Jeder Zehnte vollständig geschützt

Hoher Anteil an geimpften Corona-Intensivpatienten beunruhigt - doch für die Zunahme gibt es plausible Gründe

  • Momir Takac
    VonMomir Takac
    schließen

Auf Intensivstationen der Krankenhäuser liegen immer mehr Patienten, die vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind. Eine erwartbare Situation, sagen Fachleute.

Berlin/München - Die Erkenntnis könnte der ohnehin schleppend verlaufenen Impfkampagne in Deutschland einen weiteren Dämpfer verpassen: Im August und September war jeder zehnte wegen dem Coronavirus auf der Intensivstation behandelte Patient vollständig geimpft.

Das geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sahra Wagenknecht hervor, worüber die Zeitungen der Funke-Mediengruppe berichteten. Im aktuellen Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts hieße es, dass im Zeitraum von Mitte August bis Mitte September 1.186 Corona-Patienten auf Intensivstationen behandelt wurden. Bei 119 davon wurde ein Impfdurchbruch angenommen, was 10,03 Prozent der Fälle entspricht.

Coronavirus: Impfdurchbruch verläuft in den meisten Fällen harmlos

Viele Unentschlossene könnten sich nun fragen: Warum soll ich mich impfen lassen, wenn der Corona-Impfstoff sowieso nicht zu einhundert Prozent wirkt? Doch das wäre die falsche Überlegung. Denn sogenannte Impfdurchbrüche - eine Corona-Infektion mit Symptomen trotz vollständigem Impfschutz - sind erwartbar. Seit Vorhandensein der Impfstoffe heißt es, dass auch das Vakzin keinen 100 prozentigen Schutz vor einer Infektion leistet. Und bei der größten Zahl der Betroffenen verläuft ein Impfdurchbruch harmlos.

Vor allem bestimmte Gruppen von Menschen sind besonders anfällig für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf trotz Impfung. Meist seien Personen betroffen, deren „Immunsystem etwa durch eine Chemotherapie oder eine dauerhafte Kortisonbehandlung geschwächt ist, oder die älter als 80 Jahre sind“, sagt der Präsident der Intensivmediziner-Vereinigung DIVI, Gernot Marx.

DIVI-Präsident Marx: Geimpfte Corona-Intensivpatienten in aller Regel schwer chronisch krank

Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nannte Marx einen weiteren Grund: Die geimpfte Minderheit auf den Intensivstationen bestehe großenteils aus „älteren Patienten, deren zweite Impfung schon weit zurückliegt.“ Zudem leiden sie an schweren chronischen Krankheiten.

Auch das RKI, das seit Tagen wegen angeblich falscher Impfquoten-Zahlen in der Kritik steht, überrascht die zunehmend wachsende Zahl an Impfdurchbrüchen nicht. „Dass im Laufe der Zeit mehr Impfdurchbrüche verzeichnet werden, ist erwartbar, da generell immer mehr Menschen geimpft sind und sich Sars-CoV-2 derzeit wieder vermehrt ausbreitet. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, als vollständig geimpfte Person mit dem Virus in Kontakt zu kommen“, heißt es auf Nachfrage der Zeitungen der Funke Mediengruppe. Weil er einen Kunden auf die Maskenpflicht hinwies, wurde in Bayern ein Tankstellen-Mitarbeiter angegriffen.

Rubriklistenbild: © Ole Spata/dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare