Eine Altersgruppe stimmt ihn optimistisch

„Man könnte diese Pandemie wegimpfen“ – Drosten wegen Corona-Impfquote in Deutschland skeptisch

  • Patrick Huljina
    VonPatrick Huljina
    schließen

Charité-Virologe Christian Drosten hat sich mit einer neuen des NDR-Podcasts „Das Coronavirus-Update“ aus der Sommerpause zurück gemeldet.

Hamburg - „Ich hatte wirklich gedacht, wir kommen mit einer hohen Impfquote aus der Sommerpause und können dann in ein paar Podcast-Folgen feiern, wie gut wir das alles in Deutschland hingekriegt haben“, sagte Virologe Christian Drosten* am Freitag (3. Freitag) in der neuen Folge des Podcasts „Das Coronavirus-Update“. Die Corona*-Lage sehe nun allerdings ganz anders aus. „Und das aus dem dummen Grund, dass wir die erforderliche Impfquote nicht erreicht haben“, so Drosten.

Corona in Deutschland: Drosten pessimistisch – „Man könnte diese Pandemie wegimpfen“

Bislang sind erst 61 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. Im August nahm die Impfquote nur noch um rund 10 Prozentpunkte zu. Nach dem jüngsten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI)* haben in der Bevölkerung über 60 Jahre 83 Prozent den vollen Impfschutz. Bei den Erwachsenen zwischen 18 und 60 Jahren liegt die Quote bei 65 Prozent. Nach RKI-Berechnungen müssen aber mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollständig geimpft sein, damit eine ausgeprägte neue Welle mit vollen Intensivstationen im Herbst und Winter unwahrscheinlich wird.

Eine Impfquote von 90 bis 95 Prozent sei eigentlich möglich, derzeit aber nur Utopie. „Man könnte diese Pandemie wegimpfen“, erklärte Drosten. Derzeit ist der Charité-Virologe allerdings pessimistisch, dass Deutschland allein durch Impfangebote eine akzeptable Impfquote in der Corona-Pandemie* erreichen kann.

Corona-Impfquote in Deutschland: Drosten sieht gewisse Gleichgültigkeit

Er gehe nicht davon aus, dass Deutschland über Ansprache der Bevölkerung noch viel weiter komme mit der Impfquote. „Und darum glaube ich, dass die Politik eine schwere Aufgabe vor sich hat und konsequent auch Entscheidungen treffen muss bald“, sagte Drosten.

Der Corona-Podcast des Virologen Christian Drosten ist aus der Sommerpause zurück. (Archivbild)

Man könne versuchen, die Dringlichkeit der Corona-Impfungen* in Deutschland zu vermitteln, sagte der Virologe weiter. „Es gibt eine grundsätzliche Offenheit. Ich würde nur ganz wenigen nicht geimpften Personen im Moment unterstellen, dass die jetzt vollkommen verrückte Geschichten glauben.“ Vielmehr sei es manchmal diese gewisse Gleichgültigkeit, die eine Entscheidung zur Impfung verhindere.

Corona-Impfungen in Deutschland: Eine Altersgruppe stimmt Drosten optimistisch

Das sei der große Unterschied zu Menschen in Portugal oder Spanien. „Die haben eine schreckliche gesamtgesellschaftliche Erfahrung hinter sich. Viele Tote und einen richtigen Lockdown, wo man nur zum Einkaufen mit Begründung nach draußen darf und auf der Straße patrouilliert das Militär.“ Das sei ein wirklicher Lockdown*. „Das haben wir in Deutschland nicht erlebt. Wir können, glaube ich, diese Erfahrung in Deutschland nicht im Nachhinein noch simulieren“, so Drosten.

Was ihn aber optimistisch stimme, sei die hohe Impfbereitschaft bei den 12- bis 17-Jährigen. „Das ist extrem positiv zu sehen. Wir haben hier eine junge, auffassungsfähige Bevölkerungsschicht“, sagte der Virologe. Er glaube, dass sich das auf die Studierenden auch so übertragen lasse. Junge Leute würden deshalb noch eine wichtige Rolle spielen in der nächsten Zeit. (ph/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare