Todesfälle steigen explosionsartig

Deutsches Impf-Debakel: Experte wirft Regierung grobes Versagen vor - „15.000 Corona-Tote wegen Trödelei“

  • Mara Rehfisch
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Die Zahl der Neuinfektionen steigt, die Corona-Toten werden täglich mehr. Die Bundesregierung muss schleunigst handeln. Das fordern etliche Experten.

  • Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Das Robert-Koch-Institut meldete am Dienstag 4432 neuen Corona-Infizierte und 500 Todesfälle binnen eines Tages.
  • Nach England haben jetzt auch in den USA und Kanada die Impfungen mit dem Biontech-Impfstoff begonnen.
  • Deutschland hat bislang keine Notfallzulassung erteilt: Das stößt bei vielen Experten auf enorme Kritik.

Berlin - Noch immer ist keine Besserung Sicht. Am Dienstagmorgen meldeten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut 14.432 neuen Corona-Infizierte und 500 Todesfälle binnen eines Tages. Eine viel zu hohe Zahl, die laut einigen Experten nur unterbunden werden kann, indem man schleunigst impft. Die Verantwortlichkeit des Impfplans und die damit verbundenen Folgen liegen laut einigen Spezialisten ganz klar bei der Bundesregierung. Einige Experten-Meinungen kritisieren den Impfvorgang als „zu langsam“.

Coronavirus in Deutschland: Experten üben scharfe Kritik an Deutschlands Impfplan aus

Als erstes EU-Land nahm Großbritannien die Zügel in die Hand: Nach einer Notfallzulassung für den Impfstoff von Biontech und Pfizer hat Großbritannien am Dienstag (8. Dezember) mit den Corona-Impfungen zunächst einmal bei der gefährdeten Zielgruppe begonnen. In Deutschland und vielen europäischen Nachbarländern dagegen sollen die Impfungen erst im Januar starten. Der Grund: Die Prüfung in der EU durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) ist noch nicht abgeschlossen.

Das geht dem Präsident des Europäischen Instituts für Internationale Wirtschaftsbeziehungen, Paul Welfens, noch zu „langsam“. Seiner Meinung nach müsse man eine „Turbo-Impfung innerhalb von 90 Tagen“ veranlassen: „Insgesamt wird die deutsche Impf-Trödelei rund 15.000 Menschenleben kosten“, spekulierte der Ökonom.

Coronavirus in Deutschland: Gesundheitsminister Spahn will Zulassung für Impfstoff beschleunigen

Inzwischen wurde sogar die erste Amerikanerin geimpft und auch Bahrain, Singapur und einige andere Staaten ziehen nach, indem sie den Impfstoff zugelassen haben. Ein Witz, wie Professor Dr. Rüdiger Lange findet: „Doch ausgerechnet Deutschland wartet noch immer ab – und das, obwohl der Biontech-Impfstoff aus unserem Land kommt und auch mit unseren Steuergeldern entwickelt worden ist“, resümiert er gegenüber dem Münchner Merkur.

Die Krankenhäuser sind nachweislich überlastet: Die Zahl der Corona-Toten steigt täglich rasant an.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hofft auf einen beschleunigenden Prozess in Sachen Zulassung für den Corona-Impfstoff: „Unser Ziel ist, dass es noch vor Weihnachten eine Zulassung gibt und dass wir dann auch noch in diesem Jahr beginnen können zu impfen, auch hier in Deutschland“, erklärte Spahn Montagabend im ZDF-„heute-journal“. In Sachen Notfallzulassung meldete sich jetzt allerdings auch SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach zu Wort: „Eine Schnellzulassung würde jetzt länger dauern, als das Ende der Zulassung auf EU-Ebene abzuwarten“, erklärte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Bleibt also abzuwarten, ob und wann Deutschland den Vorgang beschleunigt. (mrf)

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