gut vor einem schweren Covid-19 Verlauf. © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

Wie das RKI betont, sei dies „kein Hinweis darauf, dass die Impfstoffe nicht wirksam sind“. Zu Impfdurchbrüchen kann es kommen, weil die Impfstoffe trotz sehr guter Wirksamkeit nicht zu 100 Prozent gegen das Coronavirus schützen. „Auch ein steigender Anteil Geimpfter an hospitalisierten Fällen bedeutet nicht, dass die Impfung nicht wirksam ist. Vielmehr ist es so, dass bei einer hohen Impfquote die Gesamtzahl hospitalisierter Fälle geringer ist als bei einer niedrigen Impfquote“, erklärt das RKI auf seiner Homepage.

ImpfstoffBiontechModernaJohnson & JohnsonAstrazeneca
Wirksamkeit gegen schwere Erkrankung90 Prozent90 Prozent70 Prozent90 Prozent
Wirksamkeit gegen Erkrankung75 Prozent75 Prozentunter 70 Prozent75 Prozent

Die Vakzine können nicht alle Infektionen bei Geimpften verhindern. Darüber hinaus lässt die Wirksamkeit der Impfungen im Laufe der Zeit nach. Bereits 15 Wochen nach der zweiten Impfung bestehe laut RKI kein ausreichender Schutz mehr vor einer Ansteckung mit Corona - auch, weil das Virus mit der Zeit mutiert.

Erste Studienergebnisse in Bezug auf die Wirksamkeit gegen die hochansteckende Coronavirus-Variante Omikron zeigen laut RKI, dass „die Wirksamkeit der Grundimmunisierung gegenüber symptomatischer Erkrankung durch die Omikron-Variante mit der Zeit deutlich nachlässt und im Vergleich zur Wirksamkeit gegenüber der Delta-Variante deutlich geringer ist“. Eine Booster-Impfung mit Biontech oder Moderna erhöht aber die Schutzwirkung.

Impfdurchbrüche: Wer ist betroffen?

Von Impfdurchbrüchen sind besonders Risikogruppen betroffen, also Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben. Die Abwehrkräfte werden im Körper mit fortschreitendem Alter schwächer und reagieren meistens nicht mehr so gut auf die Immunisierung durch eine Impfung. Hinzukommt, dass die Risikogruppen als erstes geimpft worden sind und sich ihr Impfschutz über die Monate verringert hat.

Ärzte und Pfleger untersuchen einen Patienten auf einer Covid-19 Intensivstation.
Die Wahrscheinlichkeit intensivmedizinisch behandelt zu werden, ist bei Geimpften deutlich geringer als bei Ungeimpftem. (Symbolbild) ©  Bodo Schackow/dpa

Zur Risikogruppe zählen Menschen ab 60 Jahren, oder Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, wie Krebs oder Diabetes. Auch Faktoren wie Rauchen spielt eine Rolle. Besonders gefährdet sind betagte Menschen, die eine oder mehrere Grunderkrankungen haben. „Studien zeigen, dass in dieser Gruppe das Risiko für Impfdurchbrüche deswegen auch am größten ist. Gefährdeter sind zudem Männer“, heißt es in einem Beitrag des Helios-Magazins.

Doch warum erkranken Männer schwerer als Frauen? Der Körper von Männern reagiere anders auf Viren, erklärt die Helios Fachgruppenleiterin für Infektiologie Irit Nachtigall. Frauen hätten eine stärkere T-Zellen-Antwort und seien daher auch weniger vor der Viruslast betroffen.

Es gibt auch Fälle von Menschen mit Multipler Sklerose, die aufgrund ihrer MS-Medikamente keine Antikörper gegen das Coronavirus aufbauen können, selbst nach einer Booster-Impfung.

Wie hoch ist das Risiko für einen Impfdurchbruch?

Krankenhausaufenthalt18 bis 59 jährige-PatientenPatienten, die älter als 60 Jahre sind
Normalstation36,9 Prozent28,6 Prozent
Intensivstation18,4 Prozent21,4 Prozent

Die Tabelle zeigt den Anteil der Impfdurchbrüche von Krankenhauspatienten nach einer Grundimmunisierung im Zeitraum vom 20. Dezember 2021 bis 16. Januar 2022. Es wird deutlich, dass das Risiko für Geimpfte, schwer an einer Coronainfektion zu erkranken und auf die Intensivstation zu müssen, deutlich geringer ist, als bei Ungeimpften. Während von den über 60-jährigen Intensivpatienten rund 21 Prozent geimpft sind, sind rund 79 Prozent der über 60-Jährigen auf der Intensivstation ungeimpft. Hat man einen Impfdurchbruch so ist die Wahrscheinlichkeit höher auf der Normalstation behandelt zu werden. Warum dennoch trotz Booster Corona-Patienten auf der Intensivstation landen, erklärt 24vita.de*.

Impfung schützt vor schweren Verlauf mit Corona

„Impfungen sind meiner Meinung nach immer sinnvoll, wenn wir eine Erkrankung haben, die einen weniger schlimmen Verlauf nimmt, wenn man geimpft ist. Das ist bei Corona ganz eindeutig so“, sagt Nachtigall. Auch wenn die Corona-Schutzimpfungen nicht jede symptomatische Infektion mit dem Coronavirus verhindern können, so schützen sie doch in einem hohen Maß vor einem schweren und tödlichen Krankheitsverlauf. Die Stiko appelliert an alle, sich ihren Booster zu holen. *24vita.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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