Mehr Biontech für die Jüngeren

Ärztebund-Chef empfiehlt neue Strategie: AstraZeneca „für ältere Bevölkerung der geeignetste“ Impfstoff

  • Patrick Huljina
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Die Corona-Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca wurden in Deutschland vorerst ausgesetzt. Dirk Heinrich, Vorsitzender des Virchowbundes, fordert eine Änderung der Impf-Strategie.

Hamburg - Deutschland und andere Staaten haben die Corona-Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca vorerst ausgesetzt. Das Bundesgesundheitsministerium begründete diesen Schritt mit einer erhöhten Zahl an Hirnvenen-Thrombosen nach einer Impfung. Am Donnerstag (18. März) will die Europäische Arzneimittelagentur EMA eine Einschätzung zu möglichen Risiken und zur weiteren Verwendung abgeben.

Corona-Impfung in Deutschland: AstraZeneca-Impfstoff „für die ältere Bevölkerung der geeignetste“

„Ich hatte schon damit gerechnet, dass Deutschland den vielen anderen europäischen Ländern folgen wird“, sagte Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des Virchowbundes, in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel. Mit Blick auf die vorläufige Aussetzung der AstraZeneca-Impfungen in Deutschland forderte der Chef des Ärztebundes, der zeitgleich medizinischer Leiter des Impfzentrums in Hamburg ist, eine neue Impf-Strategie.

Man wisse bei der AstraZeneca-Impfung nun, dass es möglicherweise ein Problem bei jüngeren Frauen mit Sinusvenenthrombosen gebe, erklärte Heinrich. „Wir wissen aus Großbritannien, dass AstraZeneca zu 100 Prozent die Hospitalisierungen und den Tod verhindern kann. Auch bei älteren Menschen“, so der Virchowbund-Chef weiter. Heinrichs Schlussfolgerung lautet daher: „Wenn man das alles zusammennimmt, wäre es für mich die rationalste Lösung, zu sagen, AstraZeneca ist der Impfstoff, der für die ältere Bevölkerung der geeignetste ist.“

Corona-Impfung in Deutschland: „Wir müssen jetzt viel mehr Biontech für die Jüngeren nehmen“

Bei älteren Menschen sehe man nach Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin bislang weniger allergische Impf-Reaktionen. „Er ist hoch wirksam, um genau das zu verhindern, was wir bei den Älteren wollen: die Hospitalisierung und den Tod“, führte Heinrich seine Erklärungen weiter aus. Für die jüngere Bevölkerung schlug der Leiter des Hamburger Corona-Impfzentrums einen vermehrten Einsatz des Biontech/Pfizer-Impfstoffs vor.

Dirk Heinrich, medizinischer Leiter des Impfzentrums in Hamburg, fordert eine neue Corona-Impf-Strategie in Deutschland. (Archivbild)

„Bei Biontech wissen wir jetzt auch, dass die Übertragung des Virus und leichte Infektionsverläufe zu einem hohen Prozentsatz verhindert werden. Das sind ganz neue Daten aus Israel“, berichtete Heinrich von neuen Studienergebnissen. Deshalb müsse der Biontech/Pfizer-Impfstoff nun anders eingesetzt werden als bisher, plädierte der Virchowbund-Chef.

„Wir müssen jetzt viel mehr Biontech für die Jüngeren nehmen, weil wir wissen, dass der Impfstoff eine Übertragung verhindern kann“, so Heinrich. Er schlug vor, den Impfstoff verstärkt für die Bevölkerungsgruppe zu verwenden, die das Coronavirus am ehesten übertrage. Laut Heinrich seien das „Kita-Mitarbeiter, Lehrer, Ärzte, Krankenschwestern, Pflegekräfte, alle, die aktiv mit Menschen in Kontakt sind.“ (ph)

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