Eine Spritze liegt auf einem Tisch, nur auf einen Teil davon fällt Licht
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Warten aufs Vakzin: Die wahrscheinlich länger anhaltenden und effizienteren Corona-Impfstoffe kommen wohl erst 2022 auf den Markt.

Clevere Zellen sollen Virus stoppen

Corona-Impfstoffe: Neue Generation im Anmarsch - sie sollen viel länger und effektiver schützen

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Die bislang verfügbaren Impfstoffe setzen ausnahmslos auf die Bildung von Antikörpern. Dabei wäre eine andere Taktik offenbar viel effektiver, der Weg dahin aber auch deutlich länger.

München - Impfstoffe sind der Schlüssel, um eintreten zu können in die neue Normalität. Die zumindest unserem Leben ähnelt, das wir vor Aufkommen des Coronavirus als selbstverständlich hingenommen haben. Was es ganz augenscheinlich nicht ist. Diese bittere Wahrheit werden auch die Präparate von Biontech oder Moderna, Astrazeneca oder Johnson & Johnson nicht wegspritzen können.

Denn zu viele Unsicherheiten gehen mit den täglich millionenfach verabreichten Wirkstoffen einher. Wie lange hält ihr Schutz an? Können sie wirklich allen Mutationen von Sars-CoV-2 erfolgreich Einhalt gebieten? Wenigstens den schon entdeckten? All diese Fragen werden sich nicht so schnell seriös beantworten lassen. Denn niemand kann wirklich wissen, was das heimtückische Virus noch ausheckt, um seine Existenz zu verlängern.

Künftige Corona-Impfstoffe: Statt auf Antikörper-Bildung wird auf clevere T-Zellen gebaut

Eine mögliche Schwäche aller aktuell am Markt befindlichen Vakzine ist deren Wirkungsweise. Sie alle zielen in erster Linie darauf ab, Antikörper zu bilden, die sich dann auf die Jagd nach dem Virus machen. Hört sich gut an, ist aber eben nicht perfekt. Denn es lässt sich nicht ausschließen, dass manche Mutante unerkannt durchschlüpfen könnte. Auch die Lebensdauer der Antikörper muss mit einem Fragezeichen versehen werden.

Das Zauberwort könnte in naher Zukunft daher T-Zelle heißen. Auch sie ist für die Immunabwehr zuständig. Besonders clever: Nach vorheriger Selektion verbleiben lediglich die Zellen, die nur körperfremde Antigene erkennen. So filtern sie auch von Viren befallene Zellen heraus und nehmen sich speziell diesen an.

Künftige Corona-Impfstoffe: T-Zellen wirken gegen Mutationen augenscheinlich effektiver

Im Vergleich mit Antikörpern können T-Zellen im menschlichen Organismus länger überleben und greifen sich eher die Bestandteile des Virus heraus, die mutmaßlich seltener mutieren. Dazu kommt: Studien ließen bereits darauf schließen, dass die Zellen Mutationen ebenso gut erkannten, wie die Ursprungsvariante des Coronavirus.

Der Berliner Biochemiker Dr. Emanuel Wyler twitterte dazu: „Es ist schon mehrfach gezeigt worden, dass die Antikörper-Antwort bei den Varianten nicht mehr so gut ist, die T-Zell-Antwort scheint aber nach wie vor robust zu sein. Das könnte eine Erklärung sein, warum die Impfstoffe auch bei den Varianten immer noch wirken, bzw. vor allem schwere Krankheitsverläufe, durch die nach wie vor funktionierende T-Zell-Antwort, verhindern.“

Künftige Corona-Impfstoffe: Unternehmen hoffen auf deutlich längeren Schutz

Denn auch durch die bereits zugelassenen Präparate können die T-Zellen angeregt werden, doch im Fokus von Biontech, Astrazeneca und Co. stehen eben die Antikörper. Das sieht bei der Forschungsarbeit einiger junger Biotechnologieunternehmen anders aus, wie ntv berichtet.

So setze „OSE Immunotherapeutics“ aus dem französischen Nantes auf diesen Zell-Ansatz und verspreche einen jahrelangen Schutz nach der Impfung. „Osivax“ aus Lyon verspreche sich ein „universelles“ Vakzin, das es mit jeder möglichen Mutation aufnehmen könne.

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Künftige Corona-Impfstoffe: Zulassung wohl frühestens im Jahr 2022

Am weitesten entwickelt sei das T-Zell-Präparat von „ImmunityBio“ aus Los Angeles. Die bislang publizierten vorläufigen Ergebnisse hätten Zuversicht geweckt. Allerdings wird mit diesen Impfstoffen frühestens im kommenden Jahr zu rechnen sein. Es liegt also noch eine Menge Arbeit vor den Wissenschaftlern, die sich auf die Fahne schreiben könnten, ein Mittel gegen Endlos-Impfungen auf den Markt zu bringen.

Es wird jedoch auch direkt Kritik laut an den noch in der Mache befindlichen Vakzinen. So zitiert ntv den britischen Virologen Julian Tang, der von einem „zweischneidigen Schwert“ spricht: „Die massenhafte Impfung erzeugt selbst einen evolutionären Selektionsdruck. Und dieser Druck kann das Virus dazu bringen, sich so zu entwickeln, dass es jedem Impfschutz entgeht.“ Das wäre ein Horrorszenario, das jedoch in seiner Grundannahme schon häufiger geäußert wurde.

Künftige Corona-Impfstoffe: Experte hat „Zweifel an der Wirksamkeit“

Der französische Virologe Yves Gaudin hegt sogar „Zweifel an der Wirksamkeit eines solchen Impfstoffes“. Seiner Meinung nach müssten T-Zellen und Antikörper idealerweise zusammenarbeiten. Allein würden die Zellen nicht viel ausrichten können gegen das Coronavirus. Es bräuchte demnach Vakzine, die sich nicht zu sehr auf eine Taktik fokussieren.

Ansonsten bliebe die Hoffnung, dass sich die beiden Experten irren. Und die Tür für Sars-Cov-2 und seine Mutationen wirklich für längere Zeit zugesperrt werden kann. (mg)

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