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Corona-Impfstoff.

Coronavirus breitet sich weiter aus

Corona-Impfstoff: Diese drei deutschen Pharmafirmen bekommen Millionen - was macht sie so besonders?

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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Corona-Impfstoff: CureVac, BioNTech und IDT Biologika bekommen Geld von der Bundesregierung. Wer sind diese deutschen Pharmafirmen eigentlich?

  • Die Welt und Deutschland hoffen auf einen Corona-Impfstoff.
  • Drei deutsche Pharmaunternehmen werden von der Bundesregierung bei der Impfstoffentwickung unterstützt.
  • Pharmafirmen konnten sich bewerben: BioNTech, CureVac und IDT Biologika erhalten Millionen aus einem Sonderprogramm.

München - Auf der Suche nach einem Corona-Impfstoff ist auf der Welt ein Wettrennen entbrannt. Zum einen geht es darum einen wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 zu entwickeln, zum anderen muss die Produktion und dann die Verteilung der Dosen gesichert sein. Weltweit wird laut WHO (Draft landscape of COVID-19 candidate vaccines, Stand 9. September 2020) an etwa 170 Impfstoffen geforscht - knapp neun Impfstoffkandidaten befinden sich in der dritten und letzten Testphase. In Russland wurde schon die Tochter von Präsident Wladimir Putin mit dem Impfstoff namens „Sputnik V“ geimpft. Der Impfstoff wurde im August vor Abschluss wichtiger Tests für die Bevölkerung freigegeben.

Corona-Impfstoff: BioNTech, CureVac und IDT Biologika

Forscherteams und Pharmafirmen arbeiten auch in Deutschland an einem Impfstoff und sind ziemlich weit. Die Bundesregierung hat jetzt drei Unternehmen millionenschwere Unterstützungen bei der Corona-Impfstoffentwicklung zugesichert: Die deutschen Pharmafirmen BioNTech und CureVac sollen Millionen aus dem Sonderprogramm erhalten sowie die Firma IDT Biologika aus Dessau-Rosslau.

Bei der Entwicklung des Impfstoffs geht es vor allem um Sicherheit. Laut Gesundheitsminister Jens Spahn wird es keine Abkürzungen bei der Zulassung geben. „Sicherheit hat absolute Priorität“, sagt auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) auf einer Pressekonferenz bei der Vorstellung des Programms in Berlin. Die Firmen sollen das Geld für den Aufbau von Produktionsanlagen und zur Beschleunigung ihrer klinischen Testreihen einsetzen. Beteiligt an der Auswahl war das Paul-Ehrlich-Insitut (PEI). Das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneistoffe sitzt in Hessen. Schon im Frühjahr äußerte sich PEI-Präsiden Klaus Cichut positiv über einen Corona-Impfstoff. Auf die Frage, wie wirksam ein Impfstoff gegen das Sars-CoV-2 sein muss, antwortet Cichut: „Bei einer Zulassung muss die Nutzen-Risiko-Bilanz positiv sein.“

UnternehmenImpfstofftypStandortName des Impfstoffs
BioNTechGenbasierter Impfstoff mRNA MainzBNT162b1
CureVacGenbasierter Impfstoff mRNATübingenCVnCoV
IDT BiologikaVektorimpfstoffDessau-Roßlau

BioNTech und CureVac haben bereits mit klinischen Studien begonnen, sind kurz vor dem Ziel. Die beiden Unternehmen sind vielen schon bekannt. Beide Firmen setzen auf Impfstoffe auf Basis von Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA) - auch mRNA-Impfstoffe genannt und stehen regelmäßig in den Schlagzeilen. Das dritte Unternehmen IDT Biologika bezeichnet Jens Spahn „als Perle“ in Deutschland und ist vielen doch unbekannt. Im Kampf gegen Covid-19 setzt die Firma auf einen Vektorenimpfstoff.

Corona-Impfstoff von BioNTech

BioNTech mit Sitz in Mainz hat sich mit den Pharmafirmen Pfizer (USA) und Fosun Pharma (China) zusammengetan. Sie testen einen RNA-basierten Covid-19-Impfstoff BNT162b1 in China. Dabei finden die Studien der Phase II und III zeitgleich statt (BioNTech Phase 3). Die Mainzer Biotech-Firma gehört zu den größten Hoffnungen beim Kampf gegen Corona. Einen erfolgreichen Impfstoffkandidaten kann BioNTech auch in Deutschland testen.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) genehmigte die entsprechende klinische Studie der sogenannten zweiten und dritten Phase Anfang September. Die Studie in Deutschland ist Teil der weltweiten Studie, die von Biontech und Pfizer im Juli 2020 gestartet wurde. Die klinische Studie läuft weltweit in rund 120 Studienzentren. Bisher nahmen den Angaben zufolge mehr als 25.000 Probanden teil. „Eine große, kontrollierte Phase-3-Studie ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Sicherheit und Wirksamkeit eines Impfstoffs zweifelsfrei zu belegen“, erklärte BioNTech-Mitgründer Ugur Sahin. Sollten die klinischen Studien erfolgreich verlaufen, peilt BionTech eine Marktzulassung im Oktober an.  

Corona-Impfstoff von CureVac

CureVac ist im Rennen um den Corona-Impfstoff vorn dabei. Das Tübinger Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden setzt auch auf einen Impfstoff mit dem Botenstoff einer Messenger-Ribonukleinsäure - kurz mRNA. Die Studie befindet sich zeitgleich in der Phase I und II (CureVac Phase I und II) (Stand 15. September). An CureVac haben sich in den vergangenen Monaten mehrere Investoren beteiligt. Auch Deutschland ist im Juni mit 300 Millionen Euro eingestiegen. Mitte Juli hat sich das britische Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) Anteile an dem Unternehmen für etwa 150 Millionen Euro gekauft. Vor wenigen Wochen ist das Biotechunternehmen in den USA an die Börse gegangen. Dietmar Hopp ist CureVac-Mehrheitseigentümer. Der Impfstoff soll nach Angaben von CureVac zunächst in den eigenen Anlagen in Tübingen hergestellt werden. Anfang Juli kündigte der Autokonzern Tesla an, mit CureVac zusammenzuarbeiten. Mit dem Geld vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) will CureVac, wie auf der Webseite des Unternehmens zu lesen ist, die Impfstoffproduktion weiter auszubauen.

Corona-Impfstoff von IDT Biologika

IDT Biologika hat gemeinsam mit Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) einen neuen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 entwickelt. Forschende der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU München), der Philipps-Universität Marburg und des Uniklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE Hamburg) sind daran beteiligt. Der Corona-Impfstoff basiert laut IDT-Biologika-Firmenwebseite auf dem „Modifizierten Vacciniavirus Ankara” (MVA), das schon vor mehr als 30 Jahren als Impfstoff gegen Pocken entstand. Dieser Impfstoff ist gut verträglich und wurde bereits erfolgreich gegen das MERS-Coronavirus eingesetzt. Das MERS-Coronavirus, das eng mit dem Sars-CoV-2 verwandt ist, kommt auf der Arabischen Halbinsel vor und wird von Dromedaren mit oft tödlichen Folgen auf den Menschen übertragen, erklärt IDT-Biologika. Das Dessauer Familienunternehmen verweist auf eine fast 100-jährige Erfahrung in der Entwicklung von Impfstoffen. Trotz aller Geschichte gilt die Firma in Sachsen-Anhalt als äußerst innovativ. IDT-Biologika füllt bereits einen potenziellen Corona-Impfstoff ab, zügig für eine klinische Studie. Im ersten Schritt - Phase I - wird der Impfstoff an der UKE Hamburg an gesunden Freiwilligen zwischen 18 und 45 Jahren getestet. Die klinische Studie wird von Prof. Marylyn Addo geleitet.

Corona-Impfstoff: Zulassung läuft in drei Stufen ab - normalerweise

Eine Impfung soll den Körper vor Viren und Bakterien schützen. Das Immunsystem soll den „Feind“ erkennen und bekämpfen, bevor er uns krank macht. Die Zulassung eines neuen Impfstoffs ist eine Riesen-Aufgabe. Es dauert Jahre und ist ein langwieriger Prozess, der laut Deutschlandfunk in drei Phasen abläuft:

  • Klinische Studien - Phase I: In der Phase I wird die Sicherheit des Mittels an einer kleinen Gruppe Freiwilliger getestet. Es geht um kurzfristige Nebenwirkungen
  • Klinische Studien - Phase II: In der Phase II wird der Impfstoff bei Hunderten Probanden auf die richtige Dosis und die Wirkung auf das Immunsystem getestet.
  • Klinische Studie - Phase III: In der Phase III wird der Impfstoff dann Tausenden Freiwilligen verabreicht. Zugleich muss es eine Kontrollgruppe geben, deren Teilnehmer nicht geimpft werden. Das Ergebnis der Wirksamkeit eines Impfstoffes muss statistisch abgesichert belegt werden können. Nach einem Beobachtungszeitraum muss auch ausgewertet werden, ob sich in der Impfgruppe keine oder weniger Personen infiziert haben als in der Kontrollgruppe. Stichwort „Immunantwort“.

Coronavirus breitet sich weiter aus: Corona-Impfstoff Zulassung

Wenn alle Daten vorliegen, beantragen die Pharmafirmen eine Zulassung bei den Behörden. In Deutschland ist dafür das Paul-Ehrlich-Institut in Frankfurt zuständig. 

 

Corona: Was ist ein Vektor-Impfstoff?

Für den sogenannten Vektor-Impfstoff wird Genmaterial des Coronavirus in ein anderes harmloses Virus als Träger eingebracht. Diese Viren sind nicht vermehrungsfähig. Nach einer Injektion des Vektor-Impfstoffs reagiert der Körper. Die eingeschleuste Gen-Information täuscht dem Immunsystem eine Infektion vor und regt beispielsweise die Produktion von Antikörpern an.

Corona: Was ist ein mRNA-Impfstoff?

Bei dem mRNA-Impfstoff werden dem Körper Teile des Virus-Erbguts in Form von Nukleinsäuren zugeführt. Schon anhand dieser mRNA kann der Körper etwa Antikörper bilden.

Einen sicheren und wirksamen Impfstoff zu entwickeln dauert normalerweise Jahre. Allein den Erreger zu bestimmen und herauszufinden, wo eine Impfung überhaupt ansetzen könnte. Bei Sars-CoV-2 war die genetische Sequenz schnell verfügbar. Von verwandten Coronaviren wie Sars und Mers war bekannt, dass es vor allem bei einem Impfstoff auf die typischen Kronen-Zacken - Spike-Proteine - ankommt. Diese stachelförmigen Strukturen stehen im Mittelpunkt der Entwicklung von Impfstoffen. Das Coronavirus Sars-CoV-2 benötigt diese Spike-Proteine auf seiner Oberfläche um sich an menschliche Zellen anzudocken und zu infizieren.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) sind zunächst zuversichtlich, dass im kommenden Jahr ein Corona-Impfstoff zur Verfügung steht.

(ml)

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