Gültig in allen EU-Ländern

Neuer Corona-Impfpass noch vor dem Sommerurlaub? Ab wann er mehr Reisefreiheit bringen soll

  • Marcella Moschini
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Reisen ist in der Europäischen Union momentan ein Kraftakt. Das soll sich dank eines neuen EU-Impfpasses, den „Green Certificates“ für Corona aber Ende Juni ändern.

München - Seit vielen Monaten leben Bürger:innen in EU-Staaten mit zahlreichen Einschränkungen. Dazu zählt auch, die stark beeinträchtigte Reisefreiheit. Grenzüberquerungen sind mit aufwändigen Tests und mitunter langen Quarantäne-Zeiten verbunden. Ab Ende Juni soll sich das wieder ändern - pünktlich zum Sommerurlaub. Denn die EU will Reisen innerhalb der Mitgliedsländer wieder einfacher machen und hat deshalb einen gemeinsamen digitalen Impfpass vorgeschlagen, die sogenannten „Grünen Zertifikate.“

Digitaler EU-Impfpass: Was ist das „Grüne Zertifikat“?

Das „Grüne Zertifikat“ ist ein digitales Dokument, mit dem Bürger:innen in Zukunft nachweisen können, dass sie entweder eine vollständige Impfung gegen Covid-19 erhalten haben, eine Erkrankung durchgemacht haben und genesen sind oder negativ auf das Virus getestet wurden. So erklärt es die Europäische Kommission in einem Factsheet. Enthalten sind außerdem Name und Geburtsdatum der Inhaber:innen. Über einen QR-Code sollen diese Daten fälschungssicher abgerufen werden können.

Der digitale Nachweis soll bei Bedarf auch in Papierform zur Verfügung gestellt werden. In jedem Fall ist er kostenlos und gilt EU-weit. Das „Grüne Zertifikat“ soll den bekannten gelben Impfpass aber nicht ersetzen, sondern nur ein zusätzliches Dokument sein. Die Informationen stehen jeweils in Landessprache und auf Englisch zur Verfügung.

Reisen nach mit Corona-Impfung: Wie ist der Zeitplan für das EU-Projekt?

Vorgeschlagen hatte die EU-Kommission das Projekt bereits am 17. März 2021. Mittlerweile haben sich die 27 Mitgliedsstaaten auf eine gemeinsame Linie geeinigt, wie Justizkommissar Didier Reynders auf Twitter berichtete. Allerdings muss auch das EU-Parlament zustimmen, dort werden außerdem die Feinheiten des Projekts verhandelt. Bis Ende Juni sollen die digitalen Impfnachweise laut EU-Planung in allen Mitgliedsstaaten einsatzbereit sein. Die technische Struktur dafür ist sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene bereits in Arbeit.

In Deutschland ist bereits ein digitaler Impfpass in Planung, der letztlich den EU-Regeln für das „Grüne Zertifikat“ entsprechen wird. Das Bundesministerium hat für die Entwicklung der nationalen Plattform ein Konsortium aus IBM, Ubirch, govdigital und Bechtle beauftragt. Welche Rechte speziell in Deutschland mit dem digitalen Impfpass verbunden sein werden, steht noch nicht fest. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, Geimpften die gleichen Rechte wie negativ Getesteten einzuräumen.

Digitaler Nachweis über Corona-Impfung: Wie erhält man ihn und was ermöglicht er?

Die Ausstellung ist Aufgabe der nationalen Behörden. In Deutschland könnten dies zum Beispiel Krankenhäuser, Testzentren oder Gesundheitsämter sein. Nach der Impfung können die Daten direkt eingelesen werden. Momentan wird auch geprüft, wie bereits vollständig geimpfte Personen den Impfpass nachträglich erhalten können. Die digitalen Impfpässe sollen dazu beitragen, die derzeit geltenden Restriktionen aufzuheben und zum Beispiel ohne Quarantäne-Pflicht reisen zu können. Welche Vorteile darüber hinaus bestehen werden ist noch nicht ganz klar, da die einzelnen Länder dies individuell festlegen können. Denkbar sind Erleichterungen beim Besuch von Läden, Restaurants oder Museen, wie auch 24vita.de* berichtet.

Die „Grünen Zertifikate“ sollen eine zügige Rückkehr zur Reisefreiheit innerhalb der EU erleichtern, sind aber ausdrücklich keine Voraussetzung für grenzüberquerende Reisen. Diese sind für Bürger:innen der Mitgliedsländer ein Grundrecht. Auch ohne Impfung wird es also möglich sein, in andere Staaten einzureisen.

„Grünes Zertifikat“ der EU - kommt es auf den Impfstoff an?

Für die Gültigkeit des digitalen Nachweises kommt es nicht darauf an, mit welcher Impfstoff eingesetzt wurde. Wichtig ist nur, dass dieser von der Europäischen Union zugelassen wurde. Aktuell sind das Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson. „Wenn es darum geht, die Beschränkungen der Freizügigkeit auszusetzen, müssen die Mitgliedstaaten Nachweise für alle in der EU zugelassenen Impfstoffe akzeptieren“, heißt es vonseiten der EU. Nur wer beispielsweise nach Ungarn reist und sich dort mit dem bisher noch nicht zugelassenen russischen Impfstoff Sputnik vakzinieren lässt, gilt vorerst noch als ungeimpft. (mam) *Merkur.de und 24vita.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Arnulf Hettrich via www.imago-images.de

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